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Rätseln um das Fischsterben in der Oder: Experten tappen weiterhin im Dunkeln

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Von: Naima Wolfsperger

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Die Suche nach dem Grund für das Fischsterben in der Oder gestaltet sich schwierig. Gewässeranalysen des vorpommerschen Stettiner Haffs bleiben ohne erkennbares Ergebnis.

Update vom 19. August, 12.52 Uhr: Erste umfangreiche Untersuchungen des Wassers im deutschen Teil des Stettiner Haffs haben nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus keine Auffälligkeiten ergeben. Die Proben im Zusammenhang mit dem Oder-Fischsterben stammten vom 13., 15. und 18. August und seien auf 211 organische Schadstoffverbindungen, 20 Metall- und Schwermetallrichtungen und 10 Nährstoffverbindungen untersucht worden, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Ueckermünde. „Sie zeigen keine Auffälligkeiten.“

Eine bestehende Warnung vor dem Baden im Haff könne dennoch nicht aufgehoben werden, sagte Backhaus. Das könne erst dann erfolgen, wenn die polnischen Behörden ihr Badeverbot für die Oder aufgehoben und man bis dahin nichts im Haff entdeckt habe. Auch Fischkadaver seien weiterhin nicht im deutschen Teil des Haffs gefunden worden.

Fischsterben in der Oder: Behörden raten vorsorglich vom Baden, Angeln und Fischen ab

In den vergangenen Tagen haben Helfer und Helferinnen in Brandenburg und Polen massenhaft tote Fische aus der Oder geborgen. Die Ursache ist bislang unklar.

Der deutsch-polnische Grenzfluss mündet in das Stettiner Haff, durch das die deutsch-polnische Grenze verläuft und das mit der Ostsee verbunden ist. Das Mündungsgebiet ist weit verzweigt und das Haff mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

Behörden in Mecklenburg-Vorpommern raten vorsorglich vom Baden, Angeln, Fischen und der Wasserentnahme aus dem Stettiner Haff ab. Tourismusbetriebe berichteten bereits von einem Besucherrückgang.

Update vom 19. August, 12.23 Uhr: Die Gewässeranalysen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben vorerst ohne eindeutiges Ergebnis. Auch sie können in der Frage nach dem Ursprung der toten Fische in der Oder vorerst keine Antwort geben. Laut Umweltminister Till Backhaus wurden bei mehreren Proben keine erhöhten Werte festgestellt.

Rätseln um das Fischsterben in der Oder: Bringen die Gewässeranalysen des Stettiner Haffs neue Erkenntnisse? 

Erstmeldung vom 19. August 2022: Frankfurt (Oder)/Ueckermünde - Mehr als 36 Tonnen toter Fisch wurden allein in Deutschland aus der Oder gezogen. Ein Vielfaches mehr in Polen. Die Naturkatastrophe in dem 840 kilometerlangen Fluss schockiert in beiden Ländern. Die Ursachensuche läuft auf Hochtouren. Doch ob es eine eindeutige Erklärung geben wird, bleibt vorerst unklar. Einblick geben könnte am heutigen Freitag der Pressetermin von Till Backhaus, Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern. Backhaus stellt um 11 Uhr Gewässeranalysen zum vorpommerschen Teil des Stettiner Haffs vor.

Auch das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) untersucht nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums vom Donnerstag weiterhin Wasserproben verschiedener Tage und Messpunkte sowie Fische. Die Ursachenforschung gestalte sich auch deshalb schwierig, weil Informationen - auch von polnischer Seite - zu eventuellen Einleitungen oder konkreten Anlässen für die Umweltkatastrophe weiter fehlten, hatte das Ministerium am Mittwochabend mitgeteilt. Laufende Untersuchungen hätten bisher keine eindeutigen Belege für eine singuläre Ursache für das Fischsterben in der Oder ergeben, teilte das Ministerium weiter mit.

Fischsterben in der Oder: Experte sieht Algen als entscheidenden Faktor

Bislang zeigten Analyseergebnisse keine besonders hohen Werte für Metalle wie etwa Quecksilber. Der Quecksilbergehalt bewege sich bei den beprobten Fischen innerhalb der in den vergangenen Jahren festgestellten Werte und bleibe unter der entsprechenden EU-Norm, teilte das Ministerium weiter mit. Auch, dass so viele Theorien als Grundlage für das Fischsterben denkbar sind, erschwert wohl die Suche nach einem eindeutigen Befund.

Ein weiterer Experte sah am Donnerstag die massive Vermehrung bestimmter Algen als entscheidenden Faktor. „Für mich stellt sich das relativ plausibel so dar, dass es zu dieser massiven Vermehrung von Algen gekommen ist - und im Zusammenhang ist die Abgabe von toxischen, von diesen Algen produzierten Substanzen gut dokumentiert“, sagte Jörg Oehlmann, Leiter der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie an der Goethe-Universität Frankfurt, der dpa.

„Von diesen Toxinen wissen wir auch, dass sie schon bei recht niedrigen Konzentrationen derartiges Fischsterben verursachen können.“ Ob dies letztlich Blaualgen seien oder etwa die zuletzt in der Oder identifizierte giftige Algenart Prymnesium parvum bleibe aber erst noch zu klären, so Oehlmann. Das Phänomen des massenhaften Algenwachstums ist Oehlmann zufolge entweder auf die hohen Temperaturen und die starke Sonneneinstrahlung oder die menschengemachte Einführung bestimmter Substanzen zurückzuführen.

Brandenburg, Lebus: Ein toter Blei liegt am frühen Morgen im flachen Wasser vom deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.
Ein toter Blei liegt am frühen Morgen im flachen Wasser vom deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. © Patrick Pleul/dpa-Bildfunk

Die Ursachenforschung zu der Katastrophe durch Analyse der Stoffe in der Oder sei nun eine wahre Sisyphusarbeit, da etwa 350.000 Substanzen potenziell in einer Wasserprobe vorhanden sein könnten - und auch eine ausführliche Diagnostik nie alle abdecke. „Es kann Wochen dauern, bis man die dahinter steckende Substanz auch wirklich identifiziert hat und beim Namen nennen kann“, sagte Oehlmann. Die EU-Kommission ist nach eigenen Angaben höchst besorgt und drängte am Donnerstag bei den Untersuchungen zum Fischsterben in der Oder auf Ergebnisse. „Es ist höchst wichtig und dringend, die Ursache zu ermitteln und die geeigneten Maßnahmen flussabwärts zu ergreifen“, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. „Je eher wir die Ursache dieser ökologischen Katastrophe ermitteln können, desto eher können wir damit beginnen, die weiteren Folgen für die Natur, die Fischerei, die Landwirtschaft und die Freizeitgestaltung zu bewältigen und zu begrenzen“, sagte der Sprecher.

Fischsterben in der Oder: Schiffsführer hat die Katastrophe gemeldet

Die Stadt Frankfurt (Oder) forderte vom Land eine Analyse des Krisenmanagements zur Umweltkatastrophe an der Oder. So seien etwa in den ersten Tagen falsche Hoffnungen auf frühere Laborergebnisse zum Fischsterben geschürt worden, sagte Stadtsprecher Uwe Meier der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Stattdessen sei die Stadt vom Land für ihre Eigeninitiative gerügt worden, die vielen toten Fische abzusammeln. Das Umweltministerium machte am Donnerstagabend weitere Angaben über das Bekanntwerden der Katastrophe in Brandenburg. Das Landesamt für Umwelt habe „konkrete Hinweise auf eine Umweltverschmutzung nicht - wie üblich - über die offiziellen Meldewege, sondern über das Landeslabor Berlin-Brandenburg“ erhalten. „Ein Schiffsführer hatte sich beim LLBB gemeldet und über das Fischsterben berichtet.“ Die automatische Messgütestation Frankfurt (Oder) habe seit dem 5. August einen stärkeren Anstieg der elektrischen Leitfähigkeit verzeichnet, so das Ministerium. „Ab dem 7.8. steigen auch die Kurven der Parameter Sauerstoffgehalt und Chlorophyll an.“ Diese seien für sich allein noch nicht interpretationsfähig gewesen. „Insbesondere lieferten sie mit Blick darauf, dass die Oder ohnehin witterungs- und klimabedingt unter Stress steht, noch keine genaueren Hinweise, wurden aber weiter beobachtet.“

Die Auswirkungen des massenhaften Fischsterbens in der Oder bekommen zunehmend auch Tourismusbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern zu spüren. „Die Hochsaison ist abrupt abgebrochen“, sagte Elke Schmidt vom Campingpark Oderhaff bei Grambin der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Auch in direkt vom Fischsterben betroffenen Regionen in Brandenburg gibt es nach Angaben des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree weniger Urlauber.

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