Sandtoilette.

Faszination Watt und Meer

Die Nordsee ist immer eine Reise wert. Urlaub an der deutschen Küste ist in diesem Jahr für noch mehr Menschen als in Nicht-Corona-Zeiten eine Option. Das Wattenmeer mit seinen Freizeitmöglichkeiten in Wasser, Sand und Schlick lockt. Als Lebensraum ist es ein Schatz und in weiten Teilen Nationalpark, Biosphärenreservat und seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Spurensuche am Priel in St.-Peter-Ording - und im Museum Multimar in Tönning.

Bloß nicht auf die Qualle treten. Die parkt schließlich nur hier im Sand, will mit der Flut wieder auf und davon. Lieber eine der angespülten Herzmuschel-Hälften aufheben und in die Tasche stecken - als Erinnerung ans Wattenmeer und seine Schönheit, seine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt, seinen unschätzbaren ökologischen Wert.

Insgesamt rund 9000 Quadratkilometer Wattenmeer an der Nordsee zwischen Skallingen in Dänemark im Nordosten und Den Helder in den Niederlanden im Südwesten sind eine Hausnummer. Schleswig-Holstein hat wie Hamburg und Niedersachsen seinen Wattenmeeranteil als Nationalpark und Biosphärenreservat ausgewiesen, steht auf Erklärtafeln in den Salzwiesen. Mit seiner Fläche von 4410 Quadratkilometern handelt es sich um den mit Abstand größten Nationalpark in Deutschland. 68 Prozent liegen laut Online-Recherche per Handy unter Wasser, und 30 Prozent fallen periodisch trocken.

Hier zum Beispiel. Was ist das da für ein Vogel? Wie kommen diese durchaus harten Sandriffel unter den Füßen zustande? Woraus besteht Schlick? Warum sind dort Salzwiesen und da drüben eher Dünen? Wieso stranden hier manchmal Wale und wie schnell läuft eigentlich dieser Priel voll, wenn das Wasser zurückkehrt?

Nach den Antworten kann man natürlich weiter googeln - oder, viel besser, an einem anderen Tag einen Ausflug ins Multimar-Wattforum im beschaulichen Städtchen Tönning landeinwärts machen. Die interaktive Erlebnisausstellung bietet auf über 3000 Quadratmetern Wissenswertes und Unterhaltsames zum Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Schon kurz nach dem Eingang im Obergeschoss kommt der interessierte Besucher kaum mehr vom Fleck - dort wird die Vogelwelt im Wattenmeer präsentiert. Viel zu erfahren über die Lebensweise der Standvögel ebenso wie über die Millionen Zugvögel, die den gedeckten Tisch des Gezeiten-Restaurants Wattenmeer zum Kräftesammeln vor ihrer großen Reise Jahr für Jahr besuchen.

Wenn Wale zu früh links abbiegen

Im Erdgeschoss steht man dann im Wasser - jedenfalls fast. Aquarien zu Wattenmeer und Nordsee beherbergen in allen möglichen Ausprägungen der Meerestiefen und besonderen Habitats Flora und Fauna unter Wasser: Quallen in allen Größen, Seeanemonen, Seesterne, Schnecken, Krebse, Krabben und Fische. Die Kinderstube von Katzenhaien. Fast könnte man den Plattfisch im offenen Becken streicheln, anstatt immer nur Scholle nach Finkenwerder Art auf dem Teller zu filetieren. Man kann selbst Wellen machen und die Auswirkungen auf dem Meeresboden betrachten.

Oder den Flut-Ebbe-Mechanismus und die Sandumwälzung durchdringen. Man sieht, wie schnell das Wasser den trockenen Bereich flutet und wie genau man auf den vorgelagerten Sandbänken oder vor den Halligen den Gezeitenkalender im Auge behalten muss. Man lernt, wie die Küste in früheren Zeiten aussah, das Meer und der Mensch ihre Form prägten. Ein großer Bereich ist der Krabbenfischerei gewidmet und den Meeressäugern, im Kino laufen Themenfilme.

Besonders beeindruckend sind das Großaquarium mit Haien über eine volle Etage im Untergeschoss, der Sonderbereich Klimawandel und Watt, die Themen Fischerei, den viel zu oft wenig nachhaltigen Fischkonsum und die Herkulesaufgabe Umweltschutz, der Kampf gegen Vermüllung und Verschmutzung. Und - natürlich! - die Walausstellung mit Pottwalskelett und Themenkammern. Dort kann man Walgesänge anhören oder erfahren, dass Pottwale, die im Watt stranden, von Norwegen kommend vermutlich vor Großbritannien versehentlich zu früh links abgebogen sind und sich dann nicht mehr gut orientieren können. Eine Theorie: Zu großer Unterwasserlärm - oder zu wenig Widerstand für das Wal-Echolot in der flachen Nordsee mit ihren Gezeitenunterschieden von bis zu vier Metern. Auch vor St.-Peter-Ording sind im Jahr 1998 Wale gestrandet. Es waren sechs Tiere. Kann man sich beim Blick über den Priel und die Wattfläche bei Ebbe gut vorstellen. Drei Wale konnten gerettet werden. Neue werden stranden. Die Nordsee ist gefährlich. Und wunderschön. Immer eine Reise wert - watt Wunder...

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