Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser Unterspültes Haus mit beschädigtem Auto in der Stadt Marienthal.
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Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser Unterspültes Haus mit beschädigtem Auto in der Stadt Marienthal.

Hochwasser in Deutschland

Pegel in NRW sinken - doch Ministerin meint direkt: „Für Entwarnungen definitiv zu früh“

  • Veronika Silberg
    VonVeronika Silberg
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Langsam entspannt sich in Deutschland die Lage der Hochwassergebiete. Doch Strom und Wasser bleiben knapp. Das Ausmaß der Zerstörung ist groß. Der News-Ticker.

  • Für den Anfang der Woche erwartet der Deutsche Wetterdienst keine weiteren, schweren Unwetter*.
  • Vielerorts können die Aufräumarbeiten beginnen. Doch es gibt neue Wetter-Warnungen (siehe Update vom 19. Juli, 18.49 Uhr).
  • Offenbar kommt es in den Hochwasser-Gebieten in Deutschland auch zu Plünderungen (siehe Update vom 19. Juli, 20.17 Uhr).
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Hochwasser-Katastrophe hat enorme Schäden angerichtet. Unterstützen Sie die Menschen in Not.

Update vom 19. Juli, 21.19 Uhr: In einer Mitteilung verkündete das Umweltministerium von NRW am Montagabend, dass die Pegelstände nun an allen Messpunkten fallen. „Aktuell überschreitet keiner der insgesamt 175 Pegel mehr einen Wert, bei denen weitere größere Überflutungen bebauter Gebiete drohen“, heißt es dort. Allerdings besteht an drei Pegeln an der Rur (Altenburg, Jülich und Zerkall) noch die Gefahr, dass einzelne Grundstücke überflutet werden. Zudem besteht an zwei Pegeln noch die Gefahr, das land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden oder es zu Verkehrsbehinderungen kommt (Stah/Rur und Bliesheim/Erft). Und auch die Lage an den Talsperren entspannt sich demnach.

Dennoch warnte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser: „Für Entwarnungen ist es definitiv noch zu früh. Akute Hilfe ist weiterhin das Gebot der Stunde, die Abwehr weiterer Gefahren für Leib und Leben“.

Update vom 19. Juli, 20.17 Uhr: In den vom Hochwasser schwer getroffenen Regionen im Westen Deutschlands kommt es offenbar zumindest zu vereinzelten Plünderungen. Die Polizei Köln bestätigte nun, dass zwischen Sonntag und Montag mehrere Notrufe bei den Leitstellen der Polizeien in Bonn, Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis zu Plünderungen eingegangen seien. In Weilerswist und in Stotzheim habe die Polizei sogar sieben Männer deshalb festgenommen. Allerdings konnte sich in keinem Fall der Verdacht erhärten und die Männer kamen wieder frei. „Auch heute sind wieder über 500 Polizisten im Einsatz, um das Hab und Gut der von der Naturkatastrophe getroffenen Menschen im Katastrophengebiet zu schützen“, so die Polizei in einer Mitteilung am Montag.

Hochwasser-Schäden im Milliardenbereich

Update vom 19. Juli, 18.59 Uhr: Der Bund rechnet wegen der Hochwasser-Katastrophe mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Schäden alleine bei der Deutschen Bahn sowie bei Straßen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen. Alleine bei der Bahn gebe es einen Schaden von mindestens 1,3 Milliarden Euro.

Zerstörte Brücken, Gleise, Straßen und Mobilfunkmasten in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und
Nordrhein-Westfalen sollen schnellstmöglich wieder instandgesetzt werden, hatte es zuvor aus dem Bundesverkehrsministerium geheißen. Dazu tagte am Montag eine Taskforce, wie ein Sprecher von Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) gesagt hatte. Daran hätten auch Vertreter der Deutschen Bahn und der Autobahngesellschaft des Bundes teilgenommen.

Katastrophale Ausmaße der Zerstörung - Meteorologen rechnen mit neuen Gewittern

Update vom 19. Juli, 18.49 Uhr: Die Fluten sind zurückgegangen, jetzt werden die Schäden deutlich sichtbar. Seehofer machte sich am Montag unter anderem an der zwischenzeitlich von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen ein Bild der Schäden. Dort entspannte sich die Gefahrenlage ebenso wie in den anderen Hochwassergebieten im Westen Deutschlands und etwa in Bayern. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesopfer am Montag auf mindestens 164: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote bestätigt.

Für die Überlebenden der Fluten gilt es weiter, Schlamm und Trümmer aus ihren Häusern und von den Straßen beiseitezuschaffen. Vielerorts ist die Infrastruktur etwa mit Brücken, Gleisen, Mobilfunkmasten und Trinkwasserversorgung zerstört. Im stark zerstörten Bad Neuenahr-Ahrweiler etwa holen Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) Wasser aus dem Fluss, in riesigen Trinkwasserbecken wird das schmutzige Flusswasser dann stufenweise gereinigt. Geplant sei, dass das produzierte Trinkwasser mit Fahrzeugen auch in andere betroffene Orte gebracht wird.

Die ebenfalls in der Region gelegene Stadt Erftstadt informierte, dass auf der überspülten Bundesstraße 265 alle vom Hochwasser
eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden seien. Dabei seien glücklicherweise keine Toten entdeckt worden. Mehr als 100 Fahrzeuge waren dort eingeschlossen.

Die aktuelle Wetterberuhigung in Deutschland könnte zum Wochenende schon wieder vorbei sein. Die Meteorologen rechnen mit neuen Gewittern, die sich von Südwesten her ausbreiten.

Merkel besucht erneut Hochwasser-Region

Update vom 19. Juli, 17.26 Uhr: Angela Merkel (CDU) macht sich am Dienstag ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kommt die Bundeskanzlerin am Mittag nach Bad Münstereifel, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte. Vor Ort im Kreis Euskirchen will sich Merkel ein Bild von der Lage machen, mit Vertretern von Hilfsorganisationen und Helferinnen und Helfern sprechen. Auch Treffen mit betroffenen Bürgern stehen auf dem Programm.

Update vom 19. Juli, 16.55 Uhr: Das Deutsche Rote Kreuz ruft nach der Hochwasser-Katastrophe zum Blutspenden auf. Der Blutspendedienst West sieht die ausreichende Versorgung mit Blutkonserven gefährdet. In den tendenziell blutspendefreundlichen ländlichen Gebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei die Infrastruktur dermaßen geschädigt, dass vielerorts auf absehbare Zeit keine Blutspendetermine mehr wahrgenommen werden könnten, teilte der große Versorger mit Blutpräparaten am Montag laut dpa mit. Da es bereits seit längerem gravierenden Mangel gebe, schlage man nun Alarm und rufe die Bevölkerung dringend zum Blutspenden auf. 

Hochwasser in Deutschland: Spendenbereitschaft hoch

Update vom 19. Juli, 16.10 Uhr: In den betroffenen Gebieten in Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ erklärte laut Deutschlandfunk am Montag, man könne derzeit keine weiteren Sachspenden entgegennehmen. Die Sichtung, Sortierung und auch die Logistik überstiegen die Kapazitäten der Verbände vor Ort. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen ruft stattdessen zu Geldspenden auf.

Während viele Anwohner die Trümmer aus den Gebieten räumen, kommen auch die Erinnerungen an die Schrecken des Unwetters zurück. Im Interview mit der Nachrichtenagentur afp erzählt eine Betroffene aus dem Kreis Ahrweiler von den Ereignissen. Es sei ganz schnell gegangen. „Das Wasser stand 1,60m hoch. Es sind ein paar Leichen in dem Wasser gewesen, die durch die Straße geschwommen sind.“ Immer noch wird in den betroffenen Gebieten nach Vermissten gesucht.

Update vom 19. Juli, 15.42 Uhr: Wird es noch weitere Unwetter geben? Aktuell ist die Warn-Karte des Deutschen Wetterdienst noch überwiegend grün. Der Anfang der Woche soll trocken bleiben. Katastrophengebiete in ganz Deutschland bleiben erstmal von Unwettern verschont. Gegen Samstag wird allerdings ein neues Tief erwartet. Es kann „von Westen vermehrt Gewitter bis hin zum Unwetter“ geben. Örtlich kann es zu Starkregen* und Hagel kommen. Ein Meteorologe gibt genauer Einschätzungen.

Update vom 19. Juli 15.25 Uhr: Die Debatte um den Katastrophenschutz heizt sich in Deutschland weiter auf. Auf Twitter trenden Schlagwörter wie „Warnungen“ und Hashtags wie #monumentales Systemversagen oder #Laschet wusste es. Immer mehr Vorwürfe werden laut. Vorort gibt es wenig Zeit sich damit auseinanderzusetzen. „Im Moment kümmern wir uns um das, was passiert ist“, hieß es im Krisenstab im besonders schwer getroffenen Kreis Ahrweiler.

Der Kreis Vulkaneifel und der Eifelkreis Bitburg-Prüm sehen zunächst keine Mängel bei der Alarmkette. Im Kreis Trier-Saarburg stand eine Analyse noch aus. Die Landesregierung hatte am Sonntag auf das rasante Tempo verwiesen, mit dem Wassermassen alles mitgerissen hatten.

Update vom 19. Juli, 14.21 Uhr: Ganze Firmengelände sind überflutet. Maschinen stehen still. Auch viele Unternehmen hat die Hochwasser-Katastrophe in Deutschland hart getroffen. Ein durch Hochwasser verwüstetes Werk des Autozulieferers ZF in Bad Neuenahr-Ahrweiler (RLP) steht nach Unternehmensangaben seit dem Hochwasser ebenso still wie Produktionsanlagen des Kupfer-Recyclers Aurubis in Stolberg bei Aachen. Der Energieversorgungskonzern RWE musste die Förderung im Braunkohletagebau Indes unterbrechen und die Produktion in seinem Kraftwerk Weisweiler reduzieren. Das Outlet-Center Bad Münstereifel meldet auf seiner Homepage: „Auf unbestimmte Zeit geschlossen.“

Erstmeldung vom 19. Juli 2021: München - Zum Wochenstart sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für die Nordhälfte von Deutschland „nur selten ein paar Tropfen“ voraus. Auch in der Südhälfte sei es oft freundlich. Nur südlich der Donau sind laut Prognose nachmittags einzelne Gewitter möglich, örtlich allerdings auch mit Starkregen. Die Flutgefahr scheint in den meisten Gebieten allerdings erstmal gebannt.

Im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land im Südosten Bayerns konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. In Passau blieb die befürchtete Hochwasser-Katastrophe aus. Bereiche der Stadt wurden zwar überschwemmt. Von katastrophalen Zuständen sei man aber zum Glück noch entfernt, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Die Feuerwehr rechnet damit, dass am Abend oder spätestens am Dienstag die Aufräumarbeiten beginnen können.

Nach dem Hochwasser in Deutschland: Strom und Wasser bleibt knapp - Notlage über Monate erwartet

Auch die Infrastruktur erholt sich in vielen Bundesländern langsam wieder. Die Bahnstrecke von Dresden (Sachsen) nach Prag (Tschechien) ist nach Bergungsarbeiten zumindest eingleisig wieder befahrbar. Und im Laufe der Woche soll auch die Schifffahrt auf dem Rhein bei Speyer (Rheinland-Pfalz) und Karlsruhe (Baden-Württemberg) wieder freigegeben werden.

Das Mobilfunknetz in den betroffenen Gebieten ist besonders in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen noch immer lückenhaft, Angehörige sind oft nicht erreichbar. Der größte deutsche Mobilfunkanbieter Vodafone erklärte am Montag laut afp, dass noch ein Sechstel der Funkstationen vom Netz abgeschnitten sei. Viele Standorte sind beschädigt oder völlig zerstört.

„Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird“

Cornelia Weigand, Bürgermeisterin der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Altenahr

Bei Strom und Wasser dauert die Notlage in einigen Gebieten offenbar noch länger an: "Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird", sagte Cornelia Weigand, Bürgermeisterin der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Altenahr am Sonntagabend bei "Bild live". Es sei daher sehr wichtig, eine Notwasserversorgung "gegebenenfalls auch über Monate" gewährleisten zu können. Dies gelte ebenso für eine Notstromversorgung an einigen Orten. Sie könne nicht absehen, wann es in Altenahr wieder Normalität gebe, sagte Weigand weiter.

Nach dem Hochwasser in Deutschland: Todeszahl steigt - Alleine in einem Kreis 117 Tote

In den Trümmern, die die verheerenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hinterlassen haben, tauchen weitere Todesopfer auf. Alleine im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler* ist die Todeszahl auf 117 angestiegen. 749 Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei Koblenz am Montag mit.

Insgesamt war die Zahl der bestätigten Todesopfer wegen der verheerenden Überflutungen in Deutschland am Wochenende auf fast 160 gestiegen. Es ist die schwerste Hochwasserkatastrophe in Deutschland seit Jahrzehnten. Viele Häuser, Straßen und Brücken liegen in Trümmern. Feuerwehr, Hilfsdienste und die Bundeswehr sind im Dauer-Einsatz. Immer noch kann in einzelnen Städten keine völlige Entwarnung gegeben werden. Unterdessen nimmt die politische Debatte um den Katastrophenschutz Fahrt auf. (vs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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