Ist eine Impfung auch für Menschen sinnvoll, die zuvor eine Covid-19 Erkrankung überstanden haben? Studien legen eine Antwort nahe: Ja. (Symbolbild)
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Ist eine Impfung auch für Menschen sinnvoll, die zuvor eine Covid-19 Erkrankung überstanden haben? Studien legen eine Antwort nahe: Ja. (Symbolbild)

Pandemie

Corona: Ehemals Infizierte nachimpfen? Biontech schützt sie gegen Mutanten

  • Alexander Gottschalk
    VonAlexander Gottschalk
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Ist es sinnvoll Menschen, die eine Covid-Erkrankung überstanden haben, einmalig nachzuimpfen? Dem gehen zwei Studien aus Großbritannien nach.

Update vom Montag, 10.05.2021, 11.30 Uhr: Wer eine Corona-Infektion bereits überstanden hat und dann eine erste Impfung erhält, ist womöglich besser gegen Mutanten des Corona-Virus geschützt, als Menschen die nur die erste Impfung erhalten haben. Das geht aus einer britischen Studie hervor, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler untersuchten, wie das Immunsystem nach einer ersten Gabe des mRNA-Impfstoffes von Biontech auf die britischen (B.1.1.7) und südafrikanischen (B.1.351) Mutanten reagiert.

Dabei stellten die Forscher fest, dass die Immunantwort stärker war, wenn die Geimpften in der Vergangenheit bereits mit dem Coronavirus infiziert gewesen waren, als wenn sie nur erste Impfdosis erhalten hatten. Wie das Ärzteblatt erklärt, gab es bei den vorerkrankten Personen eine 46-fach stärkere Reaktion der Antikörper gegen die britische Mutante im Vergleich zu Personen, die nicht an Corona erkrankt waren. Bei der südafrikanischen Variante war die Reaktion sogar 63-fach so stark.

Corona-Impfung nach Erkrankung: Studie zu Immunität zeigt positiven Effekt

Erstmeldung vom Mittwoch, 31.03.2021, 12.14 Uhr: London – Sollte oder muss man sich nach einer überstandenen Corona-Infektion noch gegen das Virus impfen lassen? Ein Forscherkollektiv aus Großbritannien hat nun Studienergebnisse vorgelegt, die eine klare Antwort auf diese Frage liefern: Ja. Die Wissenschaftler renommierter Universitäten fanden heraus, dass Menschen, die eine Sars-CoV-2-Infektion hinter sich haben, ihren Immunschutz erheblich verbessern können, indem sie sich einmalig nachimpfen lassen.

Das Fachmagazin „The Lancet“ publizierte vorab einen Abriss der Untersuchung, in der beschrieben wird, dass schon eine einzige Impfdosis bei ehemals Infizierten eine vergleichbar gute Immunität herstellt, wie bei Personen, die kein Corona hatten, aber dafür nicht nur die Erst-, sondern auch die Zweitimpfung erhalten haben. Neben dem Schutz durch Antikörper analysierten die Briten dafür auch den Schutz durch sogenannte T-Zellen.

Impfung nach Corona-Infektion: Britische Studie untersuchte Gesundheitsbranche

Die Studie namens PITCH („Protective Immunity from T-cells in Healthcare workers“) gehört zum SIREN-Projekt („SARS-CoV-2 Immunity and Reinfection Evaluation“), das seit Juni 2020 Mitarbeitende des britischen Gesundheitswesens begleitet und dabei verschiedene Fragen untersucht. Im vorliegenden Fall wollten die Forscher wissen, ob eine Spritze des Biontech-Impfstoffs ausreicht, um den Impfschutz bei Krankenpflegern, Ärzten & Co., die zuvor an Covid-19 erkrankt waren, zu verstärken.

Aus anderen Erhebungen ist bekannt, dass Betroffene nach einer Corona-Infektion eine Immunität entwickeln, die mehrere Monate anhalten kann. Mehrfachinfektionen sind jedoch erwiesenermaßen möglich, obwohl das Risiko gering ist. Ob diese Erkenntnisse angesichts der Mutationen des Coronavirus noch in gleicher Weise gelten, ist bislang nicht abschließend geklärt. Zumindest die PITCH-Studie von der Insel weckt aber Hoffnungen.

Impfung nach Corona-Infektion: Drei wichtige Ergebnisse aus Großbritannien

Die Forscher nahmen von insgesamt 237 Probanden aus der Gesundheitsbranche Blutproben. Dabei betrachteten sie die Immunantwort des Körpers auf zwei Aspekte hin: die B-Zell-Antwort und die T-Zell-Antwort. Die B-Zellen produzieren die Antikörper, „die Viren außerhalb der Zelle ‚abfangen‘ und damit die Infektion weiterer Zellen verhindern“, wie die Fachzeitung Ärzteblatt in einem Artikel über die Studie erklärt. Im Gegensatz dazu zerstörten die T-Zellen andere Zellen, in die das Coronavirus bereits eingedrungen sei. Letzteren Mechanismus zu erforschen, sei aufwendiger und deshalb seltener, heißt es weiter.

Die Wissenschaftler aus Großbritannien kamen bei ihren Testungen zu drei zentralen Ergebnissen:

  • Das wichtigste Ergebnis zuerst: Die Studie zeigt, dass die einmalige Impfung in Kombination mit der überstandenen Infektion den Immunschutz erheblich verstärken kann. Nachdem beide Gruppen eine Biontech-Dosis verimpft bekommen hatten, ergab sich bei den ehemals Infizierten eine 6,8-fach höhere Antikörper-Reaktion und eine 5,9-fach höhere T-Zellen-Reaktion als bei Nicht-Infizierten, sogenannten „Virus-naiven Personen“. Die Impfung wirkte wie eine Art Booster.
  • Ein zweites Ergebnis hilft, das erste einzuordnen: Die T-Zellen-Reaktion bei ehemals Infizierten fiel nach nur einer Impfdosis genauso stark aus, wie die von Nicht-Infizierten, die beide Impfungen erhalten hatten.
  • Außerdem zeigten die Forscher, dass Nicht-Infizierte, die nur eine Impfdosis bekamen, eine ähnliche oder stärkere Immunreaktionen hatten wie diejenigen, die mit Corona infiziert gewesen waren, aber ungeimpft blieben. Der körpereigene Immunschutz allein war also schwächer als der Schutz durch die Erstimpfung.

Impfung nach Corona-Infektion: Besserer Schutz gegen Mutationen?

Übereinstimmenden Medienberichten nach entdeckten die Wissenschaftler außerdem Hinweise darauf, dass der verstärkende Effekt von Impfung plus überstandener Krankheit auch die „Breite“ der Immunantwort verbessere, was es laut den Forscher wahrscheinlicher macht, dass der Impfschutz auch gegen Virusmutationen beständig bleibt. Zudem seien bei den Testungen Antikörper gegen die Mutanten B117, B1136 und P1 gefunden worden.

Die britischen Forscher plädieren klar für eine Impfung, trotz Immunschutz durch vorangegangene Covid-Erkrankung. Mehr noch: Es sei essenziell, dass jeder für den maximalen Schutz eine zweite Impfdose bekomme. Weil Impfstoffe aber immer noch knapp sind, hat die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) jüngst empfohlen, ehemals Infizierte nicht zu impfen, da der körpereigene Immunschutz vergleichsweise gut ist. Zudem soll laut STIKO eine Impfstoffdosis ausreichen. (ag)

Wie korrelieren die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus und die körpereigene Immunreaktion nach einer Erkrankung? Dieser Frage gehen Forscher aus Großbritannien auf den Grund. (Symbolbild)

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