Vorschul- und Schulkinder infizieren sich offenbar deutlich häufiger mit Corona als zunächst angenommen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Antikörper-Studie des Helmholtz Zentrums München hin. (Symbolfoto)
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Vorschul- und Schulkinder infizieren sich offenbar deutlich häufiger mit Corona als zunächst angenommen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Antikörper-Studie des Helmholtz Zentrums München hin. (Symbolfoto)

Forschung

Corona-Infektionen bei Kindern: Hohe Dunkelziffer – Verbreitung stark gestiegen

  • Lena Karber
    vonLena Karber
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Eine bayrische Studie zeigt: Die Dunkelziffer der Sars-Cov-2-Infektionen unter Kindern war in der ersten Welle hoch – und anschließend ist die Zahl der Infektionen unter Kindern noch einmal deutlich gestiegen.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Entwicklung des Infektionsgeschehens in der Corona-Pandemie? Diese Frage beschäftigt Forschung, Medien und Politik seitdem sich das Virus Anfang 2020 in Deutschland ausgebreitet hat. Dabei wird oft angenommen, dass Kinder weniger anfällig für eine Infektion mit Sars-Cov-2 sind. Doch stimmt das wirklich?

Eine neue Studie aus Bayern deutet nun daraufhin, dass es unter Kindern offenbar eine hohe Dunkelziffer gibt, und viele Infektionen während der ersten Welle schlicht nicht erkannt wurden. Im Zuge der zweiten Welle lag der Anteil der infizierten Kinder dann noch einmal deutlich höher. „Die Ergebnisse besitzen Relevanz für Entscheidungen über Maßnahmen zu Eindämmung des Pandemiegeschehens“, heißt es seitens des Helmholtz Zentrums München.

Studie des Helmholtz Zentrums München: Kinder auf Antikörper untersucht

Entstanden ist die Untersuchung ursprünglich aus einer Diabetes-Studie. Im Rahmen der Screening-Studie „Fr1da“ untersuchen Forschende am Helmholtz Zentrum München Kinder bis zu einem Alter von 10 Jahren in Bayern auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes und entnehmen dafür Blutproben. Angesichts der Corona-Pandemie hat die Forschergruppe dann im vergangenen Jahr entschiedenen, auch SARS-CoV-2-Antikörpertests in ihre Untersuchungen mit einzubeziehen. So wurden zwischen Januar und August 2020 (erste Welle) 15.523 Proben untersucht und zwischen September 2020 und Februar 2021 (zweite Welle) weitere 11.380.

Ein Zusammenhang zwischen präsymptomatischem Typ-1-Diabetes und einer durchgemachten Erkrankung an COVID-19 wurde im Rahmen der Studie nicht festgestellt, allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich Kinder wesentlich häufiger mit dem Coronavirus infizieren als angenommen – und zwar sowohl im Zuge der ersten Corona-Welle als auch während der zweiten Welle.

So hatten die Testergebnisse bereits während der ersten Welle eine Antikörperhäufigkeit von 0,87 Prozent bei den untersuchten Kindern ergeben, was laut den Forschern bedeutet, „dass sechsmal mehr Kinder in Bayern mit dem Coronavirus infiziert waren als über PCR-Tests gemeldet“. Und im Zuge der zweiten Welle nahm die Verbreitung des Virus unter den Kindern noch einmal deutlich zu: Zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 wurde bei Vorschulkindern eine Antikörperhäufigkeit von 5,6 Prozent festgestellt, bei Schulkindern, die von November 2020 bis Februar 2021 getestet wurden, lag der Wert sogar bei 8,4 Prozent. Am Ende der zweiten Welle wiesen laut Studie etwa achtmal mehr Kinder Antikörper gegen das Coronavirus auf als am Ende der ersten Welle. 

Vorschul- und Schulkinder infizieren sich offenbar deutlich häufiger mit Corona als zunächst angenommen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Antikörper-Studie des Helmholtz Zentrums München hin. (Symbolfoto)

Bayrische Corona-Studie: Bereits während der ersten Welle mehr Kinder infiziert als angenommen

Daraus ergeben sich zwei Ergebnisse. Erstens haben sich Kinder offenbar von Anfang an häufiger mit Sars-Cov-2 infiziert als zunächst aufgrund von PCR-Tests angenommen. „Dass die Häufigkeit der Infektion bei Kindern höher ist, als durch die PCR-basierte Virusüberwachung gemeldet, ist wahrscheinlich zum Teil auf asymptomatische Fälle im Kindesalter zurückzuführen“, erklärt Markus Hippich, Erstautor der Studie. Dies spiegele sich auch in den Fragebögen, die 92,6 Prozent der 446 Kinder, die in der zweiten Welle positiv getestet wurden, ausgefüllt hätten. 68 Prozent der Vorschulkinder und  51,2 Prozent der Schulkinder hatten demnach keine Symptome.

Corona-Studie aus München: Anteil der infizierten Kinder in der zweiten Welle deutlich gestiegen

Zum Zweiten zeigt die Studie, dass sich im Zuge der zweiten Welle deutlich mehr Kinder infiziert haben als während der ersten Welle. Die Forscher vermuten, dass dies auf eine Kombination verschiedener Ereignisse zurückzuführen ist. Dazu gehören laut einer Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München eine allgemein höhere Virusexposition im Herbst und Winter, Schulöffnungen sowie neue, infektiösere Virusvarianten. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich, dass sowohl Kinder im Vorschul- als auch im Schulalter für eine SARS-CoV-2-Infektion empfänglich sind“, wird Studienleiterin Anette-Gabriele Ziegler zitiert. „Um das Infektionsgeschehen in dieser Bevölkerungsgruppe besser in den Griff zu bekommen, könnten entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung in Kindergärten und Schulen hilfreich sein.“

Aussagen über das aktuelle Infektionsgeschehen zu treffen ist laut Forschern anhand der Messwerte nicht möglich. Der Grund: Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind erst nach einer bis vier Wochen nachweisbar.

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