Trends in Spanien und Frankreich

Corona: Besorgniserregende Trends in Spanien und Frankreich erkennbar - ein Warnsignal für Deutschland?

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie ist in Europa angekommen. In Spanien und Frankreich lassen sich besorgniserregende Trends erkennen.

  • Die zweite Welle* der Coronavirus-Pandemie* ist wohl endgültig in Europa angekommen.
  • In Spanien steigt die Zahl der Corona-Todesfälle* deutlich an.
  • In Frankreich infizieren sich wieder zunehmend ältere Menschen, was zu einer regionalen Knappheit an Intensivbetten für Covid-19-Patienten führt.
  • Wir haben für Sie grundlegende Fakten zum Coronavirus* zusammengefasst. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Deutschland sowie die weltweiten Entwicklungen.

Madrid - Die zweite Welle der Coronavirus-Pandemie ist wohl endgültig in Europa angekommen. Die Zahl der Neuinfektionen, insbesondere in Spanien und Frankreich, ist in der vergangenen Woche enorm angestiegen. In den beiden Ländern lassen sich zudem besorgniserregende Trends erkennen. Sollten diese ein Warnsignal für die Entwicklung in Deutschland sein?

Corona: Zahl der Infektionen in Spanien übersteigt 500.000

Spanien zählte bereits während der ersten Welle im Frühjahr zu den am stärksten von Corona betroffenen Staaten in Europa. Mittlerweile wurde die Marke von insgesamt mehr als 500.000 infizierten Personen geknackt. Laut dem aktuellen Wochenbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) musste Spanien alleine in der vergangenen Woche mehr als 40.000 Neuinfektionen verzeichnen. Die Region um die Hauptstadt Madrid ist besonders betroffen. Etwa ein Drittel der Neuinfizierten hatte sich zuletzt dort angesteckt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte in der vergangenen Woche die Kanaren und damit ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt.

Die Gründe für die steigenden Zahlen seien klar, sagte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez gegenüber einem Radiosender. „Die Mobilität, das Nachtleben. Die Menschen sind nachlässiger geworden“, erklärt er den Anstieg in Madrid und Umgebung. Zudem leben dort, insbesondere in den Arbeitervierteln, viele Menschen auf engem Raum, wie der spanische Forscher* Miguel Otero-Iglesias gegenüber dem WDR erklärt. „Spanien überhaupt ist ein Platz, ein Land, wo sich die Leute sehr viel berühren: Man küsst sich, man feiert und man spricht auch mit sehr viel Intensität", fügte Otero-Iglesias hinzu.

Corona in Spanien: Trend zeigt deutlich steigende Zahl der Todesfälle

Ein besorgniserregender Trend, der derzeit in Spanien zu erkennen ist, sind die deutlich steigenden Zahlen der Corona-Todesfälle. Zuletzt waren es 184 Menschen an nur einem Tag, die mit einer Coronavirus-Infektion verstorben sind - der höchste Wert seit Mai. Bislang ist Spanien allerdings das einzige europäische Land, das diesen Trend aufweist. Die Zahl der Todesfälle bleibt insgesamt gering. Ein Grund dafür ist, dass sich derzeit europaweit verstärkt junge Menschen ohne Vorerkrankungen infizieren.

Corona: In einer Region in Frankreich werden aktuell die Intensivbetten knapp

Daher ist der Trend aus Frankreich und Spanien umso beunruhigender. Dort infizieren sich nun zunehmend auch wieder ältere Menschen. In der Region um die französische Großstadt Marseille hat dieser Trend bereits Auswirkungen. Dort werden aktuell die Intensivbetten knapp. Erste Kliniken meldeten bereits fast vollständig belegte Intensivbetten für Covid-19-Patienten. Im Gegensatz zu Spanien ist die Zahl der Todesfälle in Frankreich allerdings aktuell noch gering. Jedoch war die Zahl der Neuinfektionen in der vergangenen Woche, laut WHO-Wochenbericht, mit knapp 44.000 europaweit die höchste.

Corona in Deutschland: Trends aus Spanien und Frankreich bislang noch nicht erkennbar

In Deutschland sind die Trends aus Spanien und Frankreich bislang noch nicht erkennbar. Am heutigen Mittwoch hat das RKI 1176 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages vermeldet. Im WHO-Wochenbericht belegte Deutschland in der vergangenen Woche mit etwas mehr als 8000 Neuinfektionen den neunten Platz. In Spanien und Frankreich war dieser Wert fünfmal so hoch.

Auch in Sachen Altersstruktur bei den Infektionen ist aktuell noch keine beunruhigende Veränderung festzustellen. Das RKI zählt die meisten Infektionen weiterhin bei den 15- bis 34-Jährigen, gefolgt von den 5- bis 14-Jährigen. Dementsprechend niedrig ist aktuell die Zahl der Todesfälle in Deutschland.

Die Zahl der Neuinfektionen hatte in Deutschland im August ebenfalls wieder zugenommen. Allerdings war das Ausmaß nicht so dramatisch, wie beispielsweise in Spanien. Der Kölner Virologe Rolf Kaiser erklärte gegenüber dem WDR, dass man in Deutschland durch intensives und gezieltes Testen im Prinzip alle Glutnester aufgedeckt habe. Der Anstieg der Zahlen in Frankreich und Spanien verdeutlicht die Bedeutung der aktuellen Schutzmaßnahmen.

Einige weitere Länder in Europa haben ebenfalls einen hohen Anstieg an Corona-Neuinfektionen zu verzeichnen und dabei eine alarmierende Grenze überschritten. Eine deutsche Top-Virologin hat nun mit Symptom-Mythen aufgeräumt und einen wichtigen Rat für die Grippe-Saison gegeben. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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