Kurzatmigkeit ist eines der Symptome, die bei „Long Covid“ auftreten können. (Symbolbild)
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Kurzatmigkeit ist eines der Symptome, die bei „Long Covid“ auftreten können. (Symbolbild)

Covid-19

Corona-Langzeitfolgen: Studie benennt Symptome und Risikogruppen von „Long Covid“

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Eine Corona-Infektion kann eine langwierige Sache sein. Manche Menschen leiden noch Wochen und Monate später unter den Folgen. Nun haben Forscher neue Erkenntnisse zu „Long Covid“ veröffentlicht.

London - Covid-19 gibt nach wie vor Rätsel auf: Während die Krankheit bei vielen Menschen symptomlos verläuft, haben andere Symptome, die unterschiedlicher Natur sein können, aber meist innerhalb von 14 Tagen abklingen. Und dann gibt es Fälle, in denen die Betroffenen wochen- oder sogar monatelang mit Symptomen leben. Fachleute sprechen hier von „Long Covid“, gemeint sind Langzeitfolgen der Infektion. „Schätzungen zufolge haben etwa zehn Prozent mit Langzeitfolgen zu kämpfen“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. „Die Betroffenen leiden vor allem an Lungen- und Herzbeschwerden und fühlen sich häufig extrem erschöpft.“

Forscherinnen und Forscher vom Londoner King‘s College haben im Fachmagazin „Nature Medicine“ eine Studie zu Long Covid veröffentlicht. Mithilfe einer App fragten sie von Covid-19-Infizierten bzw. Genesenen über einen längeren Zeitraum Beschwerden ab. Dabei konnte das Forscher-Team feststellen, wer für Long Covid prädestiniert ist, und woran man schon während der akuten Infektion erkennen kann, ob man womöglich mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben wird.

Long Covid: Wer ist häufig betroffen?

An der Studie zu Long Covid nahmen 4182 Menschen teil. 13,3 Prozent von ihnen berichteten von Symptomen, die länger als vier Wochen anhielten. In 4,5 Prozent der Fälle waren auch noch länger als acht Wochen nach der Infektion Beschwerden präsent. 2,3 Prozent der Befragten hatten noch nach mehr als 12 Wochen mit Symptomen zu kämpfen. Die häufigsten Symptome sind laut der Studie dabei:

  • Müdigkeit, Erschöpftheit (97,7% der Befragten)
  • Wiederkehrende Kopfschmerzen (92,1% der Befragten)
  • Atemnot, Kurzatmigkeit (keine Angabe zur Häufigkeit)
  • Verlust des Geruchssinns (keine Angabe zur Häufigkeit)

Für Long Covid scheinen das Alter, das Gewicht und das Geschlecht relevant zu sein. Langzeitfolgen sind demnach „wahrscheinlicher mit steigendem Alter und Body Mass Index und weiblichem Geschlecht“, heißt es in „Nature Medicine“. Allerdings sind in der Gruppe der über 70-Jährigen in der Studie mehr Männer betroffen. Außerdem sei es wahrscheinlicher, Long Covid zu bekommen, wenn man in der ersten Woche einer Covid-19-Erkrankung mehr als fünf Symptome feststellt (Chancenverhältnis: 3.53). Als Grund dafür sehen die Forscher die multisystemische Ausprägung der Infektion, die mehrere Organe parallel angreift.

Long Covid abhängig von Alter, Geschlecht und Symptomen

Um ihre Ergebnisse zu überprüfen, testeten die Wissenschaftler ihr Prognosemodell mit 2.400 weiteren Covid-19-Patienten. Die Trefferquote lag bei rund 75 Prozent. „Mit nur drei Merkmalen – der Zahl der Symptome in der ersten Woche, dem Alter und dem Geschlecht – haben wir ein Prognosemodell entwickelt, das kurzes und langes Covid-19 unterscheiden kann“, heißt es in der Studie zu Long Covid.

„Dieses Modell könnte dazu genutzt werden, Individuen mit Risiko für Long Covid zu erkennen für Versuche der Prävention oder Behandlung“, so die Wissenschaftler. Außerdem soll das Wissen bei der Entwicklung von Rehabilitations- und Nachsorgeprogrammen helfen. (Ines Alberti)

Die Gießener Infektiologin Herold warnt indes vor einer vierten Corona-Welle im Herbst.

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