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„Keine Lust auf Booster-Impfung“: Warum Millionen Menschen in Israel die Drittimpfung ablehnen

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Von: Andreas Apetz

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Impfung in Israel
Israel gilt wegen seiner erfolgreichen Impfkampagne als Vorzeigeland im Kampf gegen das Coronavirus. Doch die Bereitschaft zu Boostern hat abgenommen. (Archivfoto) © Ilia Yefimovich/dpa

Zu Beginn der Corona-Pandemie war die Impfbereitschaft in Israel groß. Mittlerweile lehnen einige Menschen die Booster-Impfung ab. Das sind die Gründe.

Jerusalem – In Israel* hat ein Großteil der Bevölkerung bereits die erste und zweit Impfung erhalten. Die Skepsis gegenüber den Corona-Impfstoffen*, wie es sie in Deutschland gibt, ist im nah-östlichen Raum kaum vorhanden. Dennoch wollen sich über eine Million Israelis, die bereits zwei Impfungen hinter sich haben, jetzt nicht mehr boostern lassen.

Die „Booster-Verweigerer“ machen etwa 15 Prozent der über 16-jährigen Geimpften aus. Gesundheitsbehörden und Experten versuchen derzeit herauszufinden, warum sich diese Gruppe zweifach hat impfen lassen, nun aber die Drittimpfung verweigert – und das, obwohl klar ist, dass der Booster wichtig ist, um die Ausbreitung der Omikron-Variante* einzudämmen.

Corona-Drittimpfung: Vor allem die junge Bevölkerung lehnt die Booster-Impfung ab

Betrachtet man die Personen, die eine Booster-Impfung ablehnen, fällt eines deutlich auf: Überwiegend Jugendliche wehren sich gegen die Drittimpfung. Von den 16- bis 18-Jährigen hat sich bisher nur die Hälfte der Doppeltgeimpften auch boostern lassen. Zwischen 19 und 29 Jahren sind es 37 Prozent. Mit steigendem Alter nimmt die Booster-Bereitschaft zu: Bei den 30- bis 39-Jährigen sind nur noch 30 Prozent gegen eine Auffrischung und von 40 bis 49 Jahren wollen 24 Prozent keine Corona-Drittimpfung*. Das belegen die Daten der israelischen Krankenversicherung Clalit Health Services HMO.

Gegenüber der israelischen Tageszeitung Haaretz sagte Ruth Baruch, Leiterin einer Corona-Impfkampagne in Israel, sie habe das Gefühl, die Menschen hätten „den Willen verloren“, sich impfen zu lassen. „Sie dachten, die Sache wäre mit zwei Impfdosen erledigt, aber jetzt sagen sie sich: ‚Jetzt lassen wir uns alle sechs Monate impfen, wie bei der Grippe? Dagegen werden wir auch nicht geimpft.‘“

Corona in Israel: Bevölkerungsteile verweigern Booster-Impfung – Das sind die Gründe

Um das israelische Phänomen der „Booster-Verweigerung“ besser zu verstehen, hat die Washington University in St. Louis eine Befragung mit 2400 Israelis durchgeführt, die die ersten beiden Impfdosen bereits erhalten hatten und nun eine Drittimpfung ablehnten.

Mehr als 37 Prozent der befragten Personen gaben an, Angst vor Langzeitfolgen zu haben. 35 Prozent hielten die dritte Corona-Impfung für unnötig und ein Drittel nannte die Befürchtung kurzfristiger Nebenwirkungen als Grund für das Verweigern der Booster-Impfung. Ein Fünftel gab an schwanger zu sein, schwanger werden zu wollen oder zu stillen. 12 Prozent glaubten, sie müssten sich nicht impfen lassen, solange es andere Menschen tun und neun Prozent sagten, sie fänden nicht die Zeit für eine Auffrischungsimpfung.

Impfkampagnenleiterin Baruch bestätigte die Ergebnisse der Studie. In mehreren Telefongesprächen habe sie mit Patientinnen und Patienten unterhalten und den Eindruck gehabt, dass die Corona-Pandemie* kein relevantes Thema mehr sei. Vielen erschiene die Drittimpfung sinnlos. „Die Menschen fühlen sich geschützt“, vermutete Abed Altif Mahameed, ein israelischer Arzt, im Interview mit Haaretz.

Israel: Gesundheitsminsiterium intensiviert Corona-Impfkampagne

Das Gesundheitsministerium in Israel versucht täglich, die Impfkampagne voranzutreiben. Derzeit wolle man sich vor allem auf die Kinderimpfung fokussieren, berichtet Haaretz. Doch sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen bleiben die Erfolge aus. Trotz der sich rasant verbreitenden Omikron-Variante hat die israelische Regierung noch keinen Weg gefunden, die Impfbereitschaft der Bevölkerung erneut zu wecken.

Auch in Deutschland dürfen Kinder und Jugendliche mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft werden. Vielen Eltern stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, auf einen Omikron-spezifischen Kinderimpfstoff zu warten.* (aa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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