Eine FFP2-Maske liegt auf einem nassen Gehweg der Stadt Frankfurt am Main (Symbolbild).
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Viele Menschen leiden nach einer Corona-Infektion unter Spät- und Langzeitfolgen wie Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. (Symbolfoto)

Forschung

Corona-Studie: Corona-Impfung nach Infektion gegen Long Covid

  • VonSebastian Schmidt
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  • Lena Karber
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Viele Menschen leiden nach einer Corona-Infektion unter Spät- und Langzeitfolgen. Nun gibt es Hinweise darauf, dass eine Impfung auch als Therapie gegen die Symptome von Long Covid helfen könnte.

Wer bereits mit Sars-Cov-2 infiziert war, rückt auf der Liste für eine Corona-Impfung nach unten. So empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), dass Personen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, frühestens sechs Monate nach dieser geimpft werden sollen. Doch inzwischen liegen Hinweise darauf vor, dass eine Impfung Personen, die unter Spät- und Langzeitfolgen der Infektion leiden, helfen könnte. Eignet sich die Corona-Impfung gar als Therapie bei Covid-Patienten?

Corona-Impfungen: Sollten sich auch Long Covid-Patienten impfen lassen?

Die Empfehlung der Stiko, Personen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, frühestens nach sechs Monaten zu impfen, ist nicht als Gefahren-Hinweis, sondern vielmehr als Priorisierungs-Rat zu verstehen. Angesichts der anhaltenden Impfstoff-Knappheit, so die Argumentation, scheint bei ehemals Infizieren die Notwendigkeit einer Impfung weniger ausgeprägt als bei noch nicht infizierten Personen der gleichen Priorisierungsgruppe, weil davon auszugehen sei, dass sie „zumindest vorübergehend über einen gewissen Schutz vor einer Erkrankung verfügen“.

Problematisch ist eine Impfung für ehemals Infizierte laut Robert Koch-Institut den vorliegenden Daten zufolge hingegen nicht, das gelte für Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung. Doch gilt das auch für Long-Covid-Patienten, die noch mit den Folgen der Infektion zu kämpfen haben? Das haben nun Wissenschaftler von der North Bristol NHS Trust in England in Rahmen einer Beobachtungsstudie untersucht, für die sie Patienten, die in der Vergangenheit mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, rekrutiert hatten.

„Long Covid“: Spät- und Langzeitfolgen sind auch nach leichtem Corona-Verlauf möglich

In den Medien häufen sich inzwischen Berichte über Menschen, die noch Wochen und Monate nach ihrer Corona-Infektion unter Spät- und Langzeitfolgen leiden, die als „Long Covid“ oder „Post Covid“ bezeichnet werden. Dies betrifft offenbar nicht nur Risikopatienten und Personen, die einen schweren Krankheitsverlauf durchgemacht haben, sondern auch junge und sportliche Menschen, die während der eigentlichen Covid-19-Erkrankung harmlose Symptome aufgewiesen haben.

„Auch bei milderen Verläufen kommen beispielsweise längerfristige Müdigkeitserscheinungen, Merkstörungen, Gedächtnisprobleme oder Wortfindungsstörungen vor“, schreibt das Robert Koch-Institut über diese Beobachtung. Und weiter: „Über den klinischen Verlauf von COVID-19 nach sehr milden Krankheitsverläufen oder asymptomatischen Infektionen ist bislang wenig bekannt.“

Britische Studie: Verbesserung der Long Covid-Symptome durch Corona-Impfung

Im Fokus der Untersuchung standen die validierte Lebensqualität, das psychische Wohlbefinden und die anhaltenden Symptome von 66 Covid-19-Patienten jeweils drei sowie acht Monate nach der Krankenhauseinweisung. Zudem wurde verglichen, wie sich der gesundheitliche Zustand der 44 ehemals Infizierten, die anschließend mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca geimpft wurden, im Vergleich zu dem der nicht geimpften Probanden entwickelte. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass rund 82 Prozent der Probanden acht Monate nach der Einlieferung mindestens ein anhaltendes Symptom aufwiesen, wobei Müdigkeit (61 Prozent), Atemnot (50 Prozent) und Schlaflosigkeit (38 Prozent) vorherrschten. Die Impfung, so das Fazit der Untersuchung, sei hingegen nicht mit einer Verschlechterung der Long-Covid-Symptome, der Lebensqualität oder des psychischen Wohlbefindens verbunden gewesen.

Im Gegenteil: Im Vergleich zu nicht geimpften Teilnehmern aus derselben Kohorte zeigten diejenigen, die einen Impfstoff erhalten hatten, laut den Autoren der Studie eine geringe allgemeine Verbesserung der Long Covid-Symptome mit einer Abnahme der sich verschlechternden Symptome (5,6 Prozent bei den Geimpften, 14,2 Prozent bei den Nichtgeimpften) und einer Zunahme der Symptomauflösung (23,2 Prozent bei den Geimpften, 15,4 Prozent bei den Nichtgeimpften). Ein Unterschied zwischen den Reaktionen auf den Astrazeneca und den Biontech/Pfizer Impfstoff wurde nicht festgestellt.

Corona-Impfungen als Therapie bei Long Covid? – Das sagt der Virologe Christian Drosten

Die Studie umfasste nur wenige Probanden und wurde bislang noch nicht begutachtet, sondern nur als Preprint veröffentlicht. Doch angesichts zahlreicher Erfahrungsberichte von Long-Covid-Patienten, die nach der Impfung über eine Verbesserung der Symptome berichtet haben, erscheint sie durchaus interessant. Bereits vor der Veröffentlichung der Studie hatte etwa der Virologe Christian Drosten Erfahrungsberichte über eine positive Wirkung der Corona-Impfung auf Long-Covid-Symptome aus immunologischer Sicht grundsätzlich als plausibel eingestuft. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass da etwas dran ist“, sagte er Anfang März in der 78. Folge des Podcasts „Coronavirus-Update“.

So könnten Long Covid-Symptome etwa auf „schlummernde, langsam replizierende Virusrestbestände“ im Gewebe des Zentralnervensystems zurückzuführen sein, die man vielleicht loswerden könnte, „wenn man dem Immunsystem noch mal einen richtigen Pusch gibt“. Gleiches gelte für eventuelle Virusrestbestände im Verdauungstrakt oder sonst wo im Körper, die gegebenenfalls bei einigen Patienten zu einer länger andauernden krankmachenden Immunreaktion führen würden. Auch diese ließen sich durch einen Boost für das Immunsystem vielleicht entfernen. „Ich bin mir ganz sicher, dass Kohorten von Long-Covid-Patienten, die existieren, hinsichtlich dieser Wirkung angeschaut werden“, sagte Christian Drosten damals.

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