Neuer Hoffnungsträger gegen Corona? In angepasster Form könnte der Impfstoff von Moderna das Immunsystem gezielt gegen die südafrikanische Variante wappnen.
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Neuer Hoffnungsträger gegen Corona? In angepasster Form könnte der Impfstoff von Moderna das Immunsystem gezielt gegen die südafrikanische Variante wappnen.

Schutz vor B.1.351 und P.1

Effektiv gegen Corona-Mutante: Neuer Moderna-Impfstoff schneidet in Studie gut ab

  • Matthis Pechtold
    VonMatthis Pechtold
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Ein angepasster Corona-Impfstoff von Moderna soll besser vor gefährlichen Virusvarianten schützen. Erste Studienergebnisse deuten auf eine hohe Wirksamkeit hin.

Cambridge – Mit dem Aufkommen neuer Varianten des Coronavirus stand plötzlich infrage, ob man allzu starke Hoffnungen in die gerade erst anlaufenden Impfkampagnen setzen sollte. Schließlich gab es bereits recht früh Hinweise darauf, dass die bisher zugelassenen Impfstoffe nicht ebenso zuverlässig vor Virusvarianten wie der brasilianischen Variante P.1 oder der südafrikanischen Variante P.1.351 schützen wie vor dem sogenannten Wildtyp.

Bei einzelnen Varianten konnte bereits Entwarnung gegeben werden, beispielsweise bei der britischen Variante B.1.1.7. Sie dominiert in Deutschland das Infektionsgeschehen bereits seit Wochen, Anfang April meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Anteil von 88 Prozent innerhalb Deutschlands. Die aktuell verwendeten Impfstoffe schützen gegen sie aber ausreichend gut, teilte das RKI Ende April mit. Und zwei neue Studien zeigen, dass der Impfstoff von Biontech immerhin noch zu 72,1 bis 75 Prozent gegen eine Infektion mit B.1.351 schützt.

Studie: Angepasster Impfstoff von Moderna als „Booster“-Impfung gegen Corona

Um auch die brasilianische und südafrikanische Variante besser bekämpfen zu können, hat der in Cambridge ansässige US-Arzneimittelhersteller Moderna jetzt ein angepasstes Serum entwickelt. Der neue Impfstoff heißt mRNA-1273.351 und soll tatsächlich wirksamer gegen die südafrikanische Variante B.1.351 sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Experimentalstudie von Moderna-Mitarbeitern, dessen vorläufige Fassung (das sogenannte Preprint) am 6. Mai online publiziert wurde. Getestet hat man den neuen Impfstoff als dritte Impfung an 20 Probanden, deren zweite Impfung mit dem Moderna-Impfstoff mRNA-1273 (d.h. dem „Original“) im Schnitt bereits ein halbes Jahr zurückliegt. Gemessen wurde vor und nach der Verabreichung dieser „Booster“-Impfung der sogenannte Impftiter. Dieser Wert gibt die Konzentration der im Blut vorhandenen Antikörper gegen einen bestimmten Erreger an. Hier testeten die Forscher entsprechend auf Antikörper gegen die Virus-Varianten B.1.351 und P.1.

Verglichen wurden die Titer-Werte dann mit denen einer älteren Studie, bei der man Teilnehmern im Mittel 201 Tage nach deren Zweitimpfung eine Auffrischung mit dem „Original“-Impfstoff verabreicht hatte. Zunächst bestätigen die Beobachtungen das, was über die Varianten vermutet wird: In beiden Gruppen lag die Immunität gegen B.1.351 und P.1 bei etwa der Hälfte der Teilnehmer so niedrig, dass sie mit den verwendeten Messinstrumenten nicht nachweisbar war.

Nach dritter Impfung mit Moderna-Vakzin: Erhöhte Immunität gegen Virusvarianten

In beiden Gruppen stieg der Anteil der neutralisierenden Antikörper allerdings zwei Wochen nach der dritten Impfung messbar – und zwar gegen alle drei Varianten: Wildtyp, B.1.351 und P.1. Dieses Ergebnis weist zunächst darauf hin, dass auch der ältere Impfstoff mRNA-1273 als „Booster“ die Immunität erhöht.

Einen Vorteil hat der neue Impfstoff mRNA-1273.351 allerdings: Er scheint gegen B.1.351 wirksamer zu sein als der ursprüngliche Impfstoff. Der Titer stieg in der Gruppe, die eine Auffrischung mit dem angepassten Serum erhalten hatten, stärker an als in der Gruppe, die dreimal den gleichen Impfstoff erhielt. Die Unterschiede hinsichtlich der Nützlichkeit gegen P.1 fielen dagegen insignifikant aus. Nebenwirkungen traten nach der Impfung mit dem angepassten Serum etwas seltener auf als nach Verabreichung des Ausgangsprodukts.

Studie zu neuem Impfstoff von Moderna: Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen

Unklar ist noch, wie lange die erhöhte Schutzwirkung nach einer Drittimpfung mit mRNA-1273 bzw. mRNA-1273.351 anhält. Wie die Forscher außerdem anmerken, war die Anzahl der Versuchsteilnehmer in der Studie relativ klein. Es müssten also weitere Untersuchungen mit mehr Probanden durchgeführt werden, um tieferes Vertrauen in diese vorläufigen Ergebnisse zu gewinnen. Moderna testet derweil noch einen weitere Impfstoff-Variante. Diese besteht zur Hälfte aus mRNA-1273 und mRNA-1273.351. (mp)

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