Eine Ampulle, in die Corona-Impfstoff abgefüllt werden kann. (Symbolbild)
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Gute Nachrichten von IDT Biologika: Das Unternehmen glaubt, den Fehler bei der Entwicklung seines Vektor-Impfstoffes gefunden zu haben. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Neuer Corona-Impfstoff aus Deutschland? Hoffnung für neues Vakzin, das sich von Biontech & Co. unterscheidet

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Gute Nachrichten von IDT Biologika: Das Unternehmen glaubt, den Fehler bei der Entwicklung seines Impfstoffs gefunden zu haben und geht in die nächste Testphase.

  • Ein neuer Impfstoff könnte aus Dessau-Roßlau in Deutschland kommen.
  • Die Firma IDT Biologika ist mit der Entwicklung ihres Vektorimpfstoffs einen Schritt weiter gekommen.
  • IDT Biologika hat auch mit Forschern der Uni Marburg zusammengearbeitet.

Dessau-Roßlau - Wann werden weitere Impfstoffe zugelassen? Diese Frage spielt bei der Pandemiebekämpfung angesichts der anhaltenden Knappheit von Vakzinen eine wichtige Rolle. Laut dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) sind bislang weltweit mindestens 275 Impfstoffprojekte angelaufen – darunter die Entwicklung des Impfstoffs MVA-SARS-2-S, an dem auch Forscher der Uni Marburg beteiligt sind. Für das Vakzin soll jetzt die Phase-II-Studie starten.

Der Impfstoff MVA-SARS-2-S wurde von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) mit der Philipps-Universität Marburg und der LMU München sowie der IDT Biologika GmbH entwickelt und war der erste Vektorimpfstoff gegen SARS-CoV-2, der in Deutschland getestet wurde. Bereits Anfang Oktober 2020 hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Genehmigung erteilt. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember wurde der Impfstoff dann am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) 30 freiwilligen Probanden in zwei unterschiedlich hohen Dosierungen verabreicht, um seine Verträglichkeit und Wirksamkeit zu prüfen – allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Ergebnisse entsprachen nicht den Erwartungen.

Corona-Impfstoff: Neue Hoffnung für Vakzin von IDT Biologika

Zwar wurde der Impfstoff bei der ersten klinischen Prüfung als sicher eingestuft und es wurden wenige Nebenwirkungen festgestellt. Doch die Schutzwirkung fiel geringer aus als man nach den präklinischen Modellen erwartet hatte. Deshalb wurde die für Anfang 2021 geplante Phase-II-Studie vorerst verschoben, um die Ursache herauszufinden.

Doch nun gibt es offenbar gute Nachrichten: Bei IDT Biologika glaubt man, die Ursache für die mangelnde Wirksamkeit gefunden zu haben. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, sollen die Tests an Probanden wieder aufgenommen werden – und zwar direkt in der zweiten Testphase. Wo genau der Fehler lag, wurde allerdings nicht öffentlich.

MVA-basierter Impfstoff: Das unterscheidet den Vektorimpfstoff von Biontech und Moderna

Bei dem Impfstoff von IDT Biologika handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Das unterscheidet ihn von den Vakzinen von Biontech oder Moderna, die zu den mRNA-Impfstoffen zählen. Doch trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Produkten: Beide sind genbasierte Impfstoffe. Das bedeutet, sie schleusen – anders als herkömmliche Tot- oder Lebendimpfstoffe – keine toten oder abgeschwächten Erreger oder Antigene in den Körper ein. Stattdessen wird nur der genetischen Bauplan für Erreger-Antigene zu den Zellen transportiert.

Konkret soll der Körper durch die Impfung dazu befähigt werden, Antikörper gegen die Spike-Proteine zu entwickeln, die Coronaviren auf ihrer Hülle tragen und die es diesen ermöglichen, in die Zellen einzudringen. Dazu wird den Zellen mit der Impfung gewissermaßen der Bauplan der Spike-Proteine übermittelt, damit sie Antikörper gegen diese bilden können. Das machen mRNA-Impfstoffe und Vektorimpfstoffe auf unterschiedliche Art.

IDT Biologika entwickelt Vektorimpfstoff wie auch Johnson & Johnson

  • mRNA-Impfstoffe schicken eine Abschrift des „Bauplans“ der Spike-Proteine an die Zellen. Diese Abschrift der DNA nennt man mRNA (messenger-RNA). Sie kann direkt im Zellplasma ausgelesen und umgesetzt werden. Die gebildeten Spike-Proteine werden vom Körper als Gefahr eingestuft und lösen dadurch die erwünschte Immunreaktion hervor. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna sind bisher die einzigen zugelassenen mRNA-Impfstoffe.
  • Vektorimpfstoffe funktionieren ähnlich, allerdings wird dabei ein für den Menschen harmloses Virus als Transportmittel eingesetzt. Dieser Vektor transportiert sozusagen den original Bauplan (DNA) der Spike-Proteine in die Zelle. Anders als die mRNA kann die DNA nicht direkt im Zellplasma ausgelesen werden, sondern muss zunächst im Zellkern in mRNA übersetzt werden. Die bereits zugelassenen Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson zählen zu den Vektorimpfstoffen, genauso wie der russische Impfstoff Sputnik-V. Auch gegen Dengue-Fieber und gegen Ebola gibt es Vektorimpfstoffe.

Bei dem Impfstoff von IDT Biologika handelt es sich ebenfalls um einen Vektorimpfstoff. Als Vektor dient dabei ein abgewandeltes und damit harmloses Pockenvirus, das Modifizierte Vacciniavirus Ankara (MVA). Dieses wurde 1975 als Pockenimpfstoff entwickelt und bereits erfolgreich für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus verwendet. Für den Corona-Impfstoff wurde diesem Impfvirus die genetische Information des SARS-CoV-2-Spikeproteins eingebaut. Beim den Impfstoffen von Johnson & Johnson und Astrazeneca dient hingegen ein menschliches Schnupfenvirus (Adenovirus) als Vektor.

Stand der Impfstoff-Entwicklung weltweit: Aktuelle Zahlen

Der Impfstoff von IDT Biologika soll nun in die klinische Testphase II eintreten. Während die Phase I Studien mit 10 bis 30 Personen vorsieht und vor allem die Verträglichkeit des Impfstoffs prüft, wird in der Phase II die Immunantwort bei 50 bis 500 Personen analysiert. Anschließend folgt Phase III der klinischen Testung, bei dem die Schutzwirkung bei mehr als 10.000 Personen getestet wird.

Aktuell befinden sich weltweit 29 Impfstoffe in Phase II. So sieht der Stand der weltweiten Impfstoffentwicklung laut vfa im Moment aus:

  • Impfstoff-Design, Tierstudien: 195 Impfstoffe
  • Phase I: 28 Impfstoffe
  • Phase II: 29 Impfstoffe
  • Phase III ohne vorgezogene Prüfung eines Teils der Zulassungsunterlagen: 19 Impfstoffe
  • Phase III mit vorgezogener Prüfung eines Teils der Zulassungsunterlagen: 3 Impfstoffe
  • Zulassungsverfahren in der EU: 0 Impfstoffe
  • Zugelassen in der EU: 4 Impfstoffe

Impfstoffproduktion durch IDT Biologika

IDT Biologika kooperiert bei der Impfstoffproduktion auch mit anderen Firmen. So produziert das Dessau-Roßlauer Unternehmen Impfstoff der britisch-schwedischen Firma Astra­zeneca und hat jüngst zudem eine Kooperation mit dem US-Konzern Johnson & Johnson vereinbart, dessen Impfstoff als viertes Vakzin in der EU eine Zulassung erhalten hat. Beide Impfstoffe sind, ebenso wie der, den das Unternehmen selbst entwickelt, Vektorimpfstoffe. Das Unternehmen investiert aktuell in fünf Bioreaktoren, in denen jeweils 2000 Liter Impfstoff hergestellt werden können und will Dessau-Roßlau damit zu einem der größten Impfstoffproduktionsstandorte Europas machen.

(Lena Karber)

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