Eine Dosis des Impfstoffs von Biontech wird aus einer Ampulle auf eine Spritze gezogen.
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Die zweite Impfung mit dem Wirkstoff von Biontech zieht oft heftigere Impfreaktionen nach sich als die erste. (Symbolbild)

Forschung

Mehr Impfreaktionen nach zweiter Corona-Impfung mit Biontech

  • VonSebastian Schmidt
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Erst nach der zweiten Dosis entfaltet der Biontech-Impfstoff den vollen Schutz gegen das Coronavirus. Dann treten aber auch öfter Impfreaktionen auf.

Viele Menschen in Deutschland haben sie schon erhalten, viele andere warten noch darauf: die zweite Dosis des mRNA-Impfstoffes von Biontech/Pfizer. Erst mit dieser zweiten Spritze soll der Impfstoff seine volle Schutzkraft gegen das Coronavirus entfalten. Aber Impfreaktionen treten dabei häufiger auf als nach der ersten Dosis. Das geht sowohl aus der Zulassungsstudie des Herstellers hervor, als auch aus einer Datenauswertung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC („Centers for Disease Control and Prevention“). Die Zunahme betrifft größtenteils harmlose Impfreaktionen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek berichtet jedoch auch von einer Häufung der insgesamt äußerst seltenen Herzmuskelentzündung (Myokarditis).

Zulassungsstudie Biontech: Mehr Impfreaktionen nach zweiter Dosis des Corona-Vakzins

In der Zulassungsstudie des mRNA-Impfstoffs von Biontech, die am 31. Dezember 2020 veröffentlicht wurde, schildern die Forscher die Impfreaktionen, die bei ihren Probanden auftraten. Auffällig ist: Menschen unter 50 Jahren berichteten öfter von Impfreaktionen als Menschen über 50 Jahren. Und das unabhängig davon, ob sie die erste oder zweite Dosis des Corona-Impfstoffes bekommen hatten.

Impfreaktion bei unter 50-Jährigennach erster Dosis in Prozentnach zweiter Dosis in Prozent
Schmerzen an der Einstichstelle83 78
Müdigkeit4759
Kopfweh4252
Fieber416
Muskelschmerzen2137
Gelenkschmerzen1122
Schüttelfrost1435

Aber über sämtliche Altersgruppen hinweg traten fast alle Impfreaktionen nach der zweiten Biontech-Dosis häufiger auf als nach der ersten Dosis des Vakzins. Prozentual nahmen insbesondere die Fieberfälle stark zu, wie die Statistik zeigt. Insgesamt gehörte Fieber jedoch zu den am seltensten beobachteten Impfreaktionen.

Nach der zweiten Dosis mit Biontech treten vermehrt Impfreaktionen auf. Das betrifft harmlose Symptome wie Müdigkeit, es gibt aber auch eine Häufung von Herzmuskelentzündungen. (Symbolbild)

Eine Impfreaktion stach während der Zulassungsstudie klar heraus: Das Auftreten von Schmerzen an der Einstichstelle. Altersunabhängig meldeten Probanden diese Begleiterscheinung am häufigsten. Aber anders als der Rest der gemeldeten Impfreaktionen wurden die Schmerzen an der Einstichstelle nach der zweiten Biontech-Impfstoff-Dosis seltener.

Impfreaktion bei über 50-Jährigennach erster Dosis in Prozentnach zweiter Dosis in Prozent
Schmerzen an der Einstichstelle7166
Müdigkeit3451
Kopfweh2539
Fieber111
Muskelschmerzen1429
Gelenkschmerzen919
Schüttelfrost623

Auch CDC meldet: Mehr Impfreaktionen nach zweiter Biontech-Dosis

Wer in Deutschland geimpft wurde, kann der Forschung zu den Corona-Impfstoffen helfen, in dem er Symptome und Impfreaktionen dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) meldet. Dafür bietet das PEI die Smartphone-App SafeVac 2.0 an. Eine ähnliche App existiert auch in den USA, wo sie den Namen V-safe trägt. Nachdem in den Vereinigten Staaten mehr als zwölf Millionen Menschen mindestens eine erste Impf-Dosis von Biontech erhalten hatten, veröffentlichte die CDC Ende Januar eine erste Auswertung der V-safe-Daten.

Impfreaktionnach 1. Dosis in Prozentnach 2. Dosis in Prozent
Schmerzen67,774,8
Müdigkeit28,650,0
Kopfweh25,641,9
Muskelschmerzen17,241,6
Schüttelfrost7,026,7
Fieber7,425,2
Schwellungen6,826,7
Gelenkschmerzen7,121,2
Übelkeit7,013,9

Erneut fällt sofort ins Auge, dass die Geimpften nach der zweiten Impfdosis von Biontech häufiger Impfreaktionen beklagten als nach der ersten Dosis. Am häufigsten wurden Schmerzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen als Leiden angegeben. Gerade Müdigkeit trat nach der zweiten Impfdosis fast doppelt so oft auf wie nach der ersten Spritze (28,6 gegenüber 50 Prozent.)

Corona: Virologin nennt Häufung von seltener Myokarditis nach zweiter Biontech-Dosis

Während die allermeisten Impfreaktionen vergleichsweise harmlos sind, können in seltenen Fällen schwerwiegende Komplikation auftreten. Eine von ihnen ist die Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung. Auch für ihr Auftreten ist die Chance nach der zweiten Biontech-Impfung erhöht. Das zumindest erklärte Professorin Sandra Ciesek, die Chefvirologin des Universitätsklinikums Frankfurt, zuletzt im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Die Myokarditis sei in Israel nach 5,3 Millionen Impfungen bei 62 Personen aufgetreten – oft nach der zweiten Dosis mit Biontech. Der Großteil der Betroffenen sei jung gewesen, meist unter 30 Jahren. Zwei Personen seien in Folge der Herzmuskelentzündung sogar gestorben.

Auch dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dass die Sicherheit von Arzneimitteln in Deutschland bewertet, sind diese Fälle bekannt. In seinem neusten Sicherheitsbericht geht das PEI aber davon aus, dass momentan „kein Risikosignal zu sehen ist“. Bis zum 30.04.2021 seien dem Institut 16 Fälle in Deutschland gemeldet worden, acht Betroffene waren unter 30 Jahren. Zur Einordnung: Bis zum 30.04.2021 sind laut demselben Sicherheitsbericht des PEI bereits mehr als 21 Millionen Impfungen mit Biontech durchgeführt worden.

Der Bayrische Rundfunk berichtet, dass Biontech keine erhöhte Anzahl an Herzmuskelentzündungen im Zusammenhang mit seinem Impfstoff feststellen konnte. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters soll der Impfstoffhersteller gesagt haben: „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt.“

Myokarditis nach zweiter Biontech-Dosis: Virologin rät, einen Gang zurückzuschalten

Eine Herzmuskelentzündung ist eine ernste Erkrankung. Warum sie nach der Impfung gehäuft auftrete, lässt sich laut Ciesek noch nicht genau sagen. Sie vermutet: „Wahrscheinlich wandern Immunzellen in den Herzmuskel ein, also ein indirekter Effekt.“  Die Deutsche Herzstiftung erklärt, dass sich Patienten bei einer Myokarditis unbedingt schonen müssen. Sechs Monate dürfe kein Sport mehr gemacht werden, teilweise müssen Patienten sogar in Bettruhe bleiben, bis die akuten Symptome abgeklungen sind. Dabei werde die Krankheit teilweise sehr spät bemerkt, da Patienten oft nur eine Müdigkeit und Abgeschlagenheit feststellen. Ein Arzt kann unter anderem mit einem EKG eine Myokarditis nachweisen.

Virologin Ciesek rät: „Wenn man die Impfung bekommt und sich noch nicht gut fühlt – das gilt auch für Leute, die Covid hatten – und noch schlapp sind: Dann sollte man keinen Leistungssport oder Sport mit voller Belastung treiben, sondern einen Gang zurückschalten, bis man wieder fit ist.“

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