Illustration eines Corona-Virus.
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Ein Coronavirus hat eine charakteristische Außenhülle. Dort docken Antikörper an. (Symbolbild)

Corona-Forschung

Schweren Corona-Verläufen auf der Spur: Sind Autoantikörper die Ursache?

  • VonSebastian Schmidt
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Antikörper sollen vor Infektionen mit Viren schützen. Jetzt fanden Forscher bei Corona-Patienten aber auch Autoantikörper, die das Immunsystem schwächen.

New Haven – Bei manchen Menschen ruft das Corona-Virus nur einfache Erkältungssymptome hervor, bei anderen schwerwiegende Lungenerkrankungen. Warum Menschen so unterschiedlich von der Erkrankung betroffen sind, ist nach wie vor Gegenstand der Erforschung des Corona-Virus. Jetzt haben Forscher der amerikanischen Universität Yale eine weitere mögliche Erklärung dafür gefunden und ihre Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Sie maßen in Corona-Patienten eine größere Anzahl an Autoantikörpern, die im Verdacht stehen, das Immunsystem zu schwächen. Einige der Patienten hatten bereits vor der Infektion einen erhöhten Wert dieser Autoantikörper.

Eigentlich sind Antikörper ein wichtiger Teil des Immunsystems – auch im Kampf gegen das Corona-Virus. Sie spielen sowohl bei manchen Corona-Tests, wie auch bei den Impfungen gegen das Virus eine Rolle. Manche Arten von Antikörpern sind allerdings auch für Allergien oder für Autoimmunerkrankungen verantwortlich. Zu diesen problematischen Antikörpern gehören auch die Autoantikörper.

Was sind Antikörper und wie helfen sie gegen das Corona-Virus?

Das Immunsystem des Menschen besteht aus mehreren unterschiedlichen Wirkmechanismen, Antikörper sind ein wichtiger Teil davon. Sie markieren „Feinde“, zum Beispiel körperfremde Zellen wie das Corona-Virus, damit andere Teile des Immunsystems die Viren finden und zerstören können.

Antikörper reagieren auf ein Corona-Virus. Erkennbar ist die charakteristische Y-Form der Antikörper und die Antigene auf der Außenhülle des Virus. (Illustration)

Das funktioniert so: Zellen haben auf ihrer Oberfläche eine für sie charakteristische Struktur, die Antigene. Antigen ist eine Abkürzung für „antibody generator“, auf deutsch: Antikörper Produzent. Den Namen haben Antigene, weil Antikörper an sie andocken können, und zwar nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Eine bestimmte Art von Antikörper passt nur auf eine bestimmte Art von Antigen.

Antikörper docken also zum Beispiel an den Antigenen von Corona-Viren an und sorgen so dafür, dass das Immunsystem die Erreger erkennt und bekämpft.

Wie funktionieren Antikörper-Tests gegen das Corona-Virus?

Da Antikörper diese wichtige Funktion im Kampf gegen das Virus besitzen, kann man mit ihnen auch messen, ob eine Virus Erkrankungen bereits überstanden ist. Wenn das der Fall ist, sollte es im Körper nämlich viele untätige Antikörper (Schlüssel) geben, weil es keine passenden Antigene (Schloss) mehr für sie gibt. Genau das überprüfen Antikörper-Tests. Ob und wie verlässlich solche Tests sind, ist wiederum ein Thema für sich.

Was haben Corona-Impfstoffe mit Antikörpern zu tun?

Sowohl Vektor- als auch mRNA-Impfstoffe bringen den Körper dazu Virusproteine (Antigene) herzustellen, damit der Körper Antikörper dagegen produziert. (Illustration)

Egal ob mRNA-Impfstoff von Biontech und Moderna oder Vektor-Impfstoff von AstraZeneca und Johnson&Johnson*, alle wollen nur das eine: Antikörper für das Corona-Virus. Die Impfstoffe erzeugen deswegen auf unterschiedliche Weisen Antigene des Corona-Virus. Dadurch soll der Körper Antikörper gegen das Virus bilden und das Immunsystem für zukünftige Infektionen geschult werden.

Was machen Autoantikörper im Zusammenhang mit dem Corona-Virus?

Forscher der Universität Yale haben jetzt das Blut von 194 Corona-Patienten untersucht und dabei eine erhöhte Anzahl an sogenannten Autoantikörpern festgestellt. Das berichtet auch das Ärzteblatt. Autoantikörper markieren im Gegensatz zu Antikörpern, wie sie zum Beispiel von den Corona-Impfungen provoziert werden, keine „Feinde“ im Körper sondern körpereigene Zellen. Deswegen spielen diese Autoantikörper auch eine wichtige Rolle bei Autoimmunerkrankungen. Aber was bedeutet das jetzt für Corona?

Wie das Ärzteblatt schreibt, fanden die Yale-Forscher in dem Blut von Corona-Patienten Autoantikörper gegen Interferone. Interferone sind Proteine, die antiviral wirken, und eine wichtige Rolle im Kampf gegen Infektionen spielen. Die Autoantikörper können also dafür sorgen, dass das Immunsystem die Interferone bekämpft, und somit die Immunantwort des Körpers gegen das Corona-Virus abschwächen und einen schwereren Verlauf der Corona-Erkrankung bewirken. Das konnten die Forscher im Tierversuch bereits zeigen.

Noch ist der genaue Zusammenhang zwischen den festgestellten Autoantikörpern nach der Corona-Infektion und dem Krankheitsverlauf aber unklar. Einige der Autoantikörper können bei den untersuchten Corona-Patienten schon vorher dagewesen sein. Ob ihr Vorhandensein ein Indikator für schwere Verläufe sind, muss aber weiter untersucht werden. Und auch ob die Autoantikörper nach Abklingen der Krankheit im Zusammenhang mit Long-Covid stehen, ist noch nicht geklärt.

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