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Immer mehr Varianten des Coronavirus treten auf. Laut Prof. Ziebuhr wird das Virus Teil unseres Alltags werden.

Forschung

Von Alpha bis Delta: Fragen und Antworten zu den Corona-Varianten

  • VonSebastian Schmidt
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Immer öfter wird vor Mutationen des Corona-Virus gewarnt, allen voran der Delta-Variante. Was hat es mit den Mutanten auf sich, wie viele gibt es und wie werden sie festgestellt?

Berlin – Dass ein Virus sich verändern – mutieren – kann, ist ein alter Hut. Es ist bekannt, dass zum Beispiel jede Grippe-Saison veränderte Grippe-Viren relevant sind, für die auch eine veränderte Impfung notwendig ist. Auch bei dem Corona-Virus wird jetzt vor Mutationen gewarnt, einige halten das aber auch für Panikmache. Was wissen wir über die Virus-Mutationen überhaupt, und sind sie wirklich gefährlicher? Fragen und Antworten.

Wie entsteht eine neue Corona-Variante?

Mutationen von Viren entstehen dann, wenn sich ein Virus im Körper seines Wirts vermehrt. Um sich zu vermehren, besitzen Viren nämlich einen Bauplan von sich selbst, das Genom. Den Bauplan schleusen die Viren in Körperzellen des Wirts ein, wo dann anhand des Genoms neue Viren gebaut werden.

Das eingeschleuste Genom wird bei diesem Vorgang kopiert, aber bei dem Erstellen der Kopien können Fehler passieren. Das neue Genom ist dann nicht mehr hundertprozentig mit dem alten identisch, sondern besitzt minimale Abweichungen: eine Virus-Variante, auch Mutante genannt, entsteht.

Wie erkennen die Wissenschaftler neue Corona-Mutationen?

Forscher können sich die Genome, also die Baupläne, der Corona-Viren anschauen und dann miteinander vergleichen. Das Material für diese Vergleiche bekommen sie von den PCR-Tests der Corona-Patienten. Wie die Tagesschau berichtete, wurde Anfang diesen Jahres beschlossen, dass bei fünf Prozent aller positiven PCR-Tests die Genome untersucht werden sollen. Damit will man einen Überblick über die Verbreitung unterschiedlicher Varianten in Deutschland bekommen.

Den Vorgang, aus einer Probe die genaue Abfolge des Erbmaterials auszulesen, nennt man übrigens Sequenzierung.

Sind Mutationen von Corona-Viren immer gefährlicher?

Nein. Mutationen im Bauplan eines Virus können ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Die für das Virus tragischste: Der neue Bauplan kann dafür sorgen, dass die Viren nicht mehr überlebensfähig sind oder sich nicht mehr gut fortpflanzen können. Andere Veränderungen können an ganz unwichtigen Positionen im Bauplan sein und keine merkbaren Auswirkungen auf das Virus haben.

Was macht Mutationen von Corona-Viren überhaupt gefährlicher?

Es gibt Veränderungen am Corona-Virus, die Virologen besonders beschäftigen. Das sind Veränderungen, die dazu führen, dass das Virus ansteckender wird, weil es sich zum Beispiel besser vor dem Immunsystem verstecken kann. Oder Mutationen, die für den Menschen gefährlicher sind, weil sie stärkere Symptome hervorrufen. Oder aber auch Virus-Varianten gegen die Impfungen nicht mehr so gut wirken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt diese Corona-Mutationen dabei in zwei Klassen ein: VOC und VOI. VOC steht für „variants of concern“, also besorgniserregende Varianten. VOI steht für „variants of interest“, also Varianten von Interesse.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, dass VOC Corona-Varianten sind, die sich in Erregereigenschaften wie der Übertragbarkeit oder auch der Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen „relevant von den herkömmlichen Virusvarianten unterscheiden.“ Und VOI sind laut RKI Varianten, „die Mutationen aufweisen, welche mit einer erhöhten Übertragbarkeit und/oder veränderter Immunantwort assoziiert sind.“ Bei VOI wird die größere Gefährlichkeit also nur vermutet und sie sind quasi in einer Beobachtungsliste, bei VOC ist man sich da schon sicherer.

In regelmäßigen Berichten informiert das RKI dabei über die Verbreitung der VOC und VOI in Deutschland. Mit Stand 23.06.2021 listet das Institut vier VOC und 13 VOI auf.

Welche Corona-Mutationen gehören zu den besorgniserregenden VOC?

Die Varianten des Corona-Virus werden mittlerweile, auf einen Beschluss der WHO hin, nach Buchstaben aus dem griechischen Alphabet benannt. Die vier VOC, die das RKI auflistet, haben dabei die ersten vier Buchstaben bekommen: Alpha, Beta, Gamma und Delta.

Daneben werden aber auch noch zwei andere Namen für die VOC benutzt. Einmal die Bezeichnung nach Pangolin. Bei Pangolin handelt es sich um eine Software mit der unterschiedliche genetische Linien von Viren verfolgt werden, und die eigene Namen für diese Linien erzeugt. Die Alpha-Variante wird von Pangolin zum Beispiel B.1.1.7 genannt.

nach WHOnach Pangolinnach Herkunft
AlphaB.1.1.7 Britische Variante
BetaB.1.351 Südafrikanische Variante
GammaP1 oder B.1.1.28.1Brasilianische Variante
DeltaB.1.617.2Indische Variante

Teilweise wurden und werden die Viren aber auch nach vermuteten Herkunftsregionen beziehungsweise Regionen, in denen die Viren oft nachgewiesen wurden, benannt.

Was macht diese vier Varianten zu besorgniserregenden Mutationen?

Das RKI nennt Gründe, warum die einzelnen Varianten als VOC klassifiziert sind:

  • Alpha: höhere Übertragbarkeit, Hinweise auf höhere Sterblichkeit
  • Beta: höhere Übertragbarkeit wird diskutiert, Einfluss auf Impfstoffwirksamkeit
  • Gamma: höhere Übertragbarkeit wird angenommen, Einfluss auf Impfstoffwirksamkeit
  • Delta: höhere Übertragbarkeit*, möglicherweise schwerere Verläufe

Wie gut wirken die Impfstoffe gegen die Corona-Mutationen?

Ob und wie gut die einzelnen Impfstoffe gegen die unterschiedlichen Mutationen wirken, ist Gegenstand aktueller Forschung und noch nicht vollständig erforscht. Das RKI gibt jedoch Vermutungen ab, ob und warum Impfstoffe gegen ein VOC weniger effektiv sein könnten.

Bei der Alpha-Variante gebe es laut RKI keine Hinweise, dass die bisherigen Corona-Impfstoffe eine „substantiell verringerte Wirksamkeit“ hätten. Das Institut warnt jedoch gleichzeitig vor einer – in Deutschland bislang nur selten nachgewiesenen – Abart der Alpha-Variante, von der vermutet werde, dass sie „eine geringere Wirksamkeit aufweisen“ könnte.

Zur Beta-Variante des Corona-Virus schreibt das RKI, dass bereits mehrere Studien darauf hinweisen würden, dass Impfstoffe der ursprünglichen Corona-Variante weniger gut vor einer Infektion gegen die Beta-Mutation schützen würden. Die Antikörper, die die Impfstoffe produzieren, sollen gegen das veränderte Virus weniger wirksam sein.

Auch bei der Gamma-Variante erklärt das RKI, dass experimentelle Daten „auf eine reduzierte Wirksamkeit neutralisierender Antikörper“ bei Geimpften hindeuten.

Das Urteil des RKI zur Delta-Variante klingt da schon positiver: Zwar soll auch diese Mutation Einfluss auf die Impfungen haben, aber wie das Institut schreibt, soll die Wirksamkeit „nach vollständiger Impfung“ nur „geringfügig“ unterhalb der Wirksamkeit gegenüber der Alpha-Variante* liege.

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