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Alexander Falk beantwortet an diesem Tag keine weiteren Fragen.

Alexander Falk

Anklage gegen Ex-Millionär: Falk-Prozess beginnt

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Der Prozess gegen einen millionenschweren Geschäftsmann wegen versuchten Auftragsmords beginnt mit großem Spektakel.

Wenigstens die Anklagebank hat sich gut vorbereitet. Vom Landgericht kann man das nicht behaupten. Überraschenderweise zieht der Prozess gegen den Millionenerben und Geschäftsmann Alexander Falk, dem der versuchte Auftrag für einen Mord an einem Frankfurter Rechtsanwalt vorgeworfen wird, ein Mordspublikum an. 

Verhandelt aber wird in einem winzigen Saal, der nicht einmal annähernd für die Zahl der Besucher reicht. Beim Kampf um die Sitzplätze wird es bei der Saalöffnung zu Szenen kommen, die man sonst nur vom Autoscooter kennt.

Falks Anwalt verteilt Pressemappen

Aber auch vor der Tür wird schon vor Prozessbeginn einiges geboten. Falks Medienanwalt Ralf Höcker verteilt Pressemappen an die Medienvertreter, die sämtliche Details zu dem Fall aus Sicht der Verteidigung zusammenfassen. 

Auch Fotos des Angeklagten, die man gerne in den Medien sähe, sind dabei. Sie zeigen nicht den hanseatischen Pfeffersack und millionenschweren Erben einer Stadtplandynastie, Alexander Falk, sondern den legeren „Sascha“, wie ihn seine Freunde nennen sollen: Einen blondgelockten, jung gebliebenen 50-jährigen Surfer und Segler und fünffachen Vater, mal verträumt am Strande, mal mit Kind im Walde, meistens im T-Shirt, immer sehr sportlich.

Falk soll Mord in Auftrag gegeben haben

Die Anklage sagt, dass Alexander Falk im September 2009 Niazy B., einen etwas dubiosen Geschäftsfreund*, damit beauftragt habe, den Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J. für 200 000 Euro aus dem Weg zu räumen. B. soll den Auftrag für einen Vorschuss von 50 000 Euro an zwei Subunternehmer delegiert haben. J. wurde im Februar 2010 vor seinem Wohnhaus in Harheim von einem immer noch unbekannten Täter mit einem gezielten Schuss in den Oberschenkel schwer verletzt.

Dass der Schuss keine lebensbedrohlichen Auswirkungen hatte, war reines Glück. J. hatte im Auftrag einer klangvollen Kanzlei an einer Zivilklage gegen Falk gearbeitet, der 2008 vom Hamburger Landgericht wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs und Bilanzfälschung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden war.

Falk verkaufte einst eine Firma für 800 Millionen Euro

Er hatte um die Jahrtausendwende eine seiner Firmen für mehr als 800 Millionen Euro an ein englisches Unternehmen verkauft und dieses dabei wohl kräftig übers Ohr gehauen, die Briten jedenfalls gingen kurz darauf pleite und suchten zivilgerichtliche Schmerzlinderung, unter anderem mit Hilfe von Wolfgang J. Nicht ganz erfolglos: Gegen Falk erging ein zivilrechtlicher Arrestbefehl über 30 Millionen Euro, seine Konten wurden gepfändet, sogar seine Schiffe beschlagnahmt, da zürnte der Hanseat.

Dem Zorn folgen oft die Tränen

Doch dem Zorn folgen oft die Tränen. Noch vor Verhandlungsbeginn steht der Angeklagte auf und wendet sich an die „sehr verehrten Damen und Herren“ im Publikum. Es ist Sascha, der jetzt redet. Seit einem Jahr, sagt Sascha, schmachte er schuldlos im Kerker, „meine liebe Frau und meine lieben Kinder vermisse ich sehr“. Und das alles wegen eines Mannes, „der meine Familie jahrelang erpresst und bedroht hat“ und ihn als Kronzeuge der Anklage nun auch noch seiner Freiheit berauben wolle. Er redet von Etem E., dem Hauptbelastungszeugen, einem Mann aus dem Dunstkreis B.s, aber mit schlechteren Manieren.

Er sei froh, dass er ab heute seine Unschuld beweisen könne, sagt Sascha, und bitte um Verständnis, dass er heute keine weiteren Fragen beantworte. Nicht alle Journalisten haben rechtzeitig das Mikro angeschaltet. Für sie wiederholt Sascha seine Rede gerne. Wort für Wort, Betonung für Betonung.

Verteidiger attackiert Kronzeuge

Sein Verteidiger Björn Gercke sagt dasselbe dann noch mal, nur sehr viel ausführlicher. Er lässt kein gutes Haar an Etem E., einem mehrfach vorbestraften „Berufskriminellen“, einem V-Mann der Polizei und notorischen Lügner. Der habe, nachdem er vergebens versucht hätte, Falk zu erpressen, diesen in eine Falle gelockt. Sein Motiv seien die 100 000 Euro gewesen, die J.s Kanzlei nach dem Schuss für Hinweise ausgelobt hatte, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung des Täters führen. „Davon aber sind wir weit entfernt“, stellt Gercke nicht ganz zu Unrecht fest und wundert sich, dass die Kanzlei das Geld bereits an Etem E. ausgezahlt habe – angeblich auf Empfehlung der Polizei. Es stelle sich zwar prinzipiell die Frage, warum ein gedungener Mörder seinem Opfer aus wenigen Zentimetern bloß ins Bein schieße, aber auch der mitangeklagten Beauftragung einer schweren Körperverletzung sei sein Mandant nicht schuldig. Er sei höchstens einer nicht strafbewehrten „schäbigsten Schadenfreude“ schuldig, welche sich auf einer Tonbandaufnahme zeige, die Etem E. illegal bei einem Treffen in einem Restaurant mitgeschnitten und anschließend auch noch manipuliert habe. Diese Aufnahme, in der sich Falk mit einer für einen Hamburger außerordentlichen Begeisterung zu dem Schuss auf J. äußert, ist ein Fundament der Anklage*.

Alexander Falk redet mit dem Richter und dem Publikum

Und dann redet Alexander Falk, diesmal nicht nur zum Publikum, sondern auch zum Vorsitzenden Richter Jörn Immerschmitt. Am Anfang ist der Angeklagte noch ganz Sascha: Ein Mordauftrag widerspreche „meiner Erziehung, meinen Werten und meinem Sportsgeist“. Ein fairer Sportler foule selbst und stifte andere nicht dazu an. Dann erzählt er, wie er damals vor dem Hamburger Landgericht verloren habe gegen ein Kartell aus Kanzleien und Wirtschaftsprüfern, alle aus der Profiliga. Erzählt von dem „Zeugenbeeinflussungsprogramm“, das die Profis unter dem Namen „Projekt Bussard“ gegen ihn gefahren hätten – „weil der Bussard den Falken schlägt“. Erzählt, wie die Sieger seinen Reichtum per „Beuteverteilungsvertrag“ unter sich aufgeteilt hätten – aber er habe alles stets sportlich genommen.

Nicht auf Augenhöhe

Und aus sportlicher Sicht sei das Opfer Wolfgang J. für ihn „gar nicht visibel“ gewesen. Bei J. habe es sich um eine Art Balljungen gehandelt, einen angestellten Juristen, der sich „einfach nicht auf Augenhöhe“ befunden habe. Um ehrlich zu sein, hätten er und seine Anwälte sich damals „permanent über ihn lustig gemacht“. J. habe schlicht „dieses internationale, leicht bohemische Flair erfolgreicher Wirtschaftsanwälte“ gefehlt. Das zumindest fehlt seinen beiden mitgeführten Verteidigern Björn Gercke und Daniel Wölky nicht, eher im Gegenteil.

Aber es ist nicht bloß Alexander Falk, der auf der Anklagebank redet. Hin und wieder bricht der gute alte Sascha durch, etwa wenn er darauf hinweist, dass er hoffe, sich bald wieder im Kreise aller seiner Lieben mit seinem neuen Geschäftsmodell als Bioobstbauer in Südafrika redlich nähren zu können. Es gibt aber auch Momente, da ist Sascha gar nicht mehr visibel. Etwa auf der umstrittenen Tonbandaufzeichnung, die das Gericht vorspielt. Darauf zu hören sind hin und wieder seine Gesprächspartner, die das leicht bedrohliche Flair erfolgreicher Sportwettbürobetreiber umweht. Und ein scharfer Falk. Er und seine Frau hätten vor Freude gekreischt wie die Geißens, als sie von den Schüssen auf Wolfgang J. gehört hätten.

Eine „kleine Bazille“ sei der Zeuge

„Das war sehr geil, das hat uns große Freude bereitet“, begibt sich Falk auf verbale Augenhöhe zu seinen Zuhörern, immerhin handele es sich bei J. um „ein richtiges Superarschloch“, eine „kleine Bazille“, die ihn ganz krank gemacht habe. Aber die Tatsache, dass er sein Mandat nach dem Attentat niedergelegt habe, zeige, dass die Bazille immerhin „die Botschaft verstanden“ habe. Man kann beim Hören des Mitschnitts auf den Gedanken kommen, dass Falk einen Mord in Auftrag gegeben hat. Muss man aber nicht.

Man kann auch auf den Gedanken kommen, dass für Alexander Falk das Leben wie ein Cricketspiel ist: Man sollte es den Gentlemen überlassen. Und man weiß nie so genau, wann es zu Ende geht. Letzteres gilt allerdings auch für Gerichtsprozesse. Für diesen hat die Kammer bislang Termine bis in den Dezember angesetzt. Mehr als 20 Zeugen sollen gehört werden. Etem E. ist erst für Oktober geladen. Bevor aber jener E., der hier nach Ansicht der Verteidigung eigentlich auf die Anklagebank gehört, nicht seine Aussage gemacht hat, will Alexander Falk im Gerichtssaal das tun, was das Recht des Angeklagten und die Pflicht des Gentleman ist: genießen und schweigen.

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