Adler Min ist mit einem Funksender ausgerüstet.
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Adler Min ist mit einem Funksender ausgerüstet.

Adler verursachen riesige Kosten

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(dpa). Die sibirischen Vogelkundler Igor Karjakin und Jelena Schnaider mochten ihren Augen nicht trauen, als die Mobilfunkrechnungen für Auslandsflüge ihrer Adler kamen. Sie hatten bedrohte Steppenadler mit Sendern samt SIM-Karten ausgestattet, um ihren Lebensweg verfolgen zu können. Die an dem Adlermännchen Min und dem Weibchen Schanna angebrachten Tracker setzen aus vielen Ländern SMS-Nachrichten ab. "Das Problem aber zum Beispiel bei Min war, dass es wochenlang gar keine Nachricht gab, dann kamen aus dem Iran viele SMS auf einmal", sagt Karjakin.

Als Min im Iran wieder Mobilfunknetz hatte, setzte sein Sender auf einen Schlag auch SMS ab, die während seines Aufenthalts im zentralasiatischen Steppenstaat Kasachstan hängengeblieben waren. Über Wochen hatten Karjakin und Schnaider keine Nachricht von Min. Als das Lebenszeichen kam, freuten sie sich. Aber dann kam der Ärger. Wegen der hohen Mobilfunkkosten mit horrenden Roaming-Gebühren aus dem Ausland sahen sie ihr Projekt in Gefahr. Medien berichteten international über den Fall.

Das Problem ist Forschern, die Tierwanderungen verfolgen, bestens vertraut. "In meiner Abteilung habe ich monatlich Kosten von 10 000 bis 12 000 Euro für diese Nachrichten", sagt der Wissenschaftler Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz. Weil das teuer sei, müssten sich Forscher immer wieder einschränken. In Deutschland koste ihn ein Mobilfunkvertrag pro Tier und Monat 40 Euro. Dass die russischen Kollegen da verärgert sind, kann er nachvollziehen.

Als Steppenadler Min im Oktober im Iran wieder im Funknetz gewesen sei, seien Hunderte SMS eingetrudelt mit den Koordinaten des ganzen Sommers - für 49 Rubel (rund 70 Cent) je Nachricht; die Kosten pro Tag: rund 100 Euro. Zeitweilig, sagt Schnaider, die das Adler-Weibchen Schanna mit einem Sender ausstattete, sei ihr kleines Forschungsbudget fast ausgeschöpft gewesen.

Über einen Aufruf in sozialen Netzwerken kamen dann aber schnell 300 000 Rubel zusammen. Das Projekt ist gerettet. Zudem habe der Mobilfunkanbieter die Roaming-Gebühren für Adler Min erlassen und auch für andere Adler deutlich auf die Selbstkosten gesenkt, wie beide Ornithologen mitteilen.

"Natürlich hoffen wir auf billigere Technologien für die Datenübermittlung", sagt Karjakin. Eine Lösung bieten könnte schon bald das deutsch-russische Forschungsprojekt "Icarus".

Ein für das weltraumgestützte System wichtiger Computer soll noch im Dezember zur Internationalen Raumstation ISS gebracht werden. Über "Icarus" läuft die Erfassung satellitenbasiert mit viel größeren Datenmengen, wie Projektleiter Wikelski erklärt. "Wir erhalten künftig auch Angaben aus Regionen, in denen es kein Netz gibt: aus Wüsten, Gebirgen und von den Weltmeeren." In den nächsten Jahren sollen dafür mehrere Zehntausend Tiere besendert werden - mit einer Art Fitnessarmband. Übermittelt werden könnten Gesundheitsdaten und Angaben zur Umwelt wie Feuchtigkeit und Temperatur. Die Roaming-Gebühren fielen weg.

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