21. Dezember 2017, 14:56 Uhr

Streifzug-Jahresrückblick

Streifzug-Jahresrückblick: Als es in Mittelhessen knallte

Ein lauter Knall, zwei Jets donnern über den Himmel. Sie sorgten im Juli für Aufregung in Gießen, der Wetterau und im Vogelsberg.
21. Dezember 2017, 14:56 Uhr

Das Jahr 2017 geht seinem Ende entgegen. Auch in diesem Jahr gab es Triumphe, Tragödien, Unglaubliches und Unvergessliches. Der Streifzug blickt auf die pärgenden Momente in der Wetterau zurück. Heute: Als es in Mittelhessen knallte. Im Interview berichtet Kampfjetpilot Swen Jacob vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau, wie der Einsatz ablief – und was im Ernstfall passieren kann.

Herr Jacob, der Einsatz im Juli hat viel Wirbel in der Region ausgelöst. Waren Sie selbst mit dabei?

Swen Jacob: An diesem Tag war ich nicht in der Luft, auch wenn ich selbst in der Alarmrotte, der sogenannten Quick Reaction Alert fliege. Aber meine Eltern haben den Knall auch gehört; ich komme gebürtig aus Marburg.

Wie läuft so ein Einsatz ab?

Jacob: Grundsätzlich haben wir in Neuburg in Bayern und in Wittmund an der Nordsee zu jeder Zeit zwei Flugzeuge und zwei Piloten in Bereitschaft. Ihr Auftrag ist es, im Ernstfall in 15 Minuten in der Luft zu sein. Den Befehl gibt das Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in Uedem am Niederrhein. Dort sitzen Beamte des Innenministeriums, des Katastrophenschutzes, der Bundespolizei, der Deutschen Flugsicherung und Soldaten der Bundeswehr. In diesem Fall kam ein Flugzeug aus Ägypten über den tschechischen Luftraum nach Deutschland, ohne sich per Funk zu melden. Da es ein paar Tage zuvor in Ägypten einen Terroranschlag gegeben hatte, war man entsprechend alarmiert. Also sind die Piloten aufgestiegen, haben mit dem Überschallflug das Flugzeug erreicht und dem Piloten ein Zeichen gegeben, der dann die richtige Funkfrequenz eingeschaltet hat.

 

Wie oft gibt es solche Einsätze?

Jacob: 2017 hatten wir bislang 13. Das klingt erst einmal viel, aber bei 3,1 Millionen Flugbewegungen über Deutschland ist es selten. Wenn es passiert, ist es aber meist spektakulär. Da Passagiermaschinen normalerweise mit Geschwindigkeiten von 850 bis 900 Stundenkilometern fliegen, müssen wir schon über 1000 km/h fliegen, also Überschall, um sie im deutschen Luftraum noch einzuholen.

Was geht einem Piloten bei einem Einsatz durch den Kopf?

Jacob: Bei einer Alarmierung schießt das Adrenalin durch den Körper, denn es gibt ja keine Vorwarnung und wir wissen auch nicht, ob es sich um ein ziviles oder militärisches Flugzeug handelt. Aber man muss erst einmal funktionieren und kann nicht viel nachdenken, um so schnell wie möglich in die Luft zu kommen. Während des Fluges denkt man aber schon einmal darüber nach, was für ein Flugzeug das ist, wie man sich ihm am besten nähert und wie viele Menschen darin sitzen könnten.
 

+++ Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile des Streifzug-Jahresrückblicks +++


Wie fühlt es sich an, einen solchen Kampfjet zu fliegen?

Jacob: Ich gebe zu, dass es schon Spaß macht, auch wenn wir als Soldaten natürlich zuallererst einen Auftrag zu erfüllen haben. Die Leistung der Maschinen ist enorm: Wir können innerhalb einer Minute auf die Reiseflughöhe von Passagiermaschinen aufsteigen und diese auch sehr schnell

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