01. Februar 2018, 01:30 Uhr

DRK-Rettungshundestaffel

Der Retter mit der kalten Schnauze

Ein Bewohner eines Altenheims verschwindet spurlos – in Fällen wie diesen ruft die Polizei die DRK-Rettungshundestaffel Friedberg. Dann sind Christine Elsner und ihr Bluthund Rosalie im Einsatz.
01. Februar 2018, 01:30 Uhr
Die Nase von Bluthund Rosalie hat es in sich. (Foto: nic)

Rund 15 Jahre ist es her, dass Dr. Christine Elsner zum ersten Mal bei der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Friedberg dabei war. Die Allgemeinmedizinerin mit eigener Praxis in Steinfurth hat drei Hunde – zwei davon sind Rettungshunde, der dritte in der Ausbildung. Gemeinsam geht sie mit ihnen auf die Suche nach vermissten Personen – mit Erfolg. Mitten in der Stadt oder in großen Waldgebieten sind die Tiere dem Menschen in Sachen Spürsinn deutlich überlegen.

Frau Dr. Elsner, wie kommt man auf die Idee, sich in der DRK-Rettungshundestaffel zu engagieren?

Dr. Christine Elsner zeigt Rosalie die Spur. (Foto: nic)
Dr. Christine Elsner zeigt Rosalie die Spur. (Foto: nic)

Dr. Christine Elsner: Ich bin da ganz unspektakulär hineingerutscht. Erstmals hatte ich 2002 Kontakt über eine Hundeschule, deren Betreiber Mitglied in der Rettungshundestaffel war. Ich habe zunächst als Helferin ohne Hund mitgearbeitet. Aber ich habe schnell gemerkt, dass die Arbeit mit den Hunden Spaß macht, etwas Sinnvolles ist und es mir Freude bereitet, in der Gemeinschaft anderen zu helfen. Beim DRK Friedberg hat das Gesamtpaket einfach gestimmt.

Sie haben sich also extra für dieses Ehrenamt einen neuen Hund angeschafft?

Elsner: Ja, meinen Bluthund Rosalie habe ich extra dafür bei einem Züchter in den Niederlanden gekauft. Für den Alltag gibt es wahrlich einfachere und kleinere Hunde, sie schlabbert eben auch viel. Aber als »Mantrailer«, also als Hund, der die Spur eines Menschen verfolgt, ist diese Rasse einfach sehr gut geeignet.

Hunde haben also je nach Rasse bestimmte Talente?

 

"Hab ihn!". Rosalie spielt noch etwas mit ihrem "Opfer" im Anschluss an die Suchaktion im Training. (Foto: nic)
"Hab ihn!". Rosalie spielt noch etwas mit ihrem "Opfer" im Anschluss an die Suchaktion im ...

Elsner: In der Staffel ist Rosalie beispielsweise derzeit die einzige »Mantrailerin«. Diese Hunde werden bevorzugt in bebauten Gebieten eingesetzt, denn sie folgen der Spur eines einzigen Menschen von dem Ort, an dem dieser Mensch zuletzt gesehen worden ist. Dafür werden auch Beagle eingesetzt. Meine beiden anderen Hunde sind Flächensuchhunde, also Hunde, die etwa in Waldgebieten eingesetzt werden, weil sie jeden Menschen wittern. Aber auch da muss man nach der Rasse schauen, denn es gibt einfach Hunde, die besonders gut riechen können, andere stöbern mehr oder jagen.

Wie läuft ein Einsatz von Ihnen und Ihren Hunden klassischerweise ab?

Elsner: Zunächst einmal wird bei der Polizei ein Mensch vermisst gemeldet, zum Beispiel ein Bewohner eines Altenheims. Die Einsatzleitung kann uns dann über die Rettungsleitstelle alarmieren. Bevor die Suche losgeht, muss ich einen Geruchsstoff sichern. Wichtig ist, dass nur der Geruch der gesuchten Person dran sein darf, weshalb wir oft ein Taschentuch, die Zahnbürste, das Gebiss oder die Innenseite von Schuhen nehmen. Diesen Gegenstand packe ich in eine Plastiktüte, gehe mit dem Hund an die Stelle, wo die Person zuletzt gesehen wurde und gebe den Befehl »Rosalie, such!« Dann läuft sie los und verfolgt die Spur. Das ist wirklich faszinierend, deswegen lebe ich auch für diese Arbeit.

Wie lange können Sie und der Hund eine solche Suche durchhalten?

Elsner: Also die längste Suche war vier Stunden, allerdings mit kleinen Pausen. Es kommt sehr stark auf die Witterung an – ist es kalt und nass, ist es natürlich anstrengender. Besonders für den Hund ist die Nasenarbeit aber auch kräftezehrend. Aber auch hier zahlt sich die Rasse aus: Bluthunde sind da sehr ausdauernd. Sie haben autistische Züge, denn sie blenden bei einer Aufgabe die Umwelt fast völlig aus. Rosalie ist mir schon gegen Schaufenster oder Laternen gelaufen, als sie gesucht hat.

Gibt es einen Einsatz, der Ihnen noch besonders in Erinnerung ist?

Elsner: Oh ja. Normalerweise suchen wir sehr oft Menschen aus Seniorenheimen oder psychisch Kranke, die sich eventuell auch etwas antun wollen. In diesem einen Fall aus dem letzten August war es aber ein 12-jähriges Mädchen, das nach einem Streit mit Klassenkameradinnen von einer Jugendherberge in Büdingen in den Wald gelaufen war und nicht mehr zurückkam. Viele Rettungskräfte haben gesucht, unter anderem mit Hubschrauber und Flächensuchhunden – und eben Rosalie und ich. Sie ist mitten durch den Wald gelaufen und plötzlich saß das Mädchen in einem ausgehöhlten Baumstamm. Ihr ging es den Umständen sprechend gut. Die erleichterten Gesichter der Eltern dann zu sehen – diese Szene berührt mich noch heute.

Wie viel Zeit und Geld haben Ausbildung und Ihre Arbeit bislang gekostet?

Elsner: Das habe ich nicht nachgerechnet, aber es ist sicher mit Sprit, Ausbildung bei einem Spezialisten in Hof, dem normalen Training von einem ganzen Tag pro Woche und mindestens einem Abend und den Einsätzen ein hoher fünfstelliger Betrag bis jetzt. Es ist also wirklich zeitintensiv, aber ich mache es gerne, weil ich anderen Menschen damit helfen kann. Die Arbeit mit den Tieren und ihre Fähigkeiten haben mich zudem von Anfang an gefesselt.

Was kann man tun, wenn man selbst mithelfen oder die Arbeit der DRK-Rettungshundestaffel unterstützen möchte?

Elsner: Wer einen Hund hat und denkt, er sei für eine solche Arbeit geeignet, kann sich gerne jederzeit bei uns melden und einfach mal mit ins Training kommen. Wichtig ist, dass die Tiere menschenbezogen, freundlich und arbeitseifrig sind. Aber auch ohne Hund brauchen wir Helfer oder Leute, die sich im Training ab und zu im Wald verstecken und suchen lassen. Außerdem helfen uns Spenden, denn wir brauchen etwa Geräte für das Training. Mir ist wichtig zu betonen: Das ist ein Ehrenamt, wir sind Teil einer Hilfskette und arbeiten kostenlos. Wir sind für alle da, wenn sie unsere Hilfe brauchen.

Info

Für alle, die mehr tun möchten

Die Rettungshundestaffel des DRK Friedberg existiert seit fast 20 Jahren. 16 Mitglieder arbeiten hier mit 19 Hunden; 9 Teams sind geprüft. Die Hundeführer haben eine Ausbildung als Sanitätshelfer sowie Fortbildungen in Karten- und Kompass-Kunde, Einsatzlehre, Unfallverhütung, Hundeverhalten und Erste Hilfe am Hund. Das DRK bittet deshalb um Spenden, um die Ausbildung zu finanzieren. Auch geeignete Trainingsgelände werden gesucht. Nähere Infos gibt’s unter www.rettungshunde-drk-friedberg.de oder per E-Mail rettungshunde@drk-friedberg.de.

 

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