26. Juni 2018, 18:01 Uhr

Brautmode

Wie findet man das richtige Brautkleid? Tipps von Marie Bernal von »Zwischen Tüll und Tränen«

Einmal Prinzessin sein – oder doch lieber etwas Schlichtes? Diese und andere Fragen stellt sich jede Braut auf der Suche nach dem passenden Kleid. Marie Bernal aus der TV-Sendung »Zwischen Tüll und Tränen« kennt die Antworten.
26. Juni 2018, 18:01 Uhr
Marie Bernal Brautmoden Hoachzeitskleid Wetzlar (Foto: pv)

Es ist eines der wichtigsten Themen vor der Hochzeit: das Hochzeitskleid. Spitze, Chiffon oder Tüll? Kurz oder lang? Weiß oder champagner? Diese Entscheidungen werden keinesfalls alleine getroffen, zur Anprobe kommen Mama, Trauzeugin oder beste Freundin mit. Und manchmal sogar ein Kamerateam. In der Fernsehsendung »Zwischen Tüll und Tränen« auf Vox können die Zuschauer regelmäßig Bräute auf ihrer Suche nach dem Kleid begleiten. Zum Beispiel im Brautmodengeschäft von Marie Bernal in Wetzlar. Bereits seit 20 Jahren verkauft die gebürtige Spanierin dort Brautkleider. Im Interview spricht sie über die Aufregung beim Drehen, absolute No-Gos und ihre eigene Hochzeit.

 

Frau Bernal, seit fast zwei Jahren wirken Sie jetzt an der TV-Sendung »Zwischen Tüll und Tränen« auf VOX mit. Wie kam es zu der Teilnahme?

Marie Bernal: Diese Frage habe ich selbst erst kürzlich bei einem Workshop der Produktionsfirma gestellt, weil ich mich das immer gefragt habe. Die Produktionsfirma ist auf mich zugekommen. Ich habe mich also nicht beworben, denn eigentlich wollte ich so was nie machen. Als man mich fragte, lehnte ich die Teilnahme nicht ab, aber ich wollte nicht selbst vor der Kamera stehen.

Das sollte eine von meinen Mitarbeiterinnen machen. Ich habe mir das nicht zugetraut, ich bin kein Typ fürs Fernsehen, dachte ich. Aber meine Tochter hat mich schließlich überredet, doch selbst vor die Kamera zu treten. Nach meiner Entscheidung musste ich der Produktionsfirma ein Video von mir zuschicken. Ich habe gedacht, spätestens daran scheitert es. Doch das Gegenteil trat ein, ich bekam eine Zusage und seitdem sind wir dabei.

Wie läuft so ein Dreh ab?

Bernal: Je Braut plane ich immer einen Tag für den Dreh ein. Es ist zeitintensiv, das habe ich am Anfang etwas unterschätzt. Eine Beratung mit Kamera kann zwischen vier und sechs Stunden dauern. Man muss sich auf viele Sachen konzentrieren. Man darf zum Beispiel keine Datumsangaben machen, da nicht immer genau feststeht wann eine Sendung ausgestrahlt wird. Und auch die richtige Beantwortung und das Stellen von Fragen muss man erst lernen. Das Drehen ist wirklich sehr schön, aber echt anstrengend.

Wer entscheidet denn, welche Bräute ins Fernsehen dürfen?

Bernal: Nachdem die Kundinnen einen Termin bei uns gebucht haben, kontaktieren wir sie und fragen, ob sie Interesse haben, an der Sendung mitzuwirken. Wenn ja, suchen wir gemeinsam einen Termin für die Anprobe aus. Den gebe ich dann an die Redaktion weiter. Dort wird geprüft, ob für den Tag ein Kamerateam zur Verfügung steht. Passt der Termin, kontaktiert die Produktionsfirma die Braut für ein Interview. Hält der Sender sie für interessant, kommt es zum Dreh.

Also ein langer Prozess. Gestaltet sich die Anprobe vor der Kamera denn anders als eine reguläre Anprobe?

Bernal: Ja, definitiv. Es ist aber alles live. Vom Prinzip her läuft es nicht anders ab als eine Anprobe ohne Kamera. Es dauert nur eben länger. Zum Beispiel, weil die Braut zunächst die Begleitpersonen anschauen soll, und nicht direkt in den Spiegel. Dann nimmt das Kamerateam die Reaktion der Begleitpersonen auf und erst dann darf die Braut sich selbst ansehen.

Sind Sie überhaupt noch aufgeregt, wenn das Kamerateam kommt?

Bernal: Nein, überhaupt nicht. Ich bin ein temperamentvoller, aber auch gleichzeitig sehr emotionsgeladener Mensch. Das war auch ein Grund, warum ich erst nicht bei der Sendung mitmachen wollte. Aber von Anfang an war ich selbst und auch meine Tochter, die manchmal im Hintergrund zugesehen hat, überrascht, wie gut es geklappt hat. Ich mache einfach meinen Job und vergesse, dass da eine Kamera ist. Selbst wenn sie nur zehn Zentimeter von meinem Gesicht entfernt ist. Ich versuche das einfach auszublenden.

 

Was hat sich durch die Show verändert?

Bernal: Das Geschäft hat sich komplett verändert. Es ist unglaublich. Wir haben jetzt Kunden aus der Schweiz, aus Berlin, aus Italien, aus München. Die Bräute übernachten sogar hier. Sie kommen dann auch noch ein zweites Mal für die endgültige Anprobe. Das konnte ich am Anfang gar nicht glauben. Ich habe mich gefragt: Warum nimmt die Braut so einen weiten Weg auf sich? Es gibt doch genug Brautmodengeschäfte! Deshalb habe ich die Bräute darauf angesprochen und mittlerweile kann ich sie verstehen. Man kennt durch die Sendung nicht nur den Laden, sondern auch mich und unsere Beratung. Die Mädels sagen, sie haben sich mit mir angefreundet, sie kennen mein Gesicht und meine Art. Es gibt bestimmt auch Bräute, die gerade deshalb nicht zu mir kommen. Aber die positiven Reaktionen sind die Bestätigung für mich, dass die Kundinnen mit meiner Beratung glücklich sind.

 

Wenn man nun selbst eine Hochzeit plant, wann sollte man das Brautkleid aussuchen?

Bernal: Eine Braut sollte allerspätestens acht Monate vor der Hochzeit das Kleid aussuchen. Aus verschiedenen Gründen. Viele Bräute wollen natürlich nicht das Kleid, das wir hier haben, sondern ein komplett neues, das wir dann bestellen. Dabei kann es vorkommen, dass sich die Lieferung verspätet. Auch kann es passieren, dass das Kleid fehlerhaft geliefert wird. Außerdem muss das Kleid angepasst werden, wir müssen mehrere Anproben planen. Bei einem Hochzeitskleid ist alles Handarbeit. Eine Änderung kann schon mal zwei bis drei Tage dauern.

Wie viele Begleitpersonen sollte man zur Anprobe mitbringen?

Bernal: Wir empfehlen maximal drei Begleitpersonen mitzubringen. Samstags ist der beliebteste Tag für eine Anprobe. Wenn es ein bisschen entspannter sein soll, empfehle ich, sich einen Tag unter der Woche frei zu nehmen. Man sollte auch gut überlegen, wen man zur Anprobe mitbringt, da die Begleitperson die Braut sehr beeinflussen kann. Man hat ja auch unterschiedliche Vorstellungen. Vielleicht möchte die Braut etwas pfiffiges, jugendliches, was ganz aktuell ist. Und dann kommt zum Beispiel eine Begleitperson und sagt: »Mein Gott, wie kann das Kind denn so in eine Kirche gehen«. Die Braut muss entscheiden, ob sie auf die Wünsche der Begleiter eingehen will oder nicht. Aber letztlich gibt es diesen Tag nur einmal in ihrem Leben, und jede Braut sollte die Braut sein, die sie sein möchte, und sich wohlfühlen. Sie soll ihr Kleid finden und nicht irgendeins nehmen.

Das Drehen ist sehr schön, aber echt anstrengend

Marie Bernal, Brautmoden

 

Wie sollte man Frisur und Make-up für die Anprobe halten?

Bernal: Zur Stylistin gehen muss man vor dem Termin nicht, man sollte sich einfach wohlfühlen. Wenn man generell sehr wenig geschminkt ist, sollte man auch an der Hochzeit und somit auch bei der Anprobe kein auffälliges Make-up tragen. Man sollte sich nicht verkleiden, sondern natürlich aussehen.

 

Muss man zum Beispiel auch spezielle Unterwäsche anziehen?

Bernal: Heutzutage haben die meisten Kleider schon eine Korsage eingearbeitet, man braucht also nicht unbedingt etwas drunter.

Gibt’s ein absolutes No-Go beim Anprobetermin?

Bernal: Sich beeinflussen lassen. Als Braut darf man sich nicht beeinflussen lassen. Dadurch wird man unsicher. Man fragt sich: Habe ich mich richtig entschieden? Oder habe ich das Kleid nur wegen demjenigen ausgesucht, der mir dazu geraten hat? Dann kann es passieren, dass man sich in seinem Kleid nicht hundertprozentig wohlfühlt.

 

Was sind aktuelle Brautmoden-Trends?

Bernal: Man geht seit ein paar Jahren immer weiter weg von schneeweißen Kleidern. Dafür sieht man öfter Farbe, wie zum Beispiel Blush- oder Nudetöne. Im Trend liegen auch sehr transparente Kleider.

 

Sind Sie selbst verheiratet?

Bernal: Ja, seit 28 Jahren.

 

Welches Kleid haben Sie bei Ihrer Hochzeit getragen?

Bernal: Das Kleid von damals würde ich heute nie mehr anziehen. Aber es war mein Mädchentraum, einmal Prinzessin zu sein. Das Kleid war weiß, was jetzt out ist, und hatte Puffärmel, was man heute auch nicht mehr sieht. Aber ich war sehr glücklich damit.

Und das ist ja schließlich das Wichtigste. Hatten Sie denn schon mal ein ungewöhnliches Erlebnis mit einer Braut?

Bernal: Ja, da gab es viele. Was mich aber für mein ganzes Leben geprägt hat, war eine Beratung mit einer blinden Braut. Um das zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Das ist eine ganz schöne Herausforderung. Man muss sich überlegen: Wie kann ich der Braut vermitteln, dass sie ihr Kleid gefunden hat? Ich habe versucht jedes Detail so zu beschreiben, dass sie das Kleid innerlich sehen kann. Ich höre immer noch ihr Lachen, als sie sich für ein Kleid entschieden hatte. Das sind Emotionen, die kann man gar nicht mit Worten beschrieben. Mir kommen direkt wieder die Tränen. Das werde ich nie vergessen.

Es gibt diesen Tag nur einmal in ihrem Leben und jede Braut sollte die Braut sein, die sie sein möchte, und sich wohlfühlen

Marie Bernal, Brautmoden

 

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Kommt es denn auch mal vor, dass die Braut sich ein Kleid aussucht, dass Sie ihr nicht empfehlen würden?

Bernal: Für mich ist wichtig, dass die Braut sich wohlfühlt. Ich kann nicht jedes Mal, wenn eine Braut ein Kleid genommen hat, sagen: Das ist genau das Kleid, dass ich ihr verkaufen würde. Aber für mich ist jede Braut schön. Vielleicht kommt eine Kundin und sagt: »Was für ein hässliches Kleid.« Und für die nächste ist es das Traumkleid. Jeder versteht Mode anders, aber für mich ist es wichtig, dass die Braut sich wohlfühlt. Wenn das Kleid natürlich überhaupt nicht sitzt, dann versuche ich auch zu beraten und zu zeigen, wo das Kleid zum Beispiel nicht gut sitzt. Ich rate ihr vielleicht auch, ein anderes Kleid anzuprobieren, sodass sie den Vergleich sehen kann. Man muss dabei sehr diplomatisch sein, sonst verletzt man die Braut. Aber letztlich muss es der Braut gefallen und nicht mir.

Was macht man, wenn man nach der Anprobe merkt, dass noch nicht das richtige Kleid dabei war? Da kann man leicht verzweifeln. Was raten Sie Bräuten, die nicht fündig werden?

Bernal: Jede Braut wird fündig. Ich sehe es immer positiv. Ich kann nur raten, wenn eine Braut ein Kleid findet, bei dem sie das Gefühl hat, es ist ihr Kleid, sollte sie aufhören weiterzusuchen. Wenn sich die Braut nicht zwischen zwei Kleidern entscheiden kann, sollte sie sich Zeit lassen und beide Kleider noch einmal anziehen. Irgendwann wird sie fühlen, ob es das richtige Kleid für sie ist, oder eben nicht. Auf Bildern kann man sich nicht entscheiden. Man erwischt dabei nur einen Moment. Aber dieses Gefühl, das richtige Kleid gefunden zu haben, das bekommt man nur, wenn man das Kleid trägt.

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