05. Juni 2018, 15:23 Uhr

Stadt-ohne-Meer-Festival

Trettmann: Über den Beton zum Erfolg

Vor zehn Jahren komponierte Ronny Trettmann noch Dancehallhits auf Sächsisch. Heute ist Trettmann ein Beweis dafür, dass auch Deutschrap reifer und klüger werden kann. Statt auf Gangstergehabe setzt er auf Herzlichkeit – und auf einen Hauch Jamaika. Beim »Stadt ohne Meer«-Festival am 9. Juni ist der 45-Jährige der größte Star.
05. Juni 2018, 15:23 Uhr
(Foto: KitschKrieg / www.kitschkrieg.de)

Mit 45 Jahren ist man im Hip-Hop-Geschäft ein alter Hase. Ein richtig alter Hase. Doch wo andere Männer in seinem Alter über Rücken und Haarausfall klagen, hat Trettmann seinen größten Erfolg. Sein Album »DIY«, das im vergangenen September  erschien, feierte die Fachpresse als das beste deutschsprachige Album des Jahres – auch OK Kid sind dieser Meinung. Dann muss da auch was dran sein.

Trettmann wuchs in Karl-Marx-Stadt auf, dem heutigen Chemnitz. Plattenbau. »Grauer Beton, rauer Jargon«, reimte der mittlerweile in Leipzig wohnende Künstler auf »DIY« Sachsen ist seine Heimat, das war anfangs auch nicht zu überhören. Reggae und Dancehall mit sächsischem Dialekt waren einst sein Markenzeichen. Dazu hatte sich Stefan Richter, wie Trettmann mit bürgerlichem Namen heißt, mit Ronny einen typisch sächsischen Namen für die Bühne zugelegt.

Seine erste Single »Der Sommer ist für alle da« kam 2006 und wurde zum Hit auf YouTube. Der Song hielt sich vier Wochen lang in den deutschen Charts, doch der ganz große Durchbruch wollte im Anschluss nicht gelingen. Für das Album »Tanz auf dem Vulkan«, das 2013 erschien, sammelte er im Internet sogar Spenden, um die Platte zu finanzieren. Dabei war sie ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum heutigen Erfolg. Der Dialekt verschwand, Ronny wurde gestrichen, Kitschkrieg kam.

Mit dem Label aus Berlin-Kreuzberg bog Trettmann auf die Straße des Erfolgs ein. Mit den drei Gründern des Labels schaffte es Trettmann, sich über die EPs »Kitschkrieg« 1 bis 3 und »Herb & Mango« zu dem vorzuarbeiten, was ihm kurz vor der Midlife-Crisis ausverkaufte Konzerte auf einer monatelangen Tour bescherte. »DIY«, kurz für Do it yourself, ist das, was es zu sein verspricht: ein komplett selbstproduziertes Album. »Alle haben gesagt: Das schafft ihr nicht, ihr könnt das Album nicht komplett selber machen und dann noch veröffentlichen. Doch wir haben es getan. Einfach so«, schrieb Trettmann in einem Beitrag auf dem Online-Portal Noisey.

Wer es heutzutage im Musik-Business weit bringen möchte, kommt an den großen Labels nicht vorbei. Trettmann ist in letzter Konsequenz den Weg in die entgegengesetzte Richtung gegangen. »Dir kann einfach niemand reinreden und du bist niemandem Rechenschaft schuldig. Jede Entscheidung bleibt im Team«, sagte er über die Arbeit mit Kitschkrieg.

Mit der DIY-Tour erntet er nun die Früchte seiner Arbeit. Das Leben im Bus, der von Location zu Location fährt, hat aber auch seine Schattenseiten, wie er verriet: »Das Schlimmste ist der Schlafmangel, der sich zwangsläufig ergibt.« Das nimmt er aber gerne in Kauf. »Ich bin glücklich und dankbar, dass sich alles auszahlt«, sagte Trettmann.

In der Szene ist Trettmann nicht erst seit September vergangenen Jahres angesehen. Neben BonezMC und RAF Camora, die zu den derzeit erfolgreichsten deutschsprachigen Rappern gehören, ist auch Marteria mit einem Feature auf »DIY»vertreten. Dass der finanzielle Ertrag nicht an erster Stelle steht, beweist Trettmann auf YouTube. Die Werbung vor seinen Videos hat er abgeschaltet, nachdem Spots der AfD und des österreichischen Pendants , der FPÖ, davor geschaltet wurden. »Es ist mir lieber, da Miese zu machen und dafür diesen Leuten keine Plattform zu geben«, sagte Trettmann. Bis August ist er noch auf den Bühnen des Landes unterwegs und macht sein Ding, ganz auf seiner Art – DIY. 

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