21. Dezember 2017, 15:04 Uhr

Happy End des Jahres

"Nehmt mehr Rücksicht auf euren Körper. Ich habe es nicht getan."

»Ohne ihn wäre ich jetzt tot«, sagt Dennis Walter über den Notarzt, der als Fußballspieler zufällig auf dem Platz stand, als der Herzinfarkt kam.In einer Kreisliga-Partie Mitte November brach er plötzlich zusammen.
21. Dezember 2017, 15:04 Uhr

Das Jahr 2017 geht seinem Ende entgegen. Auch in diesem Jahr gab es Triumphe, Tragödien, Unglaubliches und Unvergessliches. Der Streifzug blickt auf die Momente zurück, die das Jahr im Gießener Land prägten. Heute: Herzinrakt im Kreisliga-Spiel

 

Daran, dass er auf dem Platz zusammenbricht, kann sich Dennis Walter noch erinnern. Danach fehlen im Gedächtnis des Wieseckers vier Tage. »Das Ganze ist kurz nach der Halbzeit passiert. Ich weiß noch, dass mir schlecht wurde. Ich bin an den Seitenrand gegangen und habe mich übergeben. Dann bin ich zusammengefallen.« Der Fußballer erleidet einen Herzvorderwandinfarkt, einen der schlimmen Art, den man mit 29 Jahren normalerweise nicht bekommt.

Ein gegnerischer Spieler, der zum großen Glück Notarzt ist, eilt herbei und reanimiert Dennis Walter. »Ich habe kurz gesehen, wie er sich über mich gebeugt hat. Danach geht die Gardine zu und es kommt kein Licht mehr rein.«
Erst fünf Tage später wacht der Wiesecker aus dem künstlichen Koma im Krankenhaus auf – und erinnert sich nicht. »Ich wusste nicht, was los war.« Der behandelnde Arzt muss ihm erklären, dass er einen Herzinfarkt hatte. Die Maschinen hielten ihn am Leben, seine Arme und Beine waren an das Bett fixiert, damit er sich im Unterbewusstsein nicht die Schläuche aus dem Körper reißt und sein gerade gerettetes Leben damit wieder gefährdet.

 

Die Dankbarkeit ist groß

Dennis Walter kann nun, im Dezember, darüber sprechen, weil die Ärzte davon ausgehen, dass er wieder vollkommen gesund wird. Bis zum 21. Dezember befand sich der Wiesecker in einer Reha-Klinik in Bad Driburg nahe Paderborn. »Spätestens zur neuen Saison kann ich zu 1000 Prozent wieder Fußball spielen. Vielleicht wird es sogar schon in der Rückrunde was.« Die Dankbarkeit dafür ist groß. Jeden Arzt und Helfer umarmte Walter mit Tränen.

 

Ich habe mein Lebensziel verändert

Dennis Walter

Im Gespräch merkt man, dass Dennis Walter mehrere Phasen durchgemacht hat. Vor dem Herzinfarkt machte er sich offenkundig wenig Gedanken um seine Gesundheit – nach dem Vorfall war der Fußballer überwältigt von Emotionen, sagt: »Ich habe gekämpft und ich habe genug Tränen geweint. Ich kann jetzt sagen, dass ich wieder lachen kann.« Nicht zuletzt setzte eine veränderte Einstellung zu seinem Körper, vielleicht sogar zum ganzen Leben ein.

 

"Rücksichtslos gegenüber meinem Körper"

Der 29-Jährige weiß, dass er seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Ärzte ihm dieses Leben retten mussten. Eine genetische Veranlagung ist aktuell zwar noch nicht auszuschließen, seine gesamte Familie wurde bzw. wird nach dem Vorfall nun ebenso untersucht. Fest steht aber: »Ich war rücksichtslos gegenüber meinem Körper.« Täglich rauchte die Fachkraft für Lagerlogistik eine Packung Zigaretten, »teilweise habe ich mir eine Woche lang nur Essen bestellt«, es wurde viel und kräftig gefeiert. Der Höhepunkt: Vor dem Spiel trank Walter einen Energydrink, in der Halbzeitpause, daran kann er sich nicht mehr erinnern, soll er noch einen Energydrink auf Ex getrunken haben. Ein gesundes Herz gibt bis zu 70 Prozent seines Inhalts in den Kreislauf. Bei Dennis Walter lag die Pumpkraft nur noch bei 18 Prozent.

 

Nehmt mehr Rücksicht auf euren Körper. Ich habe es nicht getan.

Dennis Walter

Walter möchte seinen Fall als »Weckruf für alle« verstanden wissen: »Nehmt mehr Rücksicht auf euren Körper. Ich habe es nicht getan.« Rund einen Monat vor dem Vorfall klagte der Fußballer über Knieschmerzen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es daran lag, dass das Blut nicht mehr richtig floss. »Ich habe während der Zeit in Krankenhaus und Reha gemerkt, dass quasi alles mit allem zusammenhängen kann. Ich habe verstanden, wie komplex der Körper ist.« Früher rauchte Walter »wie ein Verrückter«, seit dem Herzinfarkt wird ihm beim Geruch von Zigaretten schlecht – er hat aufgehört, ohne darauf achten zu müssen.
 

+++ Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile des Streifzug-Jahresrückblicks +++


»Ich habe mein Lebensziel verändert. Ich bin ruhiger geworden. Ich weiß auch, dass man Stress im Berufsleben nicht ausschließen kann. Aber man sollte wirklich versuchen, es zu verringern. Es klingt so einfach, aber es ist so wichtig: Man muss auch mal auf seinen Körper hören.« Körperlich hat Dennis Walter keine Narben behalten. In seinem Gedächtnis aber bleibt der prägende Moment vom 12. November für immer. Er sagt: »Ich kann jetzt zweimal im Jahr Geburtstag feiern.«     Sven Nordmann

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