01. März 2019, 16:33 Uhr

Küchen

Gießener geben Einblick in ihre Küchen

Die Küche ist der Mittelpunkt jedes Haushalts. Dort wird gekocht, gegessen und gelebt. Wir wollen wissen: Wie sehen die Küchen von junger Gießener aus? Wir haben uns in drei Wohnungen umgesehen.
(Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild))

Schuhschrank in der Küche

Laura Jöckel mag es ordentlich und strukturiert. Ihre kleine Küche hat sie deshalb erfinderisch werden lassen. So finden sich dort Möbelstücke, die man eigentlich woanders vermutet. Die Enge ist auch Grund für das ein oder andere Malheur.

In Laura Jöckels kleiner Gießener Wohnung steht ein Schuhschrank in der Küche. Und das, obwohl diese gerade einmal rund fünf Quadratmeter misst. Das mache ihre kleine Küche aus, sagt sie. »Sie ist ein Raumwunder, finde ich. In jeder Ecke steckt irgendetwas, aber alles hat System, alles hat seinen Platz.« Der Schuhschrank hat sogar noch einen weiteren Nutzen: Er dient als zusätzliche Ablage beim Spülen oder Kochen. »Durch die Enge bin ich gezwungen, Ordnung zu halten«, hält Laura fest. Dass sie auf Ordnung steht, belegt auch ihr jüngster Buchkauf: Marie Kondos »Das große Magic Cleaning Buch«. Die Japanerin hilft in ihrer TV-Sendung Amerikanern beim Ausmisten und wird gerade auf Netflix und Instagram für ihre Aufräumtipps gehypt.

Trotz der Enge kocht und backt die Gießenerin sehr gerne. Durch den fehlenden Platz ist ihr aber auch schon das ein oder andere Malheur passiert. »Ich hatte mal ein Plastikschneidebrett zu nah an der Herdplatte liegen lassen. Man sieht heute noch, wo genau«, sagt sie und zeigt auf das Resultat. Wenn man sie danach fragt, was ihr in ihrer Küche fehlt, nennt sie eine Spülmaschine. »Ich hasse Spülen«, sagt sie. Ihre Traumküche wäre groß, hätte ein Fenster, an dem sie Kräuter züchten könnte und eine Kochinsel mit integriertem Dunstabzug nach unten. Die kleine Lüftungsanlage, die sich momentan an der Decke über ihrem Herd befindet, ist nämlich nicht für größere Kochaktionen ausgelegt. »Früher habe ich meine Koch- und Backbücher auf dem Schrank über dem Herd aufbewahrt. Das war keine gute Idee, denn dort hat sich das ganze Fett abgelagert«, erinnert sich die 30-Jährige. 
Niemals verzichten würde sie auf die verschiedenen Gewürze und Öle, die sie in einem kleinen Küchenwagen griffbereit aufbewahrt. 

 

Teemarkt und Lernzentrum

Die Studentinnen Ulrike Sukkau und Yasemin Bretschneider kochen und essen zwar auch in ihrer Wohnküche, viel lieber sitzen sie dort aber bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein zusammen.

Seit fast drei Jahren leben die zwei Studentinnen Ulrike Sukkau (26) und Yasemin Bretschneider (26) zusammen in einer WG im Zentrum von Gießen. Die gemeinschaftliche Wohnküche wurde in dieser Zeit zu mehr als nur dem Ort, an dem gekocht und gegessen wird. »Unsere Küche ist Teemarkt, Lernzentrum, Karaoke- und Weinbar«, sagt Ulrike und lacht. Die beiden treffen sich in ihrer Küche häufiger zum gemeinsamen Lernen und Beisammensitzen als zum Essen. »Im Halbstundentakt wird Tee aufgekocht und abends wird der dann vom Wein abgelöst«, verrät Yasemin und grinst. 

Das am meisten beanspruchte Küchengerät ist darum definitiv der Wasserkocher, wie Ulrike sagt. Dicht gefolgt vom Radio. Auf beides würden sie nie wieder verzichten wollen. Trotzdem: Der absolute Liebling ist die große Küchencouch – superbequem, uralt und durchgesessen. Alles in allem mangelt es den beiden an nichts in ihrer WG-Küche: Spülmaschine, Mikrowelle, Herd, Kühl- und Gefrierschrank, Kaffeemaschine. Alles Nötige ist vorhanden, ein paar Haushaltsgegenstände mehr wären trotzdem nicht schlecht. »Zum Backen fehlen uns noch Utensilien. Eine Rührschüssel, Backformen und ein Handrührgerät wären ganz toll«, erzählt Ulrike. 

Nicht so bescheiden ist dagegen der Traum eines »(W)einbauschranks«: Ein Einbauschrank, der Weine automatisch auf die erforderliche Temperatur bringt. »Falls es das noch nicht gibt, wollen wir aber das Patent darauf«, fügt Ulrike mit einem Augenzwinkern hinzu. Gekocht wird in der Mädels-WG meistens zusammen. »Unsere Kochkünste sind hier auf einfache Dinge konzentriert«, sagt Yasemin. Oft gibt es Salat oder gebratenes Gemüse mit Pasta. »Für mehr Abwechslung pimpen wir mit Nüssen, Gewürzen oder Pesto auf«, ergänzt Ulrike. Das gemeinsame Leben spielt sich ganz offensichtlich hauptsächlich in der Wohnküche ab: »Dort hatten wir auch unsere schönsten WG-Momente und alle Partys finden hier statt«, erzählt Yasemin. Dann wird die Küche zur Tanzfläche, der Esstisch zur Trinkspiel-Zone und die Lieblingscouch zum Ausnüchterungsplatz. Aufgeräumt wird anschließend immer zusammen. Die beiden sind ein so gut eingespieltes Team, dass nicht einmal ein Putzplan nötig wäre. Dreckig oder ekelhaft ist es in der WG darum eigentlich nie. Nur einmal, nach dem der Einbaukühlschrank seinen Geist aufgab, wurde er irgendwie vergessen. »Wir hatten dann schon einen neuen und im alten hat sich Leben entwickelt«, erzählt Ulrike lachend. Bis zur Entsorgung wurde er zur verbotenen Zone erklärt. 

 

Detailverliebt und nachhaltig

In der Küche von Vicki Hammann und ihrem Freund findet sich wenig Plastik, dafür viel Regionales. Nach Jahren in WGs genießen sie es, freie Hand bei der Einrichtung zu haben. Trotz Sparsamkeit fehlt den beiden an diesem Ort nichts – mit kleinen Ausnahmen.

Gewürze in feinsäuberlich handbeschrifteten Gläschen, eine Holzpalette als Regal, kaum Verpackungen: Aus der Küche von Vicki Hammann in der Gießener Innenstadt ist Plastik weitgehend verbannt. Viele Lebensmittel hat sie unverpackt gekauft. Alles hat seinen festen Platz,ist übersichtlich und mit Liebe zum Detail eingerichtet. 

Seit vier Monaten lebt die 27-Jährige mit ihrem Freund in dieser Wohnung, vorher über Jahre stets in WGs. Die Küche nur mit dem Partner statt, wie zuletzt, mit sechs Mitbewohnern zu teilen, birgt Vorteile: »Beim Einkaufen gibt es weniger Diskussionen«, sagt sie. Der Konsum sei unterm Strich leichter zu planen. »Und es ist immer so dreckig oder sauber, wie wir beide es hinterlassen.«

Kochen und Essen als gemeinschaftliches Erlebnis sind ihr aber auch nach dem WG-Auszug wichtig – ein sozialer Akt, der mit anderen einfach mehr Spaß macht. Dazu gehört für die Musikerin akustische Untermalung, ob Folk, Funk oder Klassik: »Beim Kochen finde ich Musikhören wichtig – das passt dazu, wenn man etwas so Meditatives macht.«

Bei den Lebensmitteln schaut Hammann genau hin: Vieles ist regional produziert. Um für solche Einkäufe, zum Beispiel auf dem Wochenmarkt, etwas mehr übrig zu haben, spart das Paar an anderer Stelle. Manchmal kommen auch Lebensmittel vom Containern auf den Tisch oder nicht mehr ganz makellos aussehendes Gemüse aus zweiter Wahl. »Eigentlich ist Nachhaltigkeit der große Punkt«, findet Hammann. Das heißt zwar mitunter, sich zu beschränken, doch den beiden fehlt an diesem Ort nichts: »Wir haben alles, was man braucht – und ein bisschen mehr.« Wunschlos glücklich, ohne Ausnahme? »Ein Balkon wäre schon schön, und frische Kräuterpflanzen fürs Frühjahr. Und vielleicht noch ein Messerschleifer.« Das sollte in dieser Küche alles machbar sein – bis auf den Balkon vielleicht.

 

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