29. März 2018, 15:35 Uhr

Gießener Köpfe 2018

Gießener Köpfe: Torsten Müller aka. Labello im Porträt

Torsten Müller ist in Gießen durch sein unverwechselbares Aussehen bekannt, ebenso wie durch seine Gastauftritte im Tatort. Im Interview zeigt er viel Herz unter der harten Schale.
29. März 2018, 15:35 Uhr
Gießener Köpfe 2018: Torsten Müller aka. Labello (Foto: Schepp)

Gießener Köpfe

Ein Bild. Zwei Themen. Zehn Fragen. Die Gießener Köpfe sind eine Gemeinschaftsproduktion des Streifzug Gießen und der Gießener Allgemeinen Zeitung.

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Tatort-Fans kennen Torsten Müller vielleicht von seiner Gastrolle in der einen oder anderen Episode. Aber Labello, wie ihn seine Freunde nennen, ist auch ein typischer Gießener Kopf. Der 50-Jährige lebt und arbeitet an der Lahn und prägt nicht zuletzt durch sein unverwechselbares Aussehen das Gesicht unserer Heimatstadt. Im Interview spricht er nicht nur über seine toughe Hobbys, sondern zeigt auch richtig viel Herz.

 

TATTOOS UND MOTORRÄDER

Was kam zuerst, ein Tattoo oder ein Motorrad?
Ein Tattoo, und zwar ein Skorpion auf meinem Schulterblatt. Damals gab es in Gießen nur ein einziges Tattoo-Studio, das Dead Rebel am Bahnhof. Dort sind wir mit einer Clique hingegangen und es war irgendwie auch Gruppendynamik. Für den Skorpion habe ich mich entschieden, weil er der Aszendent zu meinem Sternzeichen Schütze ist. Das war mit 22 Jahren – für heutige Verhältnisse war ich ein Spätzünder (lacht).

Was verbindet die beiden Hobbys für Sie miteinander?
Früher war das Tätowieren eine Domäne der Biker. Auch die Tätowierer hatten meist mit der Szene zu tun. Mit den Jungs habe ich meine erste Tattoo Convention besucht und war ab dann dabei, ohne selbst Motorrad zu fahren. Erst viel später, im Jahr 2002, als eine Beziehung zerbrach, habe ich den Schein endlich gemacht – auch, um damit einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Was für ein Motorrad fahren Sie?
Am Anfang bin ich die Honda meiner Nachbarin gefahren. Dann habe ich mir mein erstes Motorrad gekauft, einen Chopper. Jetzt fahre ich ein Harley Davidson Custom Bike, also ein Einzelstück. Das Motorrad wurde nach den Wünschen des Vorbesitzers angefertigt. Fünf Jahre ist die Maschine nur auf Shows gelaufen, bis sie dann erst die Straßenzulassung bekam. Über Umwege ist sie dann bei mir gelandet. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt.

Das war mit 22 Jahren – für heutige Verhältnisse war ich ein Spätzünder

Labello zu seinem ersten Tattoo

Haben Sie ein Lieblings-Tattoo?
Eigentlich nicht. Aber es gibt einige, die mir besonders am Herzen liegen. Dazu gehört der Dolch an meinem Schienbein. Es ist ein ganz besonderes und persönliches Motiv, das mir mein Tätowierer zur Hochzeit geschenkt hat. Darauf sind Symbole für meine Heimatstadt Hamburg, meine Lieblingsmusikrichtung EBM und Piercings. Auch die Namen meiner Kinder sind verewigt. Damals waren sie zwar noch nicht geboren, aber wir haben leere Banderolen gestochen und später die Namen ergänzt. Wichtig ist mir außerdem die Venusmuschel am Hals mit meinem Hochzeitstag.

Tattoos und Motorrad sind ja schon ziemlich toughe Hobbys. Haben Sie auch ein weniger krasses Hobby?
Weiß nicht. Ich mag Filme, habe viele DVDs und gehe gerne ins Kino – allerdings vor allem Horror und Science Fiction, aber auch Zeichentrick- und Fantasyfilme. Ansonsten lese ich sehr viel. Die Krimis von Nele Neuhaus, Sebastian Fitzek oder Jussi Adler-Olsen finde ich zum Beispiel unheimlich gut. Ich mag außerdem die Natur und vor allem das Meer. An den Wochenenden gehe ich mit meiner Familie gern wandern und die Ferien verbringen wir oft an der Nordsee.

 

FAMILIE

Wer gehört zu Ihrer Familie und was bedeutet die für Sie?
Alles. Ich hatte eine schwierige Kindheit und lebte nicht in einer glücklichen Familie im klassischen Sinn. Seitdem ich meine eigene Familie habe, ist sie für mich das höchste Glück. Dazugehören meine Frau, meine beiden Söhne, acht und neun Jahre, und meine Schwiegereltern. Und dann habe ich noch Verwandtschaft in Hamburg, zu der ich guten Kontakt habe. Mehr Familie habe ich nicht mehr.

Manche Leute finden heiraten altmodisch, warum haben Sie sich dafür entschieden?
Vor allem weil ich meine Frau liebe. Dazukommt wahrscheinlich die Sehnsucht nach einer intakten Familie und Geborgenheit. Klar weiß man nicht, was daraus wird. Nur weil man heiratet, bekommt man keine Garantie. Aber ich habe meiner Frau einfach einen Antrag gemacht – und letztes Jahr hatten wir unseren zehnten Hochzeitstag.

Seitdem ich meine eigene Familie habe, ist sie für mich das höchste Glück

Labello

Von welchem Familienmitglied haben Sie am meisten gelernt?
Von meinem Schwiegervater. Er war mein bester Freund schon bevor ich meine Frau kannte. Wir kannten uns durchs Tätowieren und er hat sie mir 1997 auf einer Convention in Hamburg vorgestellt. Damals war sie 14 Jahre alt und ich in einer Beziehung. Erst viele Jahre später kamen wir uns näher. Das war schon ein komisches Gefühl. Er kannte mich ja in- und auswendig mit allen guten und schlechten Seiten. Ihm zu sagen, dass ich mit seiner Tochter zusammen bin, war schon nicht so einfach. Aber er hat cool reagiert. Von ihm habe ich viel über das Leben gelernt.

Was war Ihr schönstes Erlebnis mit der Familie?
Unsere Hochzeitsreise ging 2007 nach Malta. Zu unserem zehnten Hochzeitstag im letzten Jahr sind wir mit unseren Kindern gemeinsam nach Malta gereist. Das Besondere daran: Meine Frau und ich haben uns damals zusammen dasselbe Motiv stechen lassen – und nun, zehn Jahre später, haben wie das wieder getan.

Wie reagieren die Leute bei Elternabenden auf Sie?
Tatsächlich bin ich selbst positiv überrascht über die Eltern aus dem Hort beziehungsweise dem Kindergarten. Viele haben mich einfach so genommen, wie ich bin und hatten keine Vorurteile. (Anmerkung der Redaktion: Zu dem Gespräch in einer Gießener Eckkneipe gesellen sich zwei Väter, die den Interviewten über die Kinder kennen). Dabei falle ich auch als Arbeiter aus der Norm, weil viele der Eltern Akademiker sind. Aber gerade aus diesem Kreis haben sich richtige Freundschaften entwickelt.

Info

Die Serie Gießener Köpfe

Den kenne ich doch irgendwoher?, werden Sie vielleicht über unseren Interviewpartner denken. Gut möglich, denn diese Gießener Köpfe prägen das Stadtbild, die lokale Kulturszene oder die Bildungslandschaft. Unser Fotograf Oliver Schepp hat acht Gießenerinnen und Gießener ins Rampenlicht gerückt. Und die jungen Journalistinnen und Journalisten vom GAZ-Magazin Streifzug haben mit ihnen über zwei oft ganz unterschiedliche Themen geplaudert. Alle Interviews mit großen Portätfotos gibt's in der Streifzug Sonderausgabe April 2018 an allen bekannten Vergabestellen und in unserer Geschäftsstelle in der Marburger Straße 20.

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