21. Dezember 2017, 15:03 Uhr

Streifzug-Jahresrückblick

Der Wolf ist nah

Der Wolf streift wieder durch die Lande. Zweimal ist er im letzten Jahr in der Region auf Raubzug gegangen. Eine Geschichte über Biebertal, Winterfell und jede Menge Drama.
21. Dezember 2017, 15:03 Uhr

Im tiefen Norden der Sieben Königslande herrschen die Wölfe. Sie sind die Wappentiere und Beschützer der Familie Stark in der Fantasy-Saga »Game of Thrones«. Was für eine Szene, wenn Serienheld Jon Schnee mit seinem samtweißen Wolf auftaucht und in die Kälte der Nacht haucht: »Der Winter naht.« Einfach nur Gänsehaut. Fast wie in den Gießener Landen. Dahin ist mittlerweile zumindest der Winter gekommen – und auch ein Wolf. Zweimal wurde der einsame Jäger im letzten Jahr in der Region gesehen. Und wie in einem richtigen TV-Abenteuer gab es einen Kampf um Leben und Tod.

Ein Schrei schallt durch die Landschaft. Eine Gruppe von Radfahrern ist gerade an der Solaranlage bei Erda im Lahn-Dill-Kreis unterwegs. Einer der Männer beobachtet, wie ein großes Tier, ein Beutegreifer, ein Rehkitz packt. Die Ricke versucht noch, ihr Junges zu befreien. Vergeblich. Erst als sich die Sportler bemerkbar machen, lässt der Angreifer von dem Rehkitz ab und verschwindet. Mutter und Jungtier fliehen in Panik vorbei an den Radfahrern ab ins Dickicht. Die Beobachter sind etwa 25 Meter von dem Kampf entfernt und sind sich sicher: Es war ein Wolf. Das war im August.


+++ Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile des Streifzug-Jahresrückblicks +++


Nur wenige Wochen zuvor ereignet sich ein weniger filmreifes, aber dennoch für die Ewigkeit festgehaltenes Zusammentreffen. Im Grünen bei Biebertal erspähen zwei Naturfreunde am 31. Mai ein hundeähnliches, großes Tier. Dieses Exemplar hat erfolgreich Beute gemacht und schleppt sein Opfer im Maul davon. Geistesgegenwärtig zückten sie eine Kamera und drückten ab. Anhand ihres Fotos bestätigt das deutsche Beratungszentrum des Bundes für den Wolf offiziell: Es ist ein Wolf.

Ob es derselbe einsame Wolf war, den die Naturfreunde bei Biebertal und die Radfahrer bei Erda sahen, lässt sich nicht sagen. Aber der Verdacht liegt nahe. Immerhin liegt der Treffpunkt außerhalb von Biebertal am Hof Haina in Richtung Waldgirmes und damit nur rund zehn Kilometer vom Treffpunkt bei Erda entfernt.

Mythos oder Realität?

Ob der Wolf noch durch unsere Wälder schleicht? Bei der hessischen Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch gingen nach dem Fotobeweis aus dem Kreis Gießen jedenfalls jede Menge diffuse Meldungen ein.

»Das ist typisch, wenn ein Wolf in der Region auftaucht. Dann glauben viele, ihn auch gesehen zu haben«, sagt sie. »Wir bekommen im Jahr etwa 150 Meldungen, wovon über 95 Prozent falsch sind.« Erst wenn ein Tier sich mindestens ein halbes Jahr in einem Gebiet aufhält, ist dies wahrscheinlich sein neues Territorium. Ein ortsansässiger Wolf oder gar ein Rudel ist in Hessen nicht bekannt. Nur Einzelgänger sind hier bislang ein- oder durchgewandert.

So reagieren Sie bei einem Rendezvous mit dem Raubtier

  • Keine Panik – ruhig beobachten und den Moment genießen
     
  • Abstand halten – ihm Raum geben, nicht bedrängen
     
  • Haltung bewahren – bei Unsicherheit aufrichten, groß machen
     
  • Kein Dinner – niemals füttern oder versuchen anzulocken
     
  • Lockerer Abgang – langsam und besonnen zurückziehen
     
  • Vehementer Abgang – laut, energisch rufen oder klatschen
     
  • Foto machen und berichten – bei der hessischen Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch unter Tel. 06 41/49 91 31 5 oder Susanne.Jokisch@hlnug.hessen.de

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