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Treffen sich zwei zum Verlieben: Lena (Victoria Schmidt) und Leonce (Artur Molin). Hinten liegend Saskia Boden-Dilling und die Musikband.

Zwischen Lust, Frust und Heiterkeit

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Wenn aus einer erzwungenen Verheiratung eine Liebesehe entsteht und zwei Königskinder aus Popo und Pipi zusammenfinden, dann kann es sich nur um Georg Büchners "Leonce und Lena" handeln. Die Open-Air-Premiere auf der Marburger Schlossparkbühne geizte nicht mit Witz und Slapstick.

Zum Schluss radeln die frisch vermählten Prinz Leonce und Prinzessin Lena auf dem grünen Tandem in die Flitterwochen und eine bessere Zukunft. Das darf man hoffen. Ein Apropos der Inszenierung von Theaterintendantin und Regisseurin Eva Lange an die Jetztzeit. Ob umsatteln reicht?

So ganz symphatisch kommt der neue Regent Leonce (Artur Molin) in der sozialkritischen Komödie "Leonce und Lena" von Georg Büchner nicht daher. Veränderungswille schimmert nirgends durch. Büchner schrieb eine Abrechnung der politischen Verhältnisse vor 200 Jahren - als Komödie. Willkür der Herrschenden, Unterjochung des Volks, Zensur und persönliche Unterdrückung.

Die Herrschenden, im Stück König Peter (wunderbar gespielt von Jürgen Helmut Keuchel), kreisen nur um sich selbst, vergessen das Volk, gefallen sich in Macher- und Denkerpose, und empfinden und produzieren doch nur eines: Langweile.

Da müsste Leonce erst noch zeigen, dass er es anders und besser macht. Angelegt im Stück ist das nicht. Leonce suhlt sich in Langweile, vergnügt sich mit Rosetta und schwadroniert mit Valerio (beide grandios von Mechthild Grabner dargestellt). Derweil will König Peter sich als Regent des Reiches Popo zurückziehen und Leonce mit Lena (Victoria Schmidt) vom Reiche Pipi verheiraten. Beide sind nicht von dieser Verfügung der Elterngeneration begeistert und nehmen Reißaus. Treffen sich zufällig, verlieben sich und werden dann doch am Hofe Popo (Assoziationen zu Pipi und Popo reichen durch die Zeit, damals wie heute) auf groteske Weise vermählt.

Mit dem Open-Air-Sommerspektakel kehrt die Doppelintendanz Eva Lange und Carola Unser auf die Schlossparkbühne zurück, nachdem zuvor auf dem Marktplatz und auf der Lahn gespielt wurde. Das stellt die Regisseurin Lange vor die Herausforderung, die 30 mal 20 Meter messende Bühne zu bespielen. Gar nicht so einfach. Doch gut gelungen - durch Bühnenbild (Gabriela Neubauer), viel Musik durch eine fünfköpfige Combo um Michael Lohmann und tolle szenische Einfälle.

So zieht ein Jürgen Helmut Keuchel eben alle Blicke und Aufmerksamkeit auf sich, wenn er als König einsam und allein im Nachthemd ganz hinten auf der Bühne steht. Und Victoria Schmidt brillierte in der anfangs tumben, eine gefühlte Zehn-Meter-Prinzessinenschleppe ziehenden Lena - wie eine Raupe, die sich später zu einem schönen Schmetterling häutet.

Wieso die resolute Gouvernante (Saskia Boden-Dilling) eine Riesenzigarre über die Bühne trug, bleibt Geheimnis der Inszenierung. Es muss sich auch nicht alles in dieser mit Witz und Slapstick gespickten Inszenierung erschließen.

Ein Gewinn sind auf jeden Fall die beiden als Volksvertreter, Soldaten, Polizisten und Hofleute auftretenden Lisa Grosche und Ben Knop - gewissermaßen das komödiantische Salz in der Suppe.

Herausragend war auch die Musik, von Michael Lohman neu arrangierte, bisweilen zur Stimmung im Stück transponierte Songs aus Rock, Pop und Schlager englischer oder italienischer Couleur. Und ein Glück, dass hier offenbar Artur Molin und Mechthilt Grabner ihre Gesangstalente voll ausspielen können. Allein das lohnt schon den Besuch der Aufführung. Die Plastikbankreihen hätten deutlich mehr Publikum verkraften können.

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