Zweiter Oscar-Triumph: Clint Eastwood (mit Hilary Swank) erhält nach "Erbarmungslos" (1990) für "Million Dollar Baby" 2005 erneut die begehrte Hollywood-Trophäe für den besten Film und die beste Regie. FOTO: DPA
+
Zweiter Oscar-Triumph: Clint Eastwood (mit Hilary Swank) erhält nach "Erbarmungslos" (1990) für "Million Dollar Baby" 2005 erneut die begehrte Hollywood-Trophäe für den besten Film und die beste Regie. FOTO: DPA

Wortkarg, gradlinig, erfolgreich

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
    schließen

Maulfaul, unrasiert, einen Zigarillo kauend und unglaublich schnell mit dem Sechsschüsser: So wurde Clint Eastwood 1964 berühmt. Seitdem hat er zahlreichen Filmen sein markantes Gesicht gegeben oder Regie geführt. Morgen wird das Multitalent 90 Jahre alt - und denkt nicht ans Aufhören.

Sergio Leone holte ihn 1964 zum Dreh nach Spanien. Dabei hätte der ehrgeizige italienische Regisseur lieber Henry Fonda, Charles Bronson oder James Coburn die Hauptrolle in dem Western "Für eine Handvoll Dollar" gegeben. Doch die waren damals (später nicht mehr) unbezahlbar für Leone. 15 000 Dollar musste er für Clint Eastwood auf den Tisch legen. Der junge Schauspieler - vorher Holzfäller, Heizer, Tankwart, Lagerarbeiter und Schwimmlehrer - agierte seit 1959 als einer der Hauptdarsteller der TV-Westernserie "Tausend Meilen Staub/Rawhide".

In Leones "Dollar"-Film kreieren beide einen völlig neuen Westernhelden: abgerissen, in einen schmutzigen Poncho gehüllt und mit struppigem Sechstagebart, ständig einen Zigarrenstummel im Mundwinkel - ein Gesicht "wie eine abgewischte Schiefertafel", wie es ein Kritiker seinerzeit bemerkte.

Die Geburtsstunde des Italo-Westerns ist Eastwoods Start in eine Karriere als A-Schauspieler. Obwohl sich die Produzenten des Films zunächst die Haare raufen über Eastwoods lakonisches Spiel. "In italienischen Filmen spielt man nämlich wie der Teufel, die kommen alle von einer Wahnsinns-Dramaschule. Ich vermute, sie dachten, ich würde gar nicht schauspielern", schmunzelte er einmal in einem Interview.

Aber Leone will genau das und behält recht. Die "Handvoll Dollar" wird zum Publikumsrenner, der Nachfolgefilm "Für ein paar Dollar mehr" (1965) noch erfolgreicher, und der dritte Teil der "Dollar-Trilogie", "Zwei glorreiche Halunken" (1966), avanciert sogar zu einem der erfolgreichsten Western überhaupt. Danach gilt das Verhältnis zwischen Leone und seinem Star als zerrüttet. Erst kurz vor Leones Tod 1989 versöhnen sich die beiden wieder.

Eastwood geht in die Staaten zurück und hat - anders als manche seiner Kollegen, die längere Zeit in Europa filmten - sofort wieder Anschluss an Hollywood: die Westernfilme "Hängt ihn höher" und "Ein Fressen für die Geier" sowie "Coogans großer Bluff" manifestieren seinen Status als vielversprechender Nachwuchsschauspieler. Endgültig als Superstar etabliert er sich dann 1971 mit der Rolle des "Dirty Harry" unter der Regie seines Freundes Don Siegel: Leones Kopfgeldjäger aus den "Dollar"-Filmen hat jetzt eine Polizeimarke und fährt Straßenkreuzer. Weniger schießwütig ist er allerdings nicht.

Die Figur des Harry Callahan polarisiert: Der unerbittliche Kämpfer für Recht und Gesetz biegt sich eben dieses Recht schon mal passend hin oder agiert bei der Verbrechersuche nicht immer gesetzeskonform. Manche Kritiker werfen der Figur faschistoide Züge vor, doch Harry wird zum Kult und erlebt vier weitere Nachfolgefilme.

Aber schauspielern allein reicht Eastwood nicht. Er will auch in den Regiestuhl. Ebenfalls 1971 ist es so weit: Mit "Sadistico" ("Play Misty for me") wird sein Debüt hinter der Kamera gleich zu einem großen Erfolg. Der Psychothriller um verschmähte und beinahe tödliche Liebe ist wie eine Urversion des Michael-Douglas-Glenn-Close-Dramas "Eine verhängnisvolle Affäre".

Fortan kommt man an Eastwood in Hollywood kaum mehr vorbei, zumal er sich mittlerweile mit seiner eigenen Produktionsgesellschaft Malpaso eine große Eigenständigkeit bei der Wahl der Themen erarbeitet hat.

Und er liegt fast immer richtig. Spätwestern, Krimis, Thriller, Kriegs- und Abenteuerfilme, Actionkomödien - selbst die schwächeren Streifen sind immer noch an der Kasse erfolgreich. Oft ist Eastwood in Personalunion Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent. Manchmal schreibt der Jazzfan sogar die Musik.

Differenziertere Charaktere

Auf den Lorbeeren ausruhen ist nicht seine Sache. Seit den 80er Jahren bemüht sich Eastwood auch um eine differenziertere Darstellung seiner Charaktere wie in "Honkytonk Man" (1982), "Die Brücken am Fluss" (1995) oder "Gran Torino" (2008).

Lange dauert es, doch 1990 ist es so weit: Für den Spätwestern "Erbarmungslos" erhält er den Oscar sowohl als Regisseur als auch als Produzent. Ein Erfolg, den er 2005 mit "Million Dollar Baby" wiederholt. Nicht nur beim Publikum hat Eastwood, der als Unterstützer und auch als Kritiker der republikanischen Partei und Donald Trumps gilt, Erfolg. Auch die Kritik würdigt mittlerweile seine einzigartige Karriere als cineastisches Multitalent.

Und der Hollywood-Haudegen denkt auch mit 90 Jahren nicht ans Aufhören: Seine jüngste Regiearbeit, "Der Fall Richard Jewell" kam im Dezember vergangenen Jahres in die US-Kinos und erhielt mehrere Oscar- und Golden-Globe-Nominierungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare