Wie der Wolf sich und uns domestizierte

Wer ist hier eigentlich der Chef? Das fragen sich wahrscheinlich nicht wenige Hundebesitzer - und viele Hunde womöglich auch. Darum geht es aber gar nicht vordringlich in dem Buch des Evolutionsbiologen Josef H. Reichholf. "Der Hund und sein Mensch" ist vielmehr der Titel eines Buches, das mit dem Wort "Wissenschaftskrimi" recht zutreffend beschrieben ist und eine der ältesten Beziehungen der Geschichte durchleuchtet und höchst spannend präsentiert.

Der frühere Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung München lehrte Ökologie und Naturschutz an der TU München und ist als Autor mehrerer Bestseller bekannt ("Rabenschwarze Intelligenz" war sogar Wissenschaftsbuch des Jahres), zuletzt erschien "Das Leben der Eichhörnchen".

Und nun der Hund. In fast zehn Millionen Haushalten in Deutschland gibt es einen oder mehrere. Wie wurde er, was er heute ist? Und wie kam es zu dieser so speziellen Beziehung mit dem Menschen? Eine Frage, der sich schon viele Wissenschaftler gewidmet haben. Reichholf verbindet persönliche Geschichten mit aktueller Forschung zu Biologie und Evolution des Hundes - und stellt die Frage, ob wirklich der Wolf vom Menschen gezähmt wurde oder der Hund sich nicht eher selbst auf die Gemeinschaft mit dem Menschen hin entwickelte. Der Autor begibt sich auf die Suche nach Fakten, entwickelt Thesen, stellt Zusammenhänge her. Sein Fazit: "Tiere sind keine Verhaltensautomaten mit mehr oder weniger Flexibilität, dieses oder jenes (nicht) zu tun." Ein Beitrag, um Hunde und seine Menschen besser zu verstehen. pi

Josef H. Reichholf: Der Hund und sein Mensch. Wie der Wolf sich und uns domestizierte. Verlag Hanser, 221 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-446-26889

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