Wohlwollendes Porträt des Kandidaten

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Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, startete wegen seiner Nähe zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als einer der beiden Favoriten in den Dreikampf um den CDU-Vorsitz. Doch in Umfragen rangierte er meist hinter Ex-CDU-Fraktionschef Friedrich Merz. Inzwischen schiebt sich auch Ex-Umweltminister Norbert Röttgen, anfangs klarer Außenseiter, immer mehr nach vorne. Als gemeinsamer Kanzlerkandidat der Union käme selben bei einem CDU-internen Sieg Laschet auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) infrage, weil er die besten Umfragewerte aller Kandidaten hat. Höchste Zeit also für ein durchaus wohlwollendes Werk über den Mann aus Aachen.

Bereits vor Lektüre der 384 Seiten ist klar, wohin die Reise gehen wird. Der Titel setzt den Ton: »Der Machtmenschliche«. Laschet ist Spitzenpolitiker mit Einfluss, sein Amt verleiht ihm Macht. Er ist aber kein Machtmensch. So wie Konkurrent Friedrich Merz. Oder Helmut Kohl. Die Biografie hält die verschiedensten Umschreibungen für Laschet bereit: Prototyp des Rheinländers, Impulsmensch, Bauchmensch. Für Bodybuilder und Schauspieler Ralf Möller ist der Aachener »ein Typ, mit dem wird man schnell warm«. Sänger Peter Maffay schätzt Laschet als - richtig - Menschen.

Gern haben - dieses Gefühl hegen selbst politische Gegner gegenüber Laschet. Klar, im politischen Alltag wird Laschet auch heftig kritisiert. Doch bislang hat er noch jeden Sturm und jede Niederlage überstanden - selbst die »nachhaltigste Affäre seiner Karriere«. Fünf Jahre liegt es mittlerweile zurück, dass Laschet als Lehrbeauftragter der RWTH Aachen Noten für nie geschriebene Arbeiten verteilte. Doch er überstand die Noten-Affäre - besser als die Universität, deren Ruf unter der Affäre zumindest zeitweise stark gelitten hat. Warum der Rheinländer unbeschadet blieb und so zwei Jahre später Ministerpräsident wurde? »Wenn von vornherein keine übermäßigen Erwartungen an Korrektheit gestellt werden, können sie auch nicht enttäuscht werden«, kommentieren die beiden Biografen Tobias Blasius und Moritz Küpper den Vorgang.

Laschet und die Politik - das sei, so schreiben die beiden Autoren, die seit vielen Jahren als Landeskorrespondenten in Düsseldorf arbeiten, von Anfang an die Geschichte einer vorsichtigen Abwägung. »Eines stetigen Ringens zwischen Kopf und Bauch, Mut und Vorsicht, Individualität und Konformität.« In der Corona-Krise agiert Laschet bis heute so.

Aber reicht das für ganz oben? Laschet war Bundestagsabgeordneter, Europa-Parlamentarier und Deutschlands erster Integrationsminister - parteiintern als »Türken-Armin« verspottet. Seine rheinische Leutseligkeit macht ihn authentisch und sympathisch, aber Beobachter attestieren ihm auch »unprofessionelle Emotionalität« und »sprunghafte Spontaneität«. Die Biografen meinen es gut.

Europäer und Pragmatiker

Das Leben führte Laschet als Student, Journalist und Politiker unter anderem nach München, Bonn, Brüssel und Straßburg. Sein Lebensmittelpunkt blieb aber stets die Heimat Aachen. Familie ist im Hause Laschet das höchste Gut, für den Hochzeitstag der Eltern lässt der Politiker einen CDU-Parteitag sausen. Kann Laschet Kanzler? Aus der Biografie lässt sich mehr ja als nein herauslesen. Denn Laschet scheine - Zitat - »auf den zweiten Blick Stärken der bisherigen großen Unionskanzler in sich zu vereinen. Die Europa-Orientierung und emotionale Bindung zur Partei-Familie eines Helmut Kohl. Den Pragmatismus und die Unverwüstlichkeit einer Angela Merkel.« Laschet in derselben Liga wie Kohl und Merkel? Mensch, wer hätte das gedacht! Alexander Schäfer

Tobias Blasius und Moritz Küpper: Der Machtmenschliche - Armin Laschet. Die Biografie, Klartext Verlag, 384 Seiten, 25 Euro.

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