Wo Mallorca tödlich endet

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Warum nach Mallorca schweifen, wenn der Krimi liegt so nah? Eine pandemisch unbedenkliche und vergnügliche Alternative zum Urlaub auf den Balearen bietet Klaus Späne mit seinem zweiten Mallorca-Krimi »Kap des Todes«. Dabei ist das Vergnügen auf Seiten des Lesers, nicht der Figuren. Ein Toter wird an einer Klippe gefunden, die Inspektor Ribera vor Höhenangst schwindeln lässt.

Auf einer besetzten Finca stirbt ein Hausmeister, einem Mann wird in Palma seine Uhr gestohlen. »Only connect« (»Stelle nur die Verbindung her«) war dem Roman »Howard’s End« von E. M. Forster vorangestellt - und passt auch hier. Erst am überraschenden Ende fügen sich alle Puzzleteile zusammen.

Der Krimi ist immer wieder in Humor getunkt wie ein Croissant in Milchkaffee. Doch er bietet mehr als leichte Unterhaltung. Journalist Späne, der auf Mallorca gelebt hat und dort recherchiert, führt an Orte, die der Tourist nicht sieht - in slumähnliche Viertel oder die Hausbesetzer-Szene. Diese Hintergründe sind real, auch wenn die Fiktion sich mit munterer Erzählfreude darin bewegt. Die Corona-Krise, die das Problem der Hausräumungen verschärft hat, taucht im Buch noch nicht auf. Die Altstadt flirrt vor Leben, Mallorquiner feiern ohne Abstand die Johannisnacht. Diese magischen Momente lässt der Krimi immer wieder funkeln, die Insel trotz mancher Schattenseiten als Sehnsuchtsort erscheinen.

Gleichzeitig schafft Späne aber seinen ganz eigenen Kosmos. Das liegt vor allem an den Figuren, die er mit psychologischem Feingefühl und doch leichter Hand skizziert: etwa den Inspektor, ein melancholischer Einzelgänger, dem eine verklemmte Assistentin, ein sarkastischer Rechtsmediziner und viele schillernde Kollegencharaktere zur Seite stehen. Seit der TV-Serie »Monk« hat kein Ermittlerteam so viel Vergnügen bereitet - und auch diese Krimi-Reihe mit Spannung, Tiefgang und Witz hat Serienpotenzial. Denn nach der letzten Seite des Romans ist es, als wenn der Urlaub zu Ende geht: Man hofft schon auf den nächsten. Pia Rolfs

Klaus Späne Kap des Todes; Emons Verlag Köln, 272 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-740811501.

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