Wie kann man die Demokratie stärken?

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Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise oder Corona-Pandemie - in den letzten Jahren scheint die Welt nur aus einer Aneinanderreihung von Krisen und Problemen zu bestehen. Da kommt ein Buch, das nicht nur Probleme aufzählt, sondern Hoffnung gibt, dass die Herausforderungen der Zukunft lösbar sind, zur rechten Zeit. In »Demokratieverstärker« (Campus-Verlag, 245 Seiten, 22.

95 Euro) präsentieren prominente und weniger bekannte Autoren Ideen, um die Demokratie zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Dabei handelt es sich nicht um Vorschläge, deren Umsetzung, wie oft in der Politik, frühestens 2035 möglich sind, stattdessen müssen sie alle innerhalb eines Jahres umsetzbar sein. Gleichzeitig sollen sie sich aber nicht nur an der Legislaturperiode von vier oder fünf Jahren ausrichten, sondern behandeln langfristige Herausforderungen und berücksichtigen auch die Perspektive künftiger Generationen.

Thematisiert werden die größten gesellschaftlichen Aufgaben, wie zum Beispiel Generationengerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz und Repräsentation.

Das Buch ist, unter anderem durch die kurze Zusammenfassung von Effekt und Umsetzbarkeit nach jeder präsentierten Idee, übersichtlich und klar strukturiert. Durch die unterschiedlichen Autoren, die oft Lösungen für Probleme präsentieren, mit denen sie selber konfrontiert wurden, ist es sehr realitätsnah geschrieben. Außerdem setzt es die Repräsentation, die es fordert, auch selbst um So wird das Kapitel über Generationengerechtigkeit unter anderem von der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, Christiane Finke, geschrieben, die Ideen für die bessere Vereinbarkeit von kommunalem Ehrenamt und Kindererziehung vorstellt. Eltern, die sich auf kommunaler Ebene politisch engagieren, sollten die Kosten für die Kinderbetreuung erstattet bekommen. Dies fordert sie auch aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen mit Geldmangel: »Auch auf meinem Konto sah es überhaupt nicht rosig aus, als ich frisch im Amt war.«

Nicht hilflos

Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie aktuell das Buch ist, ist das Kapitel des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. In diesem fordert er, dass mehr Wissenschaftler Mandate in der Politik haben sollten. Das Ziel dabei ist es: »Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse schneller zu integrieren als bisher.« Egal ob man nun Fan oder Kritiker ist, kann man nicht leugnen, dass Lauterbach als Mediziner während der Pandemie aufgrund seines Expertenwissens gefragt ist.

Ebenfalls eine prominente Stimme aus der Politik ist Marina Weisband, bis 2012 politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Sie fordert Kinder und Jugendliche auf, sich aktiver an der Gestaltung des Schullebens zu beteiligen, damit sie nicht schon in der Schule Hilflosigkeit erlernen. Dies möchte Weisband, die heute bei den Grünen politisch aktiv ist, durch »weniger Lernstandserhebungen (Prüfungen) und mehr Personal« erreichen. Dadurch sind Projekte wie ein Schülerhaushalt und das von ihr geförderte Projekt »aula« möglich. Aula ist eine Onlineplattform, durch die Schüler Ideen äußern und mithilfe von Lehrern umsetzen.

Am Ende lässt das Buch, das von Elisabeth Niejahr und Grzegorz Nocko herausgegeben wird, hoffen, dass wir der unaufhaltsamen Veränderung nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern die Zukunft mitgestalten können. Leonie Lamoth

Elisabeth Niejahr/Grzegorz Nocko (Hrsg.): Demokratieverstärker. Campus-Verlag, 245 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 978-3-593513836.

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