Tauchfahrt des Schreckens: Jürgen Prochnow (r.) in seiner Paraderolle als der "Alte" mit Herbert Grönemeyer (2. v. r.) in "Das Boot". Vor 35 Jahren kam die Langversion des Kinoerfolgs als Dreiteiler ins Fernsehen. FOTO: DPA
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Tauchfahrt des Schreckens: Jürgen Prochnow (r.) in seiner Paraderolle als der "Alte" mit Herbert Grönemeyer (2. v. r.) in "Das Boot". Vor 35 Jahren kam die Langversion des Kinoerfolgs als Dreiteiler ins Fernsehen. FOTO: DPA

Welterfolg im stählernen Sarg

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Einer der teuersten deutschen Nachkriegsfilme. Einer der im Ausland erfolgreichsten. Und einer der umstrittensten. Vor 35 Jahren ging "Das Boot" erstmals im Fernsehen auf Feindfahrt. Und die halbe TV-Nation fieberte mit. Wolfgang Petersens Welterfolg ebnete dem Regisseur den Weg nach Hollywood und beförderte die Karrieren zahlreicher Mitwirkender. Doch im eigenen Land gab es auch viel Kritik an dem Kriegsfilm.

Die Zeit der klassischen Straßenfeger - Krimiverfilmungen à la Durbridge - ist schon einige Jahre vorbei, da fesselt ein Dreiteiler die Fernsehnation vor der Mattscheibe: Am 24. Februar 1985, vor 35 Jahren, feierte "Das Boot" seine Fernsehpremiere im Ersten. Die rund fünf Stunden lange TV-Version von Wolfgang Petersens Verfilmung des Bestsellers von Lothar Günther Buchheim toppt noch einmal die knapp halb so lange Kinoversion, die im September 1981 uraufgeführt worden war.

"Das Boot" lockt aber nicht nur ein Riesenpublikum in die Lichtspielhäuser und vor die Fernsehschirme, sondern sorgt auch für eine kontroverse Diskussion. Die eigentlichen Ursachen des Zweiten Weltkrieges würden nicht thematisiert, stattdessen die Deutschen in einer Opferrolle gezeigt, urteilen viele Kritiker hierzulande vor allem über die Kinofassung. Der Krieg als Action-Abenteuer. Im Ausland allerdings - und vor allem in den USA und Großbritannien als ehemaligen Feindstaaten - findet "The Boat" eine zum Teil enthusiastische Aufnahme.

Die Geburtswehen des Films sind enorm. Im August 1973 erscheint Buchheims Roman, eine autobiografisch gefärbte Schilderung der siebten Feindfahrt von U 96 im Herbst 1941, an der der Autor selbst teilnahm. Schon zwei Wochen später nimmt die Münchener Bavaria Kontakt mit Buchheim wegen einer Verfilmung auf. Es wird in der Folgezeit ein Verhältnis zwischen Hund und Katze. Buchheim, dessen Sechs-Stunden-Drehbuchversion ablehnt wird, wird einer der schärfsten Kritiker des Projekts. Er lässt auch nach Drehortbesuchen kaum ein gutes Haar an der Verfilmung und ist von der mehr auf die Action-Elemente setzende Kinoversion entsetzt.

Erste Wahl: Redford und Newman

Vor allem die Finanzierung des Films, der schließlich 32 Millionen Mark kostete (Wert heute ca. 33 Millionen Euro) stellt ein Problem dar. Im wahrsten Sinne im Boot sind anfangs Abschreibungsgesellschaften und amerikanische Produzenten. Regie soll Western-Veteran John Sturges führen, für die Hauptrolle des "Alten" sind Paul Newman und Robert Redford im Gespräch.

Mit der Übernahme der Leitung der Bavaria-Studios durch Günter Rohrbach entsteht ein neues Finanzierungskonzept, wobei auch die TV-Anstalten WDR und SDR mit an Bord sind. Die Bedingung für die hohe finanzielle Beteiligung von gut zehn Millionen Mark: eine lange TV-Fassung.

Die Dreharbeiten ziehen sich über ein Jahr - von April 1980 bis Juli 1981 - hin und sind von vielen Problemen mit den Bootsattrappen geprägt. Auf dem Bavaria-Gelände wird eine 1:1-Replik des U-Boot-Typs VII C gebaut, die in Einzelteilen zu Dreharbeiten in La Rochelle geschafft und dort wieder zusammengesetzt wird. Außerdem gibt es ein elf Meter langes, tauchfähiges Modell und eine 5,5-Meter-Version sowie weitere Schiffsmodelle für die Kampfszenen.

Neben Petersen ebnet "Das Boot" auch "Kaleu" (Kapitänleutnant) Jürgen Prochnow den Weg nach Hollywood, Herbert Grönemeyers Musikerlaufbahn befördert der Film ebenso wie die Schauspielerkarrieren zahlreicher Mitwirkender wie Uwe Ochsenknecht, Jan Fedder, Heinz Hönig, Martin Semmelrogge oder Otto Sander.

Ein Beteiligter ist nicht zufrieden: Buchheim zerreißt die Kinofassung nach der Premiere am 17. September 1981. Sein Werk sei verhunzt: "Wenn man gesehen hat, wie die U-Boot-Fahrer im Zweiten Weltkrieg elend verreckt sind, kann man kein Fress- und Sauffest machen", wettert er in den "Kieler Nachrichten". Viele Filmkritiker grummeln aus anderen Gründen: "Ein Western unter Wasser" ("Der Spiegel"), "zu schön, zu glatt noch im Untergang, zu pathetisch noch im Tod" ("Der Tagesspiegel", Berlin), "…von dem, was die faschistische Propaganda einmal vertrat, nicht weit entfernt" ("TIP", Berlin). Und die "Frankfurter Rundschau" meint: "So bleibt der Krieg Kino im schlechten, im verfälschten Sinne."

Verspäteter Start beim Oscar-Rennen

Die deutsche Auswahlkommission schickt 1982 nicht "Das Boot" ins Rennen um den Auslands-Oscar sondern "Lilli Marleen" von Rainer Werner Fassbinder. Ein Pyrrhus-Sieg für die Kritiker, denn im Zuge des Starts der englischsprachigen Version nominiert die Akademie in Hollywood 1983 den Film in sechs Kategorien: beste Regie, Kamera, adaptiertes Drehbuch, Schnitt, Ton und Tonschnitt. Auch in Großbritannien kommt vor allem die lange, gegenüber der Kinoversion sehr viel differenziertere Fernsehfassung mit durchschnittlich acht Millionen Zuschauern im Herbst 1984 gut an. Sie zeigt viel stärker die langweiligen Gammeldienste zwischen den Kampfszenen, aber auch die unerträgliche Spannung, die Todesängste der Matrosen im stählernen Sarg und das sinnlose Sterben.

In Deutschland schalten am 24. Februar rund 17,6 Millionen Zuschauer ein. Beim zweiten Teil am 27. Februar sind es schon 20 Millionen, den dritten Teil am 3. März sehen gut 24 Millionen Zuschauer. "Zeit"-Kritiker Fritz J. Raddatz erhebt "Einspruch gegen ein politisch fragwürdiges Heldenepos". Angesichts der von Deutschen verschuldeten Opfer des Zweiten Weltkriegs ziehe der Film "unser Mitleid in die falsche Richtung".

Fritz Janda meint dagegen in der "Abendzeitung" München: "In der fünfstündigen Fernsehfassung werden nun auch wichtige und faszinierende Komponenten des Stoffes präsent, die für die rein auf Action getrimmte Kinofassung der Schere zum Opfer fielen."

Buchheim ist versöhnt: "Den Kinofilm mochte und mag ich nicht ausstehen. Aber jetzt mit dieser Fassung haben wir die eigentliche Arbeit gesehen und ich gestehe: I’m really moved!" Und sein ehemaliger U 96-Kommandant, Heinrich Lehmann-Willenbrock meint: "So war das wirklich. Menschenskind, habe ich gedacht, das ist wie gestern… Die Angst, die wir da unten hatten, die hat Wolfgang Petersen authentisch getroffen."

Die Ordner auf dem Rechner quellen über. Mit ungelesenen Mails, längst vergessenen Dateien und Urlaubsfotos, die sich noch keiner angeschaut hat. Aber Löschen kommt nicht infrage. Die Nachrichten könnten doch wichtig sein, die Bilder eine schöne Erinnerung. "Das ist ähnlich wie bei einem unaufgeräumten Dachboden. Das belastet einen, aber niemand wirft was weg", sagt Ute Schmid und zuckt mit den Schultern.

Die Professorin für Angewandte Informatik und Kognitive Systeme an der Universität Bamberg kennt das nur zu gut. Auch auf ihrem Rechner schlummern einige Dateileichen, gesteht die 54-Jährige. Dabei ist Vergessen und Löschen wichtig, besonders im Arbeitsalltag. "Zu viele Infos behindern uns nur", sagt Schmid. Arbeitsabläufe seien weniger effizient, das Lösen von Problemen falle schwerer. Ganz zu schweigen von der Suche nach wirklich wichtigen Informationen.

Ein Forschungsteam rund um Ute Schmid möchte dem sogenannten Desktop-Messie deshalb Hilfe anbieten. Sie entwickeln ein System, das dem Menschen beim Löschen und Vergessen helfen soll - intentionales, also gezieltes Vergessen als Gemeinschaftsaufgabe von Mensch und Künstlicher Intelligenz. "Dare2Del" heißt das Projekt, was so viel bedeuten soll wie "Wage es, zu löschen". Denn für manche ist es tatsächlich ein Wagnis, Dateien zu löschen.

"Digitales Horten" heißt das Störungsbild, das noch kaum erforscht ist. Etwa vier Prozent der Bevölkerung weltweit würden zwanghaft horten, sagt Psychologe Jörg Wolstein von der Universität Bamberg. Wie viele aber neben ihrer Wohnung auch den PC zumüllen, wisse niemand so genau. Denn dank Suchfunktionen und Cloud-Speicher bliebe die Krankheit lange geheim. Betroffene sammeln zwanghaft Dokumente auf ihrem Rechner, sortieren stundenlang Musiktitel und horten externe Festplatten. "Löschen macht ihnen Angst", erklärt Wolstein. Eine innere Blockade hindere sie daran. "Sie fürchten, sonst etwas zu vergessen oder die Kontrolle zu verlieren."

Die Forschung von Ute Schmid könnte helfen, das es erst gar nicht so weit kommt. "Davon können vor allem unstrukturierte Menschen profitieren, die nicht so organisiert sind", sagt die 54-Jährige. Dabei solle nichts heimlich verschwinden, denn gerade transparentes und nachvollziehbares Löschen sei wichtig. Nur wenn Personen sich bewusst mit der Entscheidung auseinandersetzen würden, könnten Arbeitsleistung und Beanspruchung positiv beeinflusst werden.

So schlägt "Dare2Del" dem Nutzer beim Schließen eines Programms fünf Dateien vor, die er löschen könnte. Wer auf eine der Dateien klickt, bekommt den zugehörigen Ordner angezeigt. Das System liefert dann auch noch eine Begründung, warum das Dokument getrost in den Papierkorb wandern kann. Weil es zum Beispiel schon eine Kopie in einem anderen Ordner gibt oder es sich um eine veraltete Version handelt. dpa

Berlin bekommt eine neue "Tatort"-Kommissarin: Corinna Harfouch (65) soll in zwei Jahren Meret Becker (51) ablösen, die bislang die Rolle der Nina Rubin spielt. Das teilte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) am Mittwoch mit.

Becker wird den rbb-"Tatort" im Frühjahr 2022 nach ihrem 15. Fall verlassen. Sie wolle sich "anderen künstlerischen Aufgaben widmen und auf Neues konzentrieren", teilte der Sender mit. Mit Mark Waschke ermittelt sie bis dahin noch in vier Fällen. dpa

Schauspieler Jan Fedder war das Aushängeschild der Vorabendserie "Großstadtrevier" im Ersten: Als Polizist Dirk Matthies sorgte er 28 Jahre lang für Recht und Ordnung auf dem Kiez. Am 30. Dezember 2019 war er verstorben. Wie die ARD nun mitteilte, soll Dirk Matthies noch in der laufenden 33. Staffel ausscheiden. Die neuen Szenen werden in die Folge 452 mit dem Titel "Absolute Anfänger" integriert, die am 4. Mai ausgestrahlt werden soll. dpa

Schauspieler Bjarne Mädel steht bald erstmals als Regisseur hinter der Kamera. Er dreht in Niedersachsen noch bis 20. März den Fernsehfilm "Sörensen hat Angst". Der 51-Jährige übernimmt auch gleich die Hauptrolle des Kriminalkommissars Sörensen, wie der Norddeutsche Rundfunk mitteilte. Mädel ist gut im Stoff - er hat die Rolle vor zwei Jahren schon in einem Hörspiel von Deutschlandfunk-Kultur gesprochen. dpa

Es gibt keinen Grund, E-Book-Reader der Einstiegsklasse kritisch zu beäugen - im Gegenteil. Selbst bei den günstigeren Lesegeräten müssen Käufer nicht mehr auf Komfort verzichten, berichtet die "Computer Bild", die ein halbes Dutzend Reader zwischen 80 bis 120 Euro getestet hat (Ausgabe 5/20). Inzwischen gehörten auch Ausstattungsmerkmale wie ein Touchscreen, meist stufenlos einstellbare Hintergrundbeleuchtung sowie ein scharfes und kontraststarkes E-Ink-Carta-Display zur Standardausstattung von Readern. Zudem gebe es an der Verarbeitung der Einstiegsmodelle nichts auszusetzen.

Fehlkäufe sind den Testern zufolge praktisch ausgeschlossen. Denn während die beiden Testsieger sich mit einem "Gut" (Note 2,4) den ersten Platz teilten, schnitten alle anderen Geräte mit den Noten 2,5 oder 2,6, was jeweils einem "Befriedigend" entspricht, kaum schlechter ab. dpa

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