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Phileas Fogg (Henning Bormann, r.) mit seinem Diener Jean Passepartout (Hartmut Jonas).

Waghalsige Weltreise

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Bei der Inszenierung des Schauspiels "In 80 Tagen um die Welt" nach Jules Verne im Wetzlarer Rosengärtchen gefällt die klare Bühnengestaltung, für die Marie Labsch verantwortlich zeichnet: Ein verschachteltes, labyrinthartiges Holzgerüst samt dementsprechender Bodenmarkierung unterstreicht das kühne Vorhaben des englischen Gentlemans Phileas Fogg (Henning Bormann) und seines französischen Dieners Jean Passepartout (Hartmut Jonas), als sie sich auf Weltreise begeben, immer wieder vom rechten Weg abzukommen drohen.

Die sehr gut besuchte Aufführung des Landestheaters Detmold zur Eröffnung des Hauptprogramms der Wetzlarer Festspiele wurde mit kräftigem Beifall bedacht. Basierend auf der Schauspielfassung von Soeren Voima des 1873 erschienenen Romans, verknüpft Regisseur Ingo Putz stimmig Elemente verschiedener Epochen. So symbolisiert ein Radio, das Fogg stets mit sich führt, in die Zukunft weisende technische Errungenschaften. Solide vorgetragene, für Auflockerung sorgende Popsong-Intermezzi spannen den Bogen in die 1980er Jahre.

Wie pedantisch Protagonist Fogg veranlagt ist, zeigt sich schon zu Beginn, wenn er zur musikalischen Berieselung mit Stoppuhr seine Morgengymnastik macht. Henning Bormann bringt die Nüchternheit des peniblen Mannes virtuos zur Geltung. Von ganz anderer Art der naiv-verträumte Diener Passepartout. Als der sich bei ihm vorstellt, wünscht er sich eine ruhige Tätigkeit, wird indes sogleich von der Realität eingeholt: Fogg schließt mit seiner Kartenspielrunde im Londoner Club eine Wette ab um 20 000 Pfund, will mit Passepartout die Erde in 80 Tagen umrunden. An ihre Fersen heftet sich Detektiv Fix, der in Fogg einen vermeintlichen Bankräuber erkennt. Markant verleiht Heiner Junghans dem Detektiv selbstverliebte, überhebliche Züge.

Die Reise führt zunächst von Brindisi über den Suez-Kanal nach Bombay. Besonders amüsieren bizarre Momente - voller Selbstverständlichkeit widmet sich das Ensemble etwa einem orientalischen Tanz zu westlicher Popmusik. Heikel wird es, als Passepartout in Indien einen Tempel entweiht. Der durchtriebene Richter (köstlich: Kerstin Klinder) lässt die Gruppe gegen Kaution wieder frei. Unterwegs bewahrt Passepartout die Sati-Witwe Aouda, die mit der Leiche ihres Mannes verbrannt werden soll, vor dem Tod. Jorida Sorra betont die Emanzipiertheit der cleveren Frau.

Im Ganzen kennzeichnet die Aufführung fast überbordender Ideenreichtum. Angesichts mancher Längen würde eine textliche Straffung wie Streichung einzelner Songbeiträge nicht schaden. Trotz kleiner Abstriche überzeugt das Stück über weite Strecken. Das turbulente Abenteuer gipfelt in einer waghalsigen Segelfahrt. Schmunzeln bereitet eine schräge, ans Varieté erinnernde Wanderzirkustruppe. Sascha Jouini

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