Verschwörung, Abgesang und pralle Biografie

In die Welt von internationalen Finanztransaktionen, Globalisierung und Digitalisierung führt der Thriller »Die Mächtigen« von Lucas Fassnacht. Im Mittelpunkt steht ein neuartiges Computersystem, mit dessen Hilfe sämtliche internationalen Finanzbewegungen ausgeführt werden sollen. Wer dieses System kontrolliert, besitzt enorme Macht. Entsprechend heftig sind auch die Kämpfe um das Projekt.

Ein Konzernchef stürzt unter merkwürdigen Umständen vom Dach, und als seine Witwe Fragen stellt, merkt sie bald, dass viele düstere Geheimnisse das Projekt umgeben. Auch die Programmierer kennen nur Teile des Programms und werden offenbar gegeneinander ausgespielt. Als einer von ihnen sich absetzt, findet er eine Killerin auf sich angesetzt. Weitere gefährliche Figuren kommen hinzu, sodass es ständig wechselnde Koalitionen gibt. Lucas Fassnacht ist es in »Die Mächtigen« gelungen, komplexe Wirtschaftsthemen in einem spannenden Thriller darzustellen, der Unterhaltung und Ernsthaftigkeit verbindet.

Persiflage auf das alternde Europa

Bad Regina hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen. Der einstmals glamouröse Alpenkurort ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Ganze 46 Einwohner verlieren sich in der Ruinenkulisse und trauern vergangener Größe nach. Ehemalige Luxushotels, Edelrestaurants und sogar der berühmteste Club der Alpen haben dichtgemacht. Ein mysteriöser Chinese namens Chen will alles übernehmen. Als der Immobilientycoon auch noch das Schloss des alten Grafengeschlechts aufkaufen will, formiert sich tatsächlich Widerstand im Ort.

Der österreichische Autor und Regisseur David Schalko hat eine bitterböse Persiflage auf das alternde Europa geschrieben, das kurz vor der Übernahme durch die Chinesen steht. Offenbar inspiriert von dem vergangenen Charme des einstigen Weltkurorts Bad Gastein, lässt er seine gefallenen Helden vor einer morbiden Kulisse agieren.

Doch sein handlungsarmer langatmiger Text bleibt in einer Endlosspirale der Trostlosigkeit gefangen und der Leser gleich mit. Aber die Botschaft ist klar.

Im Schatten eines Diktators

Er war ein treuer Wegbegleiter des großen Feldherrn Napoleon: Joachim Murat (1767-1815), Sohn eines einfachen Gastwirtes, machte Karriere in der französischen Armee, war maßgeblich an allen großen Schlachten von Austerlitz bis Leipzig beteiligt, heiratete Napoleons jüngere Schwester Caroline und wurde 1808 zum König von Neapel ernannt. Von diesem prallen Leben im Schatten eines egomanischen Diktators erzählt der französische Autor François Garde in seinem neuen Roman »Der gefangene König«.

Dabei orientiert sich diese fast dokumentarisch wirkende Lebensgeschichte ganz an den geschichtlichen Fakten. Detailverliebt werden Uniformen, Ballkleider oder militärische Operationen der Zeit beschrieben. Garde präsentiert seinen Protagonisten als rebellischen Underdog und Frauenhelden, der bis zu seinem Ende den eigenen soldatischen Tugenden treu geblieben ist. dpa

Lucas Fassnacht: Die Mächtigen. Blanvalet Verlag, München, 664 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-7645-0723-7 / François Garde: Der gefangene König, C.H. Beck Verlag, 335 Seiten, 23 Euro, ISBN 978-3-406-76665-7 / David Schalko: Bad Regina, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 400 Seiten, 24 Euro ISBN 978-3-462-05330-2

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