Nach einer Durststrecke ist Marla Glen jetzt mit einem ähnlichen Stilmix der 90er auf Soul- und Blues-Basis zurück. Ihr neues Album "Unexpected" kam gestern heraus. FOTO: JAN KOHLRUSCH/DPA
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Nach einer Durststrecke ist Marla Glen jetzt mit einem ähnlichen Stilmix der 90er auf Soul- und Blues-Basis zurück. Ihr neues Album "Unexpected" kam gestern heraus. FOTO: JAN KOHLRUSCH/DPA

"Tatort"

Unerwartet, hochwillkommen

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Ihre dunkle Raspelstimme und maskulinen Outfits unterschieden Marla Glen in den 90ern von allen anderen Popsängerinnen. Nach einer Durststrecke ist sie jetzt mit einem ähnlichen Stilmix auf Soul- und Blues-Basis zurück. Und sie hat nichts verlernt.

Ihr erster großer Auftritt vor 27 Jahren, zu den Boom-Zeiten von Grunge- und Alternative-Rock, war eine Sensation. Das Album "This Is Marla Glen" katapultierte Blues, Jazz, Reggae und Soul in den Pop-Mainstream: authentische Lieder, gesungen, gekrächzt, durchlitten von einer schwarzen US-Amerikanerin mit Herrenanzug, Zigarre, Hut oder Ballonmütze. Auch auf der Bühne war die körperlich kleine, stimmlich große Glen eine Urgewalt.

Die herausragende Platte und auch der Nachfolger "Love And Respect" (1995) landeten in den Top Ten der deutschen Albumcharts, es gab Gold- und Platinauszeichnungen. Dann wurde es stiller um die einem exzessiven Lebenswandel nicht abgeneigte Musikerin.

Was aber stets in Erinnerung blieb: Glen war in den 90er Jahren eine der damals noch nicht ganz so zahlreichen Künstlerinnen, die ihre Homosexualität offen thematisierten. 2004 ging sie im vergleichsweise liberalen Deutschland eine Lebenspartnerschaft mit einer anderen Frau ein.

Nun kehrt Marla Glen, seit dem 3. Januar runde 60, nach längerer Pause mit einer neuen Platte zurück - und hat nichts verlernt, im Gegenteil. Das zu Recht so benannte, weil ziemlich unerwartete Comebackalbum "Unexpected" liefert die typische Mixtur der Sängerin aus Chicago - erweitert um Afropop ("Who’s The Blame"), Funk ("Prove All Your Lovin’"), Disco ("Groove That Thang"), sogar Hardrock ("What Time Is It Till Love") und Country-Folk ("Smoking Joking Laughing").

Ihre zärtliche Seite offenbart Glen mit der streichergesäumten Gospel-Ballade "Forever And Ever" am Schluss. Ein stilistisch sehr vielseitiges und durchweg überzeugendes Werk also. Vor allem ist Glens Gesang noch rauer und herber geworden. Die Verlebtheit dieser kraftvoll-leidenschaftlichen Stimme ist - ähnlich wie bei ihrem Vorbild Nina Simone, aber auch bei vergleichbaren männlichen Kollegen wie Joe Cocker oder Tom Waits - der größte Reiz von "Unexpected".

"Ich brauche meine Stimme nicht zu trainieren", sagte Glen kürzlich in einem Zeitungsinterview. "Sie ist, wie sie ist. Ab und an gurgle ich mit Whiskey. Damit halte ich die Sache am Laufen." Dass sie sich nicht nur als Blues-Interpretin sieht, obwohl sie eine klassische Blues-Stimme hat, begründete sie so: "Das wäre mir zu langweilig. Meine Stimme benötigt Raum für all die wundervolle Musik, die es auf dieser Welt gibt."

Und was ihr markant-männliches Äußeres betrifft - sie sehe halt weiterhin "an manchen Tagen wie ein gefährlicher Vorstadt-Zuhälter" aus, mache sich ansonsten aber "nie Gedanken über mein Image".

Mit 60 Jahren scheint Marla Glen bereit zu sein für einen neuen kreativen Aufbruch nach all den Höhen und Tiefen ihrer Karriere. Dazu gehören auch eine Reihe von Konzertterminen - laut Webseite der Musikerin beginnend am 29. Mai in der Homosexuellen-Hochburg Köln, wo neben der nach wie vor fantastischen Stimme auch ihre androgyne Erscheinung für Begeisterung sorgen dürfte. Foto: www.m-pm.de/dpa

Trister geht es nimmer, auch in der Hauptstadt Berlin, die in TV-Produktionen gerne mal von ihren grauen Seiten gezeigt wird: Ein Parkplatz im Südhafen ist der Schauplatz für den ZDF-Dauerermittler Otto Garber, gespielt von Florian Martens (61), der in seinem 81. Fall nach dem Start der Reihe "Ein starkes Team" 1994 einen strangulierten Toten auf jenem Parkplatz zu Gesicht bekommt.

Auch in dieser Geschichte mit dem Titel "Parkplatz bitte sauber halten" (Regie: Maris Pfeiffer, Buch: Axel Hildebrand), die das ZDF heute (1. Februar, 20.15 Uhr) serviert, wird deutlich: Ottos Stimme wird immer rauer und sein Gewicht nicht gerade weniger.

Parkplätze dienen in der Tat nicht nur zum Parken, sie sind auch Treffpunkte. Und so kommt es auf einigen von ihnen immer wieder zu knisternden Sex-Treffen, einer Art Swinger-Club-Kultur im Freien, bei der fast jeder Facette von Lust und Liebe ein Türchen geöffnet wird, das der Feinschmecker zu Hause nicht geboten bekommt. Auch Beobachter, im Volksmund Spanner genannt, sind gerne mal dabei.

Einer von ihnen, ausgerechnet Professor Thalhammer (Matthias Deutelmoser) von einer Berliner Uni, wird am nächsten Morgen tot auf dem Parkplatz am Südhafen gefunden.

Schnell stellt sich für Otto, Kollegin Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) und dem dritten im Bunde, Kommissar Sebastian Klöckner (Matthi Faust), heraus, dass Thalhammers Ex-Frau Susanne (Annika Blendl) und ihr neuer Mann Benno (Marc Ben Puch) auch beim Frischluft-Partnertausch mit von der Partie waren. Hatte sie ein Motiv, ihren Ex ganz loszuwerden? Oder der Neue, der den alten aus der Welt schaffen wollte?

Bei den Recherchen in Thalhammers Umfeld stellt sich heraus, dass der feine Herr Professor die Studentin Ely (Lara Mandoki) bereits belästigte und fotografierte, aber nie dafür bestraft wurde. Steckt die junge Frau vielleicht hinter der Tat?

Polizeirat Reddemann (Arnfried Lerche) fordert von seinen Mitarbeitern äußerste Diskretion, denn bei Thalhammer handele es sich um einen unbescholtenen Bürger. Daher müssten die Ermittlungen mit entsprechender Sensibilität geführt werden - der typische TV-Krimi-Vorgesetzte, der seine Leute beim Arbeiten eher behindert als motiviert und dann selber noch linkische Versuche der Aufklärung übernimmt.

Lustig sind die Reibereien zwischen dem älteren Garber und dem jüngeren Klöckner, der Garber vorwirft, seine Generation sei jenseits der Missionarstellung äußerst verspannt. Garber kontert, er habe im Osten Deutschlands schon FKK betrieben, als Klöckner noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gerannt sei.

Und wer darf nicht fehlen, wenn Garber und Wachow einen Mord am Hals haben? Sputnik! Der ehemalige Volkspolizist (Jaecki Schwarz) gibt mal wieder in einer seiner ständig wechselnden Nebenrollen Gas und verkauft im Polizeipräsidium mit mobilem Stand eine fürchterliche Kaffeeplörre und für fünf Euro das Stück Pfefferspray.

Indirekt bringt Sputnik damit Schwung in die Mördersuche, denn Linett Wachow schenkt das Spray einer Swinger-Teilnehmerin, die das einsetzt, als sie auf dem nächtlichen Parkplatz von einem Maskierten angegriffen wird. Ist das der Mann, den Garber und Wachow suchen?

"Ein starkes Team" ist im krimiorientierten TV-Deutschland nach wie vor einer der Garanten dafür, dass das gute alte analoge Fernsehen nicht kleinzukriegen ist. Die 80. Ausgabe am 4. Januar ("Abgetaucht") schalteten immerhin gut sieben Millionen ein - auch die drei 2019 ausgestrahlten Krimis übersprangen mit durchschnittlich gut 7,3 Millionen locker die Sieben-Millionen-Marke.

Ein Ende ist natürlich nicht absehbar, denn mit den Fällen "Organspende" und "Scharfe Schnitte" (beides Arbeitstitel) sind zwei weitere Geschichten bereits fest eingeplant. dpa

Der neue Fall für die Dortmunder "Tatort"-Ermittler um die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) führt in Abgründe - und ist dabei von beklemmender, weil zeitloser Aktualität.

Im ARD-Sonntagabendkrimi mit dem treffenden Titel "Monster" (20.15 Uhr) geht es um sexuelle Gewalt gegen Kinder. Und es geht darum, was es aus Kinderseelen macht, in einem organisierten Netz als Sexobjekt gehandelt und getauscht zu werden. Ein harter Stoff, der Figuren und Zuschauern einiges abverlangt. Das gilt einmal mehr für den Grenzgänger Peter Faber, dem ein schmerzhaftes Wiedersehen mit seinem Erzfeind Markus Graf (Florian Bartholomäi) bevorsteht.

In der Kellerbar eines unscheinbaren Wohnhauses kauert eine blutverschmierte junge Frau neben einer Männerleiche. Die Klinge noch in der Hand, will sie sich nur ergeben, wenn sie mit Kommissar Faber sprechen kann. Zeitgleich erhält der am Tatort eingetroffene junge Teamkollege Jan Pawlak (Rick Okon) einen bedrohlichen Anruf von Zuhause: Seine kleine Tochter Mia scheint in großer Not. Er eilt zu Frau und Kind und muss feststellen, dass die Kleine verschwunden ist. Schnell wird klar: Die Vorfälle gehören zusammen. Der Drahtzieher ist offenbar ausgerechnet Fabers ewiger Widersacher Markus Graf.

Den Mädchenmörder und kaltblütigen wie intelligenten Bösewicht kennen Zuschauer der Dortmunder "Tatort"-Reihe bereits - ebenso das teuflische Spiel, das er mit Faber spielt: Graf fordert Fabers Leben gegen das des Mädchens.

Tatsächlich hätte es des sich wiederholenden Kräftemessens zwischen den beiden nicht bedurft, um dem Fall Relevanz und Spannung zu verleihen. Da ist die ambivalente Figur des Racheengels Evelyn Kohnai - düster, unnahbar und glaubwürdig gespielt von Luisa-Céline Gaffron.

Einer der wohl wichtigsten Sätze fällt am Schluss: "Sie versuchen, wie alle anderen, zu verdrängen, dass es sowas tatsächlich gibt", sagt Kohnai zu Faber. Der Film sieht hin, ohne je voyeuristisch zu sein. Gerade in seinen bloßen Andeutungen der Brutalität und des Leids der Kinder entfaltet er bedrückende Wucht. dpa

Die Abenteuerserie "Das Boot" startet im April in die zweite Staffel. Die acht neuen Episoden werden ab dem 24. April auf dem Bezahlsender Sky 1 HD in Doppelfolgen ausgestrahlt und können auch gestreamt werden, wie der Sender am vergangenen Donnerstag mitteilte.

Die Geschichte beginnt dieses Mal im Dezember 1942. U-Boot-Kommandant Johannes von Reinhartz (Clemens Schick) soll Saboteure an die Ostküste der USA bringen. Doch seine Loyalität wird angezweifelt und eine U-Boot-Besatzung unter Korvettenkapitän Wrangel (Stefan Konarske) verfolgt ihn, wie es vom Sender hieß. Die erste Staffel startete im Herbst 2018 bei Sky und erhielt mehrere Auszeichnungen. dpa

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