Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr am Fundort von Emils Fahrrad. FOTO: HENDRIK HEIDEN/BR
+
Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr am Fundort von Emils Fahrrad. FOTO: HENDRIK HEIDEN/BR

Der tote Bub aus der Isar

  • vonDPA
    schließen

Applaus, Applaus! Das gemeinschaftliche Klatschen nach einer gelungenen Darbietung ist hierzulande ein festes Ritual. Ohne Publikum im Studio muss so manche Fernsehsendung aber in die Trickkiste greifen. Was steckt hinter unserem Bedürfnis nach Beifall?

München- Es ist der Horror aller Eltern: Das Bett im Kinderzimmer ist plötzlich leer. Mit diesem Albtraum beginnt der neue "Tatort" aus München (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD). Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) müssen herausfinden, wer Emil (Ben Lehmann) getötet und in die Isar geworfen hat. Die Antwort ist ziemlich erschütternd.

Während ihr Mann noch sagt, der Junge sei bestimmt schon zur Schule gefahren - oder bei einem Freund, schleicht Emils Mutter Judith (stark: Laura Tonke) längst ein mulmiges Gefühl in die Knochen. Warum hat ihr Mann nicht mehr nachgeschaut, ob Emil wirklich im Bett liegt, als die beiden nachts von Freunden nach Hause kamen? Warum hat ihr Sohn seine Sporttasche nicht mit in die Schule genommen, obwohl er Sportunterricht hat? Wo ist Emil? Die traurige Antwort bringen Leitmayr und Batic. Der Beginn der neuen Episode mit dem Titel "Lass den Mond am Himmel stehen" erinnert streckenweise stark an den britischen Serienerfolg "Broadchurch". Auch dort ist es die Mutter, der nach und nach immer mehr Ungereimtheiten wie das nicht mitgenommene Pausenbrot auffallen und von der darum zunehmend die Panik Besitz ergreift. Wie die Erkenntnis, dass etwas Furchtbares geschehen ist, langsam einsinkt, ist nicht die letzte Parallele.

Wie auch in "Broadchurch" gelingt es den Machern dieses "Tatorts" um Regisseur Christopher Schier, jeden verdächtig erscheinen zu lassen: Der Stiefvater (Lenn Kudrjawizki), der nicht nach dem Stiefsohn sah, atmet so seltsam durch, als er vom Auto zum Haus geht. Emils bester Freund Basti (Tim Offerhaus), der von Emil genervt war, ist so verschlossen und schnappt sich dessen teuren Fernseher, als die trauernde Mutter ihm anbietet, er solle sich doch als Andenken an seinen besten Freund etwas aus Emils Zimmer nehmen.

Und was ist mit Bastis Eltern? Warum können sie der trauernden Judith nicht in die Augen sehen? Und welche Rolle spielt ihre gerade 18 Jahre alt gewordene Tochter Hannah (Lea Zoe Voss)? Was ist auf diesem Parkplatz passiert, einem bekannten Sextreff, auf dem Emils Fahrrad gefunden wurde? Und welche Rolle spielt die Schule, in der es, wie der erklärte Schulhasser Batic bemerkt, immer riecht nach "Angst, Schweiß und Liebeskummer"?

Heftige Konfliktlinien in den beiden befreundeten Familien werden immer wieder angedeutet, ohne komplett auserzählt zu werden. Dafür fehlt bei einem 90-Minüter dann wohl - im Vergleich zur Serie - einfach die Zeit. Aber dass man gerne noch mehr gesehen hätte, ist ja auch nicht das Schlechteste, was man über einen Münchner "Tatort" sagen kann. dpa

Wenn es dieser Tage im Fernsehen klatscht, ist es zwar oft Beifall - doch der Applaus kommt meist aus der Konserve. Weil die Corona-Auflagen Studiopublikum verbieten, müssen die paar Anwesenden selbst die Hände schwingen. Oder aber der Applaus wird eingespielt.

Bei der RTL-Tanzshow "Let’s Dance" etwa wurden so sogar Hebefiguren während eines Tanzes bejubelt. ProSieben ließ Heidi Klums "Topmodels" digital beklatschen. Und für die Geisterspiele der Fußball-Bundesliga bietet Sky sogar verschiedene "Sound-Optionen": neben dem Original eine alternative Tonspur mit eingespielter Stadionatmosphäre.

"So wird suggeriert, dass Live-Publikum da ist. Das sind aber alles schlechte Kompromisse", sagt Musikwissenschaftlerin Jutta Toelle von der Gustav-Mahler-Privatuniversität für Musik in Klagenfurt am Wörthersee. Entweder stutze der Zuschauer, weil er weiß, dass im Saal eigentlich nicht groß jemand applaudieren kann. Oder die Sender verzichten auf die Publikumsreaktionen - dann aber fehle etwas.

Eine starke soziale Norm

So kommen viele Talkshows inzwischen ohne Lacher und Zwischenapplaus aus. Beim Eurovision-Song-Contest-Ersatz im Ersten fiel auf, dass nach den Beiträgen kein euphorischer Applaus aufbrandete. Stattdessen verharrten Künstler sekundenlang in Stille in ihrer Schlusspose. Die großen deutschen TV-Sender geben unisono an, dass von Format zu Format entschieden werde, ob Alibi-Applaus eingespielt wird.

Manche thematisieren das auch ganz direkt, etwa in der ZDF-Show zu Thomas Gottschalks 70. Geburtstag. Komikerin Carolin Kebekus wiede-rum sagte zur Premiere ihrer neuen Sendung im Ersten: "Wenn ich hier stehe und rede, ist es einfach scheiße, wenn es keine Reaktion gibt." Ein Beitrag zeigte zwei Ton-Macher, wie sie mit allerhand Equipment versuchen, Applaus zu imitieren. Und die "heute-show" blendet Applaus-Szenen unterschiedlichster Sendungen und Veranstaltungen ein wie "Musik ist Trumpf" von anno dazumal, einen klatschenden Seelöwen aus einem "Wunschkonzert der Volksmusik" oder einen Zwischenapplaus aus einem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Wie wichtig Applaus den Menschen ist, wurde nicht zuletzt in der Corona-Krise deutlich. Quasi in aller Welt bekundeten Menschen von ihren Balkonen aus den Helfern Beifall. Ärzte und Krankenschwestern klatschten gewissermaßen zurück. Und selbst die CSU spielte in den ersten Minuten ihres ersten digitalen Parteitags jenen Applaus ein, mit dem einst Markus Söders Wahl zum Vorsitzenden gefeiert wurde.

"Applaus ist eine starke soziale Norm, die wir fast tagtäglich reproduzieren", sagt Professorin Toelle. Es gehe in der Regel um Performance-Situationen, in denen Zuschauer Darbietenden Respekt für eine Aufführung zollen, die sie selbst meist nicht hätten leisten können. Dieses Ritual sei in der europäischen Kultur verwurzelt, so Toelle. Schon in der griechischen Mythologie sei den Musen Beifall gespendet worden. "Es hat mit der Kolonialisierung und Globalisierung zu tun, dass inzwischen überall auf der Welt geklatscht wird." Zudem funktioniere Applaus als eine Art Gleichmacher, weil alle mitklatschen, so Toelle. Eine Studie aus Deutschland, Großbritannien und Schweden hatte vor einigen Jahren gemessen, dass sich Applaus - Achtung, Corona-Metapher - wie ein Virus ausbreitet. Demnach dauerte es im Schnitt 2,93 Sekunden, bis nach dem ersten Klatscher auch der Letzte im Publikum angesteckt war und applaudierte.

Erinnerungen an US-Sitcoms

Dass nun die Sender die coronabedingt publikumslosen Produktionen tontechnisch untermalen, erklärt Toelle mit einem Gewöhnungseffekt: "Wir wollen die Sendung so schauen, wie sie immer war." Der eingespielte Applaus weise dann zum Beispiel auf einen guten Gag hin, zeige aber auch, wann die Show vorbei ist. "Und die Sendung wird unterteilt. Man weiß dann: Jetzt kommt wieder der Moderator." Medienwissenschaftler Herbert Schwaab von der Universität Regensburg vergleicht den eingespielten Beifall mit den Lachern der US-Sitcoms aus den 80er/90er Jahren wie "Eine schrecklich nette Familie". Die Reaktionen des Publikums wurden bei der deutschen Synchronisation durch Lachen vom Band ersetzt. "Das ist eine schwache Erinnerung an den Live-Charakter." Manchmal habe er auch den Eindruck, es werde zu wenig bedacht, in welchem Moment welche Reaktion passend wäre.

Doch auch wenn es ab und zu merkwürdig wirkt, aus einem leeren Studio aufbrausendes Klatschen zu hören, kann Schwaab dem in gewisser Weise etwas Positives abgewinnen: "Man wird daran erinnert, dass etwas fehlt. Und man macht sich bewusst, welche Rolle das Publikum spielt."

Die freundliche Rakete Wavey wohnt mit ihren Kumpels auf dem Mond. Alles könnte so schön und friedlich sein, würde nicht die böse Firma Evil2 versuchen, den ganzen Erdtrabanten unter ihre Kontrolle zu bringen. Um diesen Plan zu vereiteln, macht sich Wavey daran, Evil2 zu bekämpfen.

Auf den ersten Blick ähnelt die Spielweise von "Wavey the Rocket" einem typischen Automaten-Videospiel aus den 80er Jahren: Die Rakete düst von links nach rechts durch meistens zweidimensionale Städte, Industrieanlagen oder den Weltraum. Dabei muss sie Hindernissen und Fallen ausweichen. Der Clou: Die Spieler steuern Wavey nur indirekt. Es gilt, einen wellenförmigen Leitstrahl immer so einzustellen, dass die kleine Rakete an ihm entlangfliegen kann, ohne dabei in ein Hindernis zu krachen.

"Wavey the Rocket" erscheint für Nintendo Switch, PC, PlayStation 4, MacOS und Xbox One. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare