+

"Hitze"

Todesszenario im Sommerurlaub

  • vonDPA
    schließen

"Erdrosselt werden dauert." Mit dieser simplen Feststellung begleitet Léonard den Tod eines Jugendlichen auf einem Spielplatz. Oscar hängt betrunken an den Seilen einer Schaukel. Dabei, sich das Leben zu nehmen. Liebeskummer. Und Léonard wird stiller Zeuge seines Sterbens. Danach bringt er die Leiche zu den Dünen, verbuddelt sie im Sand. Mit wenigen, aber eindringlichen Sätzen beschreibt Victor Jestin in seinem Romandebüt "Hitze" die Szene, die den Sommerurlaub an der französischen Küste mit Eltern und Geschwistern für Léonard einmal mehr zur Qual werden lassen.

Der Autor lässt Léonard als schweigsamen Eigenbrötler auftreten, der über das Gelände streunt und in Ich-Form seine Gedanken preisgibt. Hin und wieder quält er sich auch mal durch Dialoge. Sei es mit der Mutter, die wissen will, was denn mit ihm los sei. Oder mit dem Vater, der wissen will, ob er denn ein Mädchen habe. Und dann auch mal mit Luce, die er tatsächlich kennenlernt. Es geht also auch um Sex, um Liebe, um Gefühle, um Enttäuschung.

Über den beobachteten Suizid und das Versteck von Oscars sterblichen Überresten würde Léonard allerdings gerne sprechen. Mit irgendwem. Immer wieder nimmt er auf den rund 150 Seiten Anlauf. Beim Lesen bekommt man den Eindruck, bald müsste es aus ihm herausplatzen.

Dem jungen Autor Jestin, Jahrgang 1994, gelingt es auf unspektakuläre Weise, einen Spannungsbogen aufzubauen. Zum Ende hin steigert sich dann die Intensität der Geschichte. Denn obwohl Léonard eigentlich so wenig wie möglich vom Leben um ihn herum will, nimmt dieses völlig ohne Rücksicht aber mit voller Wucht seinen Lauf.

Victor Jestin: Hitze, Verlag Kein & Aber, 160 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-0369-5828-6

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare