In der Abgeschiedenheit der norwegischen Berge lässt Erik Fosnes Hansen seinen Roman "Ein Hummerleben" spielen. FOTO: SCHWARZMANN
+
In der Abgeschiedenheit der norwegischen Berge lässt Erik Fosnes Hansen seinen Roman "Ein Hummerleben" spielen. FOTO: SCHWARZMANN

KLAPPENTEXT

Schräge und schöne Wörter

  • vonDPA
    schließen

Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 1990 mit dem Roman "Choral am Ende der Reise", in dem er die letzten Tage von sieben Musikern auf der "Titanic" schilderte. Nun erzählt Erik Fosnes Hansen in "Ein Hummerleben" vom Niedergang eines einstmals mondänen Hotels in den norwegischen Bergen.

Die deutsche Sprache ist reich an Wortschöpfungen, von denen manche sich gar nicht oder nur schwer in andere Sprachen übersetzen lassen. Dazu gehören etwa Substantive wie Wehmut, Weltschmerz und Herzenswärme oder aber auch bildreiche Adjektive wie fuchsteufelswild, mucksmäuschenstill oder mutterseelenallein. In ihrem Buch "Bei dem Sauwetter packt mich das Fernweh" haben Michael Schweins und Norbert Golluch die schönsten, schrägsten und lustigsten Kreationen zusammengestellt. Aber nicht nur das. Sie klären auch über die Herkunft manch rätselhafter Wörter auf. dpa

Michael Schweins/Norbert Golluch: "Bei dem Sauwetter packt mich das Fernweh", Piper Verlag, München, 14 Euro, ISBN 978-3-492-31543-2

Von Ängsten vor dem gesellschaftlichen Abstieg in einem traditionsreichen Hotel in den norwegischen Bergen handelt Erik Fosnes Hansens "Ein Hummerleben". Auf dem kulinarischen Gebiet kennt er sich aus: Fosnes Hansen ist auch für die Zeitung "Aftenposten" als Gastrokritiker tätig und er hat mit "Kokebok for Otto" einen humoristischen Grundkurs für kochunfähige Herren veröffentlicht. nab

Die apokalyptischen Buschfeuer in Australien erscheinen nicht nur wie ein Menetekel zur Klimakrise, sondern führen uns auch drastisch den drohenden Untergang ganzer Tierarten vor Augen. Insofern bestätigt das aktuelle Geschehen die Thesen Matthias Glaubrechts in "Das Ende der Evolution". Von seiner Disposition her sei der Mensch als ausbeuterischer Pionier angelegt. In der Geschichte war er damit erfolgreich. Das Buch ist ein bewundernswerter Wurf. dpa

Matthias Glaubrecht: "Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten", C. Bertelsmann Verlag, München, 38 Euro, ISBN 978-3-570-10241-1

Der Norweger Erik Fosnes Hansen lässt sich viel Zeit für seine Bücher. Nicht nur, dass er lediglich alle paar Jahre ein neues veröffentlicht. Er nimmt sich auch die Muße, um in Ruhe seine Geschichte zu entfalten. Mancher Leser mag dies als langatmig empfinden. Andere schätzen den gemächlichen Erzählton, der detailgenau die Bilder im Kopf entstehen lässt und unverhofft immer wieder auf kleine Höhepunkte im Reigen der scheinbar alltäglichen Ereignisse zusteuert.

Im Fall von "Ein Hummerleben" beginnt die Story mit einem Knall, denn Bankdirektor Berge fällt beim Abendessen im Hotel plötzlich um und stirbt. Daran kann auch der 13-jährige Sedd nichts ändern, der verzweifelt versucht, den übergewichtigen Mann mit seinen gerade erworbenen Erste-Hilfe-Kenntnissen wiederzubeleben.

Anrührende Lebensgeschichte

Dies bleibt nicht der einzige folgenschwere Tod in diesem fast 400 Seiten starken Roman. Doch der nächste ereignet sich erst gen Ende dieser anrührenden Lebensgeschichte, die in den 1980er Jahren angesiedelt ist und die der 54-jährige Autor aus Sicht des Enkels des Hoteleigners entwickelt.

Sedd wächst bei seinen Großeltern auf. Sein Vater, ein indischer Arzt aus Bergen, ist verstorben. Seine Mutter hat sich aus dem Staub gemacht, als der Junge klein war - keiner weiß, wo sie abgeblieben ist. Sedd liebt seine Großeltern über alles. Nicht nur das: Er ehrt und respektiert sie mit ihren schrulligen Eigenheiten, weiß, dass er als Erbe eines vornehmen Hotels erzogen wird und fügt sich ohne Murren in seine großen und kleinen Pflichten als Mitglied einer Gastgeberfamilie mit Anspruch und Haltung.

Wenn Gäste anreisen, schleppt er das Gepäck aufs Zimmer. Wenn Chefkoch Jim in der Küche Verstärkung braucht, schält Sedd Zentner von Kartoffeln und stellt sich auch beim Servieren geschickt an. Singend führt er eine Gruppe Angler aus Dortmund zu versteckten Seen in den Bergen, in denen die Fische garantiert beißen. Und wenn es sein muss, spielt er sogar mit der nervigen Tochter eines Dauerurlauberpaars eine Runde Minigolf nach der anderen, bringt ihr so ganz nebenbei das Schwimmen bei.

Unbezahlte Rechnungen

Doch die Idylle bekommt immer mehr Risse. Das einstmals mondäne Refugium hat die besten Zeiten längst hinter sich. Die Gäste werden weniger, die Rechnungen bleiben unbezahlt. Da nützt es auch nichts, dass der Großvater sie ungeöffnet in einer Schachtel im Schuppen versteckt. Die Katastrophe nimmt langsam, aber stetig ihren Lauf. Das muss auch Sedd erkennen, dem die Suche nach seiner Herkunft keine Ruhe lässt und der schmerzlich erwachsen werden muss.

Norwegen war im vergangenen Herbst Gast auf der Frankfurter Buchmesse. Das hat dafür gesorgt, dass etliche Bücher aus dem skandinavischen Land endlich ins Deutsche übersetzt wurden. Im Fall von "Ein Hummerleben" unbedingt ein literarischer Gewinn, denn das Original erschien bereits 2016 in Hansens Heimat.

Wer die einmalige Natur Norwegens kennt und schätzt, wird gern in diese abgeschiedene Welt eintauchen, in der die Menschen überaus gastfreundlich sind.

Warum der Roman "Ein Hummerleben" heißt? Nun, weil die Spezialität des Hotels eben Hummer ist und die Krustentiere mit ihren scharfen Scheren im Wasserbassin ums Überleben kämpfen, bis sie eines Tages doch zappelnd im Kochtopf landen.

Erik Fosnes Hansen: "Ein Hummerleben", Aus dem Norwegischen, Kiepenheuer &

Witsch, 382 S., 24 Euro, ISBN 978-3-462-05007-3

Wir leben in einem von Tempo und Vielfältigkeit geprägten Alltag. Einer Zeit voll Forderungen und Erwartungen und ständiger Gewissheit, dass sich die Strukturen des persönlichen Lebens unaufhörlich im Fluss befinden.

Hektik und Unruhe im Alltag

Das Alltagsleben wird immer mehr dominiert von Hektik, Unruhe, Getriebensein, Verbissenheit, Verunsicherung, Unübersichtlichkeit, Beliebigkeit, Oberflächlichkeit und Konkurrenz sowie zunehmender Distanz und Anonymität. Man verliert rasch den Überblick und tut sich schwer, notwendige Prioritäten zu setzen.

Man hat Pflichten und Erwartungen zu erfüllen, um nicht negativ aufzufallen. Man hat erst die Arbeit zu erledigen und kommt immer seltener zum Vergnügen, weil Zeit und Energie verbraucht sind. Oft hat man den Eindruck, kaum noch mithalten zu können, und kommt sich vor wie in einem Hase-und-Igel-Rennen. Immer häufiger meint man, in einem Hamsterrad zu leben und in einen auswegslosen Teufelskreis geraten zu sein. Für die notwendige körperliche, geistige und seelische Regeneration, das Auftanken, Abschalten und Entspannen, bleibt immer weniger Möglichkeit.

Unmerklich macht sich das bedrängende Gefühl breit, immer mehr zu kurz zu kommen und etwas nachholen zu müssen. Leider werden aber viele positive Dinge zu oft nicht mehr genügend wertgeschätzt und als selbstverständlich und normal erlebt. Man verlernt, sich über kleine Dinge zu freuen. Ernüchtert fragen viele Menschen nach dem Sinn des Lebens. Danach, ob es noch ein menschliches Leben ist, weil man merkt, dass man mit sich, dem Menschsein und der Natur nicht mehr genügend in Einklang kommen kann.

Es ist eine tiefe Sehnsucht spürbar. Nach Entschleunigung und Verschlankung. Nach Sicherheit und Geborgenheit. Nach Überschaubarkeit und Wiederholbarkeit. Nach Rückzug und innerer Einkehr. Nach Ruhe und in Ruhe gelassen werden. Wieder träumen und fantasieren. Wieder bewusst neugierig sein. Innehalten. Staunen. Wundern. Bewundern. Entschleunigen. Alle Sinne nutzen. Achtsam mit sich und anderen umgehen. Sich jenseits des Leistungsprinzips treiben lassen. Sich nicht immer nur an höher, weiter, schneller und mehr orientieren. Gefühle in sich entdecken. Empathie für die Natur entwickeln.

Dieses zutiefst menschliche Leben ist möglich. Denn Gelegenheiten dafür, ungenutzte Freiräume zu erobern und sich neue belebende Erfahrungen zu verschaffen, bieten sich jeden Tag. Die wunderbaren Angebote des Augenblicks sind ständig und überall zum Greifen nahe. Wenn man wieder bewusst loslässt und Neues wagt. Wenn man das Herz öffnet und weitet. Wenn man die Welt mit allen Sinnen wahrnimmt. Sowohl die Innenwelt als auch die Außenwelt.

Siegfried Grosse animiert mit seinem neuen Buch "Auch Sinne träumen - Momente zum Innehalten" den Leser, sich im persönlichen Alltag vielsinnig zu bereichern.

Das Buch ist eine Achtsamkeits- und Sinnesschulung erster Klasse. red

Dr. Siegfried Grosse: "Auch Sinne träumen - Momente zum Innehlaten", Edition federleicht, Frankfurt am Main, 320 Seiten, 18 Euro, ISBN 9783946112471

Schön ist es am Meer: Die Wellen schlagen hohe Purzelbäume und am Strand spielt der Wind mit den Sandkörnern. Mitten auf einem Felsen sitzt ein kleiner grüner Stein namens Sören und beobachtet seine Umgebung. Das macht er schon seit "dreihundertfünfundsechzigtausend Sonnenuntergängen". Er hat auch schon eine Milliarde Regentropfen vom Himmel fallen sehen.

Doch er möchte auch so gerne mal ins Meer und erfahren, wo all die Dinge herkommen. Durch einen Sturm landet er auf dem Meeresgrund, wo Miesmuscheln Liebesfäden spinnen…

Am Ende schließt sich der Kreis. Zuvor findet ein kleines Mädchen ihren ganz persönlichen kleinen grünen Glücksstein. Auf seiner Reise begleitet man Sören in dem Bilderbuch "Der Stein und das Meer". Auf 32 Seiten schildert Schauspielerin Alexandra Helmig mit wenigen, aber sehr poetischen Worten die Erlebnisse des grünen Steines. Aberwitzige Illustrationen und detailreiche Collagen lassen junge Buchentdecker nicht nur staunen, sondern auch herzhaft lachen.

Doch nicht nur die Jüngsten - das Bilderbuch ist ab vier Jahren - haben ihre Freude daran. Mit seiner zeitlosen Geschichte ist es ein Schatz, der einen das ganze Leben lang begleiten kann. N. Akchour

Alexandra Helmig: "Der Stein und das Meer", illustriert von Stefanie Harjes, Mixtvision, 18 Euro. ISBN 978-3-95854-151-1

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare