"Paradise City"

Schöne neue Welt erschreckend nah an der Gegenwart

Seuchen haben große Teile Deutschlands entvölkert. Ganze Regionen an der Küste mussten aufgegeben werden, nachdem Sturmfluten Land wegspülten. Die Menschen konzentrieren sich in wenigen Mega-Citys wie Frankfurt. Die Mainmetropole ist die neue Hauptstadt, Berlin nur noch Kulisse für Touristen. Ländliche Gebiete und ehemalige Großstädte wie Rostock sind verwaist und werden nicht mehr regelmäßig mit Strom versorgt. Dieses dystopische Deutschland ist Schauplatz von Zoë Becks Thriller "Para-dise City", ein Roman, der in der Zukunft angesiedelt ist und doch der Gegenwart auf erschreckende Art näher ist, als einem lieb sein kann.

Besonders gruselig ist die Vision eines Landes, das von einer Pandemie verwüstet wurde. Wobei der Roman allerdings lange vor der Corona-Zeit verfasst wurde. Für die verheerende Macht der Fake News und der Algorithmen braucht man gar nicht viel Vorstellungskraft. Gesundheits-Apps und soziale Kreditpunkte gibt es schon. In Becks schöner neuer Welt sind sie zu einem umfassenden System ausgebaut, das den Menschen staatliche Betreuung, Sicherheit und Wohlstand garantiert, ihnen aber kaum noch ein Schlupfloch lässt.

Reporterin Liina arbeitet bei einem der letzten unabhängigen Nachrichtenportale, die von den Staatsmedien als "Wahrheitspresse" diffamiert werden. Da niemand offen mit ihr reden würde, recherchiert sie undercover als vermeintliche Wissenschaftlerin in einem mysteriösen Fall in der Uckermark. Eine Frau ist dort ums Leben gekommen. Angeblich wurde sie von Schakalen angefallen. Die Geschichte erscheint zunächst banal. Doch dann wird eine Kollegin ermordet und Liinas Chef zum Opfer eines Verkehrsunfalls, bei dem es offenbar nicht mit rechten Dingen zuging... dpa

Zoë Beck: Paradise City, Suhrkamp, Berlin, 280 Seiten, 16,00 Euro, ISBN 978-3-518-47 055 -8

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