+
Faltbare Smartphones sorgten für viel Aufsehen - und blieben mit ihrem hohen Preis bisher ein Nischenangebot. Doch Marktführer Samsung glaubt an die Geräteklasse und legt mit einem neuen Modell, dem Z Flip, nach. FOTO: DPA

Samsung glaubt an das Falt-Handy

  • schließen

Nach dem holperigen Start von Samsungs erstem Falt-Smartphone soll mit dem Galaxy Z Flip alles leichter, besser, hipper werden. Dabei helfen bessere Mechanik und interessante Bedienkonzepte.

Samsungs zweites Falt-Smartphone Galaxy Z Flip ist - zusammengeklappt - ein handliches Viereck. Anders als der Erstling Galaxy Fold, der sich auf die Größe eines kleinen Tablets ausklappen ließ, erreicht es aufgeklappt die Größe eines klassischen Smartphones mit einer Bildschirmdiagonale von 6,7 Zoll (gut 17 Zentimeter).

Mit einem Seitenverhältnis von 21,9:9 wirkt das Display allerdings etwas schmaler und länger als man es gewohnt ist. Erstmals bei einem Falt-Smartphone steckt das biegsame Display dabei unter einem extra dünnen Glas statt unter Plastik.

Das Telefon kann man dabei auch nur zur Hälfte aufklappen - und Samsung sieht darin so einige Vorteile. So könne man das Gerät bei Videotelefonaten auf den Tisch legen, statt es in der Hand halten zu müssen. Auch bei Nachtaufnahmen soll das wackelfreie Bilder ermöglichen, weil das Gerät einfach auf einer geraden Oberfläche liegen kann, während die Kamera 15 Fotos in fünf Sekunden schießt.

Auf der Außenseite hat das Z Flip eine Weitwinkel- und eine Ultra-Weitwinkel-Kamera mit jeweils zwölf Megapixeln Auflösung. Die Selfie-Kamera kommt auf zehn Megapixel.

Der Videochat-Dienst Google Duo wurde für das Format des Z Flip angepasst: Das Bild wird dabei auf der oberen Hälfte des Displays angezeigt und die Steuerelemente auf der unteren.

Auf der Außenseite hat das Z Flip außerdem ein winziges Display mit stark abgerundeten Ecken und 1,1 Zoll Bildschirmdiagonale. Es ist nur dazu gedacht, wenige Informationen anzuzeigen - wie Uhrzeit und Datum, einen eingehenden Anruf oder die Steuerung des Musikplayers.

Aus Fehlern gelernt?

Samsung hat aus den anfänglichen Problemen mit dem Falt-Scharnier des Galaxy Fold gelernt. Im Frühjahr vergangenen Jahres wurde der Marktstart um mehrere Monate verschoben, nachdem erste Testgeräte bei amerikanischen Tech-Journalisten kaputtgingen. Jetzt gibt es - für Nutzer nicht sichtbare - Bürsten, die Scharnier und Display vor Staub schützen sollen. Samsung verspricht, dass das Scharnier 200 000 Faltvorgänge wegsteckt. Also einmal auf- und zuklappen - ohne Qualitätsverlust. Das Galaxy Z Flip kostet 1480 Euro und soll ab dem 21. Februar verfügbar sein. Das Gehäuse gibt es in Deutschland in zwei Farben: Pink und Schwarz. Als Speicherkapazität sind bislang nur 256 Gigabyte vorgesehen.

Die Lenovo-Marke Motorola brachte gerade erst ein neues Modell heraus, dass sich genauso wie das Z Flip auf Smartphone-Größe ausklappen lässt.

Motorola ließ dafür den traditionsreichen alten Modell-Namen Razr aufleben - Samsung nahm dem Gerät aber mit dem Z Flip schon jetzt den Wind aus den Segeln, betonte die Analysefirma Strategy Analytics. Das Moto Razr ist teurer und erntete in Rezensionen von US-Medien viel Kritik unter anderem für die Qualität des faltbaren Displays.

Marktforscher wie Ranjit Atwal von der Analysefirma Gartner gehen allerdings generell davon aus, dass die teuren Falt-Geräte in nächster Zeit nur ein Nischenangebot bleiben werden. Die Marktforschungsfirma Counterpoint Research prognostizierte beim Finanzdienst Bloomberg, dass Samsung in diesem Jahr rund zwei Millionen Geräte des Galaxy Z Flip verkaufen kann. Das wäre ein Bruchteil vom Gesamtabsatz des Branchenersten: Nach Berechnungen von Marktforschern verkaufte Samsung im vergangenen Jahr rund 295 Millionen Smart- phones verschiedener Preisklassen.

Als neues Top-Modell im klassischen Smartphone-Format stellte Samsung das Galaxy S20 vor. Bei ihm rüstete der Marktführer unter anderem die Kamera auf, die dank künstlicher Intelligenz deutlich bessere Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen machen soll.

Samsungs Sparten-Chef TM Roh demonstrierte die Fähigkeiten des Geräts, als er es dem Kameramann aus der Hand nahm, der damit das Event für den Livestream filmte. Unter den Smartphone-Herstellern gibt es ein regelrechtes Wettrüsten bei Kamera-Technologien.

Bei allen Versionen des S20 soll es Unterstützung für den superschnellen 5G-Datenfunk geben - zum ersten Mal für eine Modellfamilie. Auch wenn die 5G-Netze in vielen Ländern noch kaum ausgebaut sind, wolle Samsung damit die neuen Geräte fit für die Zukunft machen, heißt es. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare