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Prozess gegen Tsitsi Dangarembga vertagt

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Tsitsi Dangarembga
Tsitsi Dangarembga, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, beim 10. Literaturfestival LIT:potsdam. © Jens Kalaene/dpa

Die preisgekrönte Autorin Tsitsi Dangarembga steht in Simbabwe aufgrund eines regierungskritischen Protests vor Gericht. Aufgrund von Krankheit erschien sie nicht vor Gericht. Jetzt gibt es einen Haftbefehl.

Harare – Im Prozess gegen die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga hat ein Gericht in Simbabwe die Entscheidung über ihre mögliche Entlastung vertagt. Grund dafür sei, dass Dangarembga am Montag nicht zum Gerichtstermin erschienen sei. Die Richterin erließ einen Haftbefehl gegen Dangarembga.

Dangarembga, die sich derzeit in Deutschland befindet, hatte aus gesundheitlichen Gründen für den Gerichtstermin nicht nach Simbabwe reisen können. Ihr Anwalt hatte das Gericht bereits vergangene Woche über den Krankheitsfall informiert. Die Richterin entschied, der Haftbefehl könne aufgehoben werden, sobald Dangarembga nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat ein gültiges medizinisches Attest vorlege. Die Entscheidung über Dangarembgas mögliche Entlastung wurde auf den 4. August vertagt.

In zwei Jahren 26 Mal vor Gericht erschienen

Dangarembga, die 2021 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, wird in Simbabwe öffentlicher Aufruf zu Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie vorgeworfen. Sie hatte im Juli 2020 an regierungskritischen Protesten teilgenommen und war kurzzeitig verhaftet worden. Die 63-Jährige muss sich vor einem Antikorruptionsgerichtshof in der Hauptstadt Harare rechtfertigen, das direkt Präsident Emmerson Mnangagwa untersteht. In dem Prozess geht es genau um die Themen, für die sich die mit einem Deutschen verheiratete Autorin seit Jahrzehnten in Büchern und Filmen einsetzt: Diskriminierung, Menschenrechte, Verfolgung und Korruption. Im Fall einer Verurteilung drohen Dangarembga mehrere Jahre Haft. Die Autorin ist in den vergangenen zwei Jahren bereits 26 Mal vor Gericht erschienen.

Die Entscheidung des Gerichts sei „enttäuschend, aber nicht überraschend“, sagte Barbara Groeblinghoff, die Leiterin der Friedrich Naumann Stiftung in Simbabwe, der Deutschen Presse-Agentur. Eine Entscheidung zum Antrag der Verteidigung hätte auch ohne die Anwesenheit der Autorin abgegeben werden können. „Jetzt schwebt Dangarembga das Damoklesschwert weitere sechs Wochen über dem Kopf“, so Groeblinghoff.

Dangarembgas Ehemann Olaf Koschke bezeichnete die Entscheidung des Gerichts als „weitere Schikane“. Dangarembga plane, nach Simbabwe zu reisen, sobald ihr Gesundheitszustand dies erlaube, und der Staatsanwaltschaft das medizinische Attest sofort nach ihrer Ankunft vorzulegen, sagte Koschke.

Vergangenes Jahr hat Dangarembga auch den PEN Pinter Preis erhalten. Der Verein PEN Berlin fordert, das Verfahren „sofort einzustellen“. Die Vorwürfe entbehrten „jeder rechtlichen Grundlage und dienen einzig der Repression und der Verunsicherung“.

In Simbabwe hat sich auch nach der Entmachtung des mittlerweile gestorbenen Langzeitpräsidenten Robert Mugabe die Menschenrechtslage nicht verbessert. In einer Erklärung des Europäischen Rats vom Februar wurde die Einschüchterung der politischen Opposition und anderer regierungskritischer Stimmen kritisiert. dpa

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