+

Nichts für sanfte Gemüter

  • vonDPA
    schließen

Seit Jahren schon erfreuen sich sogenannte Escape oder Exit Rooms wachsender Beliebtheit. In alten Fabrikhallen oder einfachen Wohnungen richten die Anbieter dieser Spielvarianten Räume ein, in denen die Teilnehmer ein Rätsel nach dem anderen lösen müssen, um am Ende an einen Schlüssel zu gelangen, der sie in die Freiheit führt - und der somit den Sieg bedeutet. Inzwischen gibt es das Ganze auch als Gesellschaftsspiel am Wohnzimmertisch. Und nun legt Ullstein mit "Raum der Angst" eine Romanversion vor: einen Escape-Room-Thriller, wie es vom Verlag heißt.

Brutale Mordarten

Denn die Geschichte darin ist alles andere als ein Spiel, als ein Freizeitvertreib. Keine leichte Kost oder nur ein wenig Anstrengung für die grauen Zellen beim Ausknobeln der Escape-Room-Rätsel. In dem Roman von einem Autor mit dem Pseudonym Marc Meller geht es um Leben und Tod. Und Letzterer erfolgt auf brutale Weise.

Ausgangspunkt ist ein wissenschaftliches Experiment eines Uni-Professors, der einige ausgewählte Kandidaten tatsächlich in einen Escape Room schicken und dort ihr Verhalten beobachten will. Doch die sieben kommen da nie an. Ein Unbekannter hat sie entführt und in eine Burg gebracht, in der er seinerseits eine mörderische Variante eines Escape Rooms mit tödlichen Tieren, Falltüren und scharfen Klingen aufgebaut hat. Deswegen ahnen die Teilnehmer zunächst nicht, dass hier etwas ganz anders läuft als geplant.

Nach und nach dämmert es ihnen - und schon bald müssen sie den ersten aus der Gruppe zurücklassen. Die Todesangst wächst. Meller schreibt schnell und spannend, die Kapitel sind kurz. So kann man den Spielern auf ihrem Weg durch die verschiedenen Räume einfach folgen. Und mehr und mehr will man beim Lesen wissen, wie es weitergeht, wer als nächstes stirbt oder ob die Überlebenden einen Ausweg finden. Ein bisschen kann der Leser hier und da auch miträtseln.

Immer wieder wird dieser Strang der Geschichte unterbrochen. Meller führt sowohl die Protagonistin Hannah ein, die auf andere Art als die Probanden des Uni-Experiments zur Gruppe stößt. Und abwechselnde Kapitel widmet er den Ermittlern, die durch einen ermordeten Busfahrer am Straßenrand auf den Plan gerufen werden, sowie einigen Figuren, die mal mehr, mal weniger relevant werden.

Der rasche Wechsel dieser Perspektiven erhöht die Spannung, fordert aber auch Konzentration. Zugleich liefert vor allem die Sicht der Außenstehenden dem Leser ab und zu Hinweise, was sich in der Burg abspielen könnte und wer vielleicht sogar ein falsches Spiel spielt. Mehrere überraschende Wendungen fördern die Dramatik ihrerseits.

Plakative Figuren

Hinzukommen die teils brutalen Mordarten, die zwar nicht allzu plastisch beschrieben werden, aber dennoch nichts für sanftere Gemüter sein dürften. "Amoklauf war gestern", sagt eine der Hauptrollen in dem Roman an einer Stelle. Das passt ganz gut.

Ebenso wenig ins Detail geht Meller beim Beschreiben der Charaktere. Jeder Spielteilnehmer zeichnet sich besonders durch eine Eigenschaft aus wie Intellekt oder Empathie, die an bestimmten Stellen in den Escape Rooms auch gebraucht wird. Diese Charakterzüge stellt der Autor plakativ dar; mehr erfährt man über die wenigsten Figuren.

Nur bei Hintergründen zu wissenschaftlichen Versuchen zu Gewalt und Dominanz sowie bei Janus, dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge mit zwei Gesichtern, wird es detaillierter. Nun kommt es darauf an, ob der Leser mehr mitfühlen will oder dem Geschehen schnell folgen. Für Letzteres reichen die Beschreibungen und die Zeit beim Lesen vergeht deutlich rascher als die Stunden im Buch. dpa

Marc Meller: Raum der Angst, Ullstein Buchverlage, 384 Seiten, 10,99 Euro, ISBN 9783548063805

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare