Neues Genre Climate Fiction

Maja Lunde gehört zu den Autoren, die ein neues Genre begründen. Schilderungen von globalen Klimakatastrophen waren lange Zeit der Sciene-Fiction-Literatur zugeordnet. Mittlerweile sind die Szenarien gar nicht mehr so fremd. Eine weltweite Häufung von Extremwetterereignissen wie Stürmen, Dürren und Überschwemmungen wie zuletzt in Venedig führen der Menschheit die Gefahren der Erd-erwärmung schmerzhaft vor Augen. Darauf reagierten auch die Literatur- und Film-/Fernsehbranchen. Dort ist Climate Fiction kurz Cli-Fi der neueste Trend.

"Es breitet sich aus wie ein Lauffeuer", sagt der US-Autor Dan Bloom über das neue Genre. Dazu trage nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump mit seinem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen bei. "Es gibt viele Leute, die sagen, dass der Klimawandel nicht real ist", ärgert sich Bloom. "Diese Leute machen uns und andere sehr wütend, und in der Folge gewinnt Cli-Fi mehr und mehr an Kraft.

Schreiben über Ängste

Laut Literaturprofessor Andrew Millner von der Monash University in australischen Melbourne muss Cli-Fi aber erst noch aus dem Schatten der traditionellen Sciene-Fiction heraustreten. Sowohl die Cli-Fi-Werke als auch ihre Autoren stützen sich "in erster Linie auf die Sciene-Fiction-Tradition". Das Unter-Genre Cli-Fi sei allerdings "in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsen", sagt Milner.

Für den Wisschenschaftler J. R. Burgman ist der Trend eine logische Folge der Protestbewegungen wie "Fridays for future" und Extinction Rebellion, die das Bewusstsein für die Erderwärmung deutlich geschärft hätten. Das neue Genre sei "eine Antwort auf Sorgen in der realen Welt".

Geschichten bewegen

"Die Menschen sind zunehmend besorgt über den Klimawandel und die Autoren schreiben über das, was ihnen Angst macht", sagte Maja Lunde in einem Interview. Sie hat in ihrem Bestseller "Die Geschichte der Bienen" die Umweltzerstörung anhand des Bienensterbens thematisiert.

Schon in den vergangenen Jahrzehnten gab es fiktive Geschichten über Folgen des Klimawandels. Auch in John Steinbecks bedeutendem Roman "Früchte des Zorns" aus dem Jahr 1939 ging es im Grunde um Klimaflüchtlinge. Nach vereinzelten Werken wie diesem seien solche Stoffe mittlerweile angesichts der immer deutlicheren Folgen des Klimawandels "kaum zu ignorieren", sagt der erfolgreiche Cli-Fi-Autor Jean-Marc Ligny.

"Der Klimawandel braucht Geschichten, und für die Leser ist es wichtig, dass sie erzählt werden", sagt der französische Autor Ligny. Seiner Einschätzung nach macht der Cli-Fi "den Leuten die Lage bewusster" und kann damit im Kampf gegen Erderwärmung mehr bewegen als harte Fakten wie Zahlen und Statistiken. AFP/EB

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