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Markenzeichen Brille: Elvis Costello.

Musikalisches Chamäleon

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(dpa). Ein Rockstar sei er nicht, behauptet Elvis Costello. "Auf meiner Visitenkarte steht nicht ›Rockstar‹. Ich bin nur ein Musiker", sagte er der Zeitschrift "Rolling Stone". Damit überzeugt er niemanden mehr: Sogar die Queen ehrte ihn. Doch angeblich hat Costello nur seiner Mutter zuliebe den Titel angenommen. Auf seiner Website schrieb er ironisch, dass diese Ehre seinen "lang gehegten Verdacht bestätigt, dass niemand wirklich auf Songtexte hört, sonst wäre das Ergebnis anders ausgefallen". Morgen feiert er seinen 65. Geburtstag.

Eigentlich konnte Costello gar nicht anders, als in der Musikindustrie zu landen: Seine Eltern lernten sich in einem Plattenladen kennen, der Vater sang im Joe Loss Orchestra, und sein Großvater unterhielt die Kreuzfahrtpassagiere zwischen Liverpool und New York mit der Trompete. Von seinem Vater klaute er sich den zweiten Teil seines Künstlernamens, von Elvis Presley den ersten, als er bei der legendären New-Wave-, Punk- und Ska-Brutstätte Stiff Records unterschrieb. Eigentlich heißt er Declan Patrick MacManus.

Die Intellektuellenbrille ist sein Markenzeichen geworden, obwohl er sie anfangs nur trug, um von seiner großen Nase abzulenken. Rebellisch, wütend begann Costello, die Energie von Punk in melodische Lieder zu leiten. New Wave war geboren.

Doch Elvis Costello war bald nicht mehr zufrieden mit dem Label, weil es sein erfolgreiches Debütalbum "My Aim is True" nicht in den USA herausbringen wollte. Deshalb stellte er sich wie ein Straßenmusiker - so geht die Sage - bei einer Londoner Managementversammlung von CBS Records vor die Tür und spielte sein Album, was ihm kurz danach einen Plattenvertrag mit den Amerikanern einbrachte. "My Aim is True" kletterte dort in den Charts nach oben, als er Ende 1977 nach einem frechen Auftritt von der berühmten "Saturday Night Live"-Show verbannt wurde.

In seinen Memoiren "Unfaithful Music - Mein Leben" erinnerte er sich noch gut, unter welchen Bedingungen er eine seiner ersten Single-Auskoppelungen schrieb - den Song "Alison": Er lebte damals mit seiner ersten Frau und seinem kleinen Sohn in einem Vorort und verdiente 30 Pfund pro Woche mit einem Computerjob. Und "Pump It Up" - ein Lobgesang auf die Dekadenz des Rock’n’Roll - schrieb er auf Hotelbriefpapier auf einer Feuerleiter in Newcastle.

Als sein erstes Album einschlug, ließ er nichts aus und ruinierte damit seine Ehe, wie er in seinen Memoiren zugab. "Der einzige Grund, über ein Leben im Showbusiness zu schreiben, besteht darin, auf die Absurdität des Ganzen hinzuweisen", sagte er dem "Guardian". Seine Spoken-Word-Version der Autobiografie wurde 2017 für einen Grammy nominiert. Costellos Stimme ist unverkennbar - wie ein Instrument. "Ich denke, wenn du die Songs kennst, dann passt sich deine Stimme an", sagte er dem "Telegraph", "sie findet leichter die Aussparungen."

Er ist selbstbewusst, leicht theatralisch und unterhaltsam - und vor allem ein musikalisches Chamäleon: Nach seinen New-Wave-Hits in den Siebzigern wandte er sich nicht nur Country, Jazz und Swing zu, sondern versuchte sich auch mit dem Brodsky Quartett an Klassik in den Neunzigern. Er arbeitete mit Berühmtheiten wie Paul McCartney, Burt Bacharach, Allen Toussaint, der Opernsängerin Anne Sofie von Otter und der Hip-Hop-Band The Roots zusammen.

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