Bewegungsfreiheit im Kopf gewinnen und die Fantasie auf Reisen gehen lassen: Wenn es sich einrichten lässt, ist die Isolation zu Hause eine gute Gelegenheit, mal wieder in Ruhe ein Buch zu lesen. FOTO: DPA

Lesen gegen den Lagerkoller

  • vonRedaktion
    schließen

Mehr Zeit zum Lesen zu haben - das wünschen sich viele Menschen in ihrem normalen Alltag. Jetzt haben wir sie. In der Corona-Krise ist zwar nichts mehr normal, viele unserer gewohnten Freizeitvergnügungen fallen flach. Lesen aber geht immer. Wo die Kolleginnen und Kollegen der Mantelredaktion derzeit ihre Nasen rein- stecken, erzählen sie hier.

Wenn Sie jetzt lachen, habe ich in diesen schweren Zeiten auf jeden Fall schon mal ein gutes Werk getan. Ich habe mir den Orientzyklus von Karl May hervorgekramt. Etwa 3400 Seiten. Das reicht erst mal für die "Quarantäne". Und ist thematisch aktueller als ähnlich umfängliche Reihen wie "Harry Potter" und "Herr der Ringe". Beispiel: Bei Bagdad erkranken Kara ben Nemsi und Hadschi Halef Omar an der Pest. Sie überleben die lebensbedrohliche Seuche mit viel Glück und ... konsequenter, wochenlanger Isolation in den Trümmern von Babylon. Ausgang maximal zu zweit und andere Personen auf Distanz halten. Warum kommt mir das so bekannt vor? rüg

Zeit zum Lesen habe ich eigentlich nicht wirklich, denn neben meinem Beruf als Redakteurin gehe ich derzeit noch einem Zweitjob nach: Grundschullehrerin. Und der ist wesentlich anstrengender als gedacht. Der Erstklässler hat ein umfangreiches Schulprogramm zu absolvieren. Und so lesen wir täglich gemeinsam: Leseblatt zum Au, Leseblatt zum Ch, Leseblatt zum K, Texte in der Jo-Jo-Fibel oder "Lies mal - Das Heft mit der Ente. Vom Wort zum Text - Anfangslesen". Damit es etwas abwechslungsreicher wird, stecken wir unsere Nasen immer mal wieder in ein anderes Buch: "Die schönsten Silbengeschichten für Jungs zum Lesenlernen" aus dem Loewe Verlag. So klappt es jeden Tag ein bisschen besser und der Erstleser wird mehr und mehr zum Vorleser. Danke, Corona! su

Im Moment lese ich kein Buch. Aber meine Kollegin drückt mal ein Auge zu. Musik-Zeitschriften sind auch erlaubt. Und da schmökere ich (ja, das kann man auch bei Zeitschriften) derzeit zum einen im "Rock Hard" und zum anderen in der aktuellen "Visions". Ich mag solche Zeitschriften, weil man entweder neue Musik kennenlernen oder alte wiederentdecken kann. Und beides ist aktuell sehr gut möglich: Die Kollegen vom "Rock Hard" wagen einen Blick in die Glaskugel und stellen "20 Bands für die 20er Jahre" vor. Also Rock- und MetalGruppen, die demnächst so richtig durchstarten (können). Mit dabei: Unsere hessische Hard-Rock-Hoffnung The New Roses.

Im "Visions" widmet man sich den besten deutschen Metal-Alben der vergangenen Jahrzehnte. Natürlich gnadenlos subjektiv und gerade deshalb so interessant. Eine herrliche Zeitreise mit meinen alten Helden von Rage, Helloween, Running Wild oder Kreator. Dazu noch die richtige Beschallung, das reicht mir - vorerst. gäd

Beim Aufräumen - dazu hat man ja jetzt auch mal Zeit - habe ich 65 (!) ungelesene Bücher in unserem Regal gefunden. Die lese ich jetzt stoisch von links nach rechts weg. Das gibt eine hübsche Mischung: Freu mich schon aufs Blättern in dem Werk "Das goldene Familienbuch" von 1865 mit schier unfassbaren Ratschlägen ("Kaffee als Räucherungs- und Konservierungsmittel"), das mir ein lieber Sportsfreund übereignet hat. Danach kommt "Mensch bleiben. Hightech und Herz - eine liebevolle Medizin ist keine Utopie" von Herbert Grönemeyers Bruder Dietrich (wie das passt). Kaum erwarten kann ich aber Titel drei: "Lieber Hosenträger als gar keinen Halt im Leben" (Bernhard Meuser). Ich liebe mein Anti-Corona-Depressions-Projekt! pi

Meine Lesezeit dient im Moment hauptsächlich dem Zweck, die Kinder bei Laune zu halten. Und dazu lesen wir uns quer durchs Bücherregal. Neben dem, was immer geht - Janosch-Geschichten, Feuerwehrmann Sam, Grüffelo und passenderweise "Conni ist krank" - waren wir rechtzeitig vor Verschärfung der Lage noch in der Bücherei und können uns jetzt über eine verlängerte Ausleihfrist freuen. Also steht auch "Winston der Bücherwolf" auf der Leseliste. Nicht alle freuen sich über die Buchauswahl immer gleichermaßen, da muss man schon mal Kompromisse schließen. Aber wenn einer der Jungs das dicke Märchenbuch aus dem Stapel fischt, sind wir alle dabei. Dann lernen wir kleine Feen kennen, fiese Piraten, böse Hexen und wunderschöne Prinzessinnen. Wir kuscheln uns zusammen auf das Sofa und freuen uns: Zwar dürfen wir gerade kaum raus und all die Abenteuer selbst erleben, aber wir haben uns und unser Zuhause. Da haben wir es schon mal besser getroffen als zwei der drei kleinen Schweinchen. Und irgendwann, vielleicht schon bald, gibt es bestimmt ein Happy End . kan

Wenn der Tag im Homeoffice sich dem Ende entgegenneigt, schalte ich schon mal meinen privaten Rechner an. Nach einem Buch steht mir im Moment nicht der Sinn. Ich stöbere auf den Internet-Seiten von anderen Zeitungen und lese dort garantiert coronafreie Texte. Zum Beispiel das: "Das Geheimnis des Grottenolms - Was lässt Elefanten, Olme, Papageien oder Schildkröten uralt werden, während Mäuse, Kolibris und Würmer schon nach wenigen Tagen oder Monaten sterben?" Oder das: "Eines der besten Jump-and-Run-Spiele der vergangenen Jahre hat einen Nachfolger: ›Ori and the Will of the Wisps‹ bietet beste Unterhaltung." Ich werde es nicht spielen, aber ich weiß jetzt, dass es das gibt. Mein Lieblingstext: "Die Poesie des Bügeleisens". Er erschließt mir neue Welten. Und ich kann ruhiger einschlafen. bb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare