Leons Mutter Katja (Karoline Eichhorn, r.) will es keinesfalls zugeben, aber Johanna Stern (Lisa Bitter) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, M.) sind überzeugt davon, dass ihr Sohn gefährdet ist. FOTO: JACQUELINE KRAUSE_BURBERG/SWR/DPA
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Leons Mutter Katja (Karoline Eichhorn, r.) will es keinesfalls zugeben, aber Johanna Stern (Lisa Bitter) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, M.) sind überzeugt davon, dass ihr Sohn gefährdet ist. FOTO: JACQUELINE KRAUSE_BURBERG/SWR/DPA

Kühl erzähltes Sozialdrama

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Wie Gift breitet sich die Hoffnungslosigkeit im neuen Ludwigshafen-Krimi der dienstältesten "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) aus. Darin verstricken sich zwei Jugendliche immer tiefer in eine Spirale aus Prostitution und Elend, aus der sie sich nicht mehr befreien können. "Leonessa" heißt der "Tatort", den das Erste am Sonntag um 20.15 Uhr ausstrahlt. Regisseurin Connie Walther inszeniert das Sozialdrama ohne erhobenen Zeigefinger - und wohl deswegen besonders wirksam.

Als Erster stirbt Hans Schilling. Der Mord an dem Wirt einer Country-Kneipe ergibt zunächst wenig Sinn. Doch nach und nach enthüllen Kommissarin Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter), dass sich Schilling immer wieder eingemischt hat, wenn es in dem Brennpunktviertel rau oder gar illegal zuging. Mit der Zeit wird klar, dass das jemandem sehr missfallen haben muss. Aber wem?

Schnell entwickelt sich der Sonntags-Krimi von Drehbuch-Autor Wolfgang Stauch zu einer fatalen Mischung aus Sehnsucht und Existenzangst. "Leonessa" ist ein Kunstwort - so werden Leon und seine Freundin Vanessa genannt. Vorbild ist der Begriff "Brangelina" für Brad Pitt und Angelina Jolie. Leon und Vanessa verdienen Geld mit Prostitution. Nach Verabredungen im Internet treffen sie Männer auf dem Dach eines Parkhauses. Lena Urzendowsky und Michelangelo Fortuzzi spielen das desillusionierte Paar nahezu unbeteiligt. In einer Szene wird Vanessa wie etwas Lästiges aus dem Auto geworfen. Desolat rafft sie Geldscheine aus dem Rinnstein. Bei so viel Elend wird der Mord an dem Wirt fast zur Nebensache.

Regisseurin Walther leuchtet das "No Future" in allen Facetten aus. Die Jugendlichen geben sich stark und wirken doch zerbrechlich.

Ist "Leonessa" nicht zu helfen? Der Film beantwortet das nicht abschließend. Auch wenn die Geschichte nicht immer ganz schlüssig und stabil ist: Dieser "Tatort" lässt viele Deutungen zu. dpa

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