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Das Publikum drängt sich am Mainufer zum Europa-Open-Air des HR-Sinfonieorchesters.

Klassik unterm Nachthimmel

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Das Europa-Open-Air lockte Tausende ans Frankfurter Mainufer, um Klängen von Beethoven und Franz Liszt zu lauschen. Wetter und Atmosphäre hätten nicht besser sein können. Und auch das HR-Sinfonieorchester machte das Konzert zum unvergesslichen Erlebnis.

Beim Europa-Open-Air des Hessischen Rundfunks und der Europäischen Zentralbank drängten sich wieder die Massen an der Weseler Werft am Mainufer. Musikalisch gab es allerhand zu erleben. Für den Dirigenten Alain Altinoglu von der Brüsseler Oper war es eine Premiere nach Maß. Ein heiterer Spätsommerabend am Frankfurter Mainufer, Dom und Wolkenkratzer im Hintergrund und rund 12 000 Gäste in Feierlaune. Fast schien man zu hören, wie sehr der Maestro und sein aus Belgien mitgebrachtes Vokalensemble, der "Choer de la Monnaie", angetan waren von solchem Empfang.

Das seit einigen Jahren gebotene spätsommerliche Open Air ist zu einem Selbstläufer geworden, und in Anbetracht der vielen Menschen, die an den Einlassschleusen nicht mehr durchgelassen wurden und das Spektakel von einer der Mainbrücken beobachteten, hörte man schon wieder Stimmen, die einen noch größeren Platz forderten als die Weseler Werft. Schon beim vorausgehenden Auftritt der HR-Bigband mit Till Brönner war kaum ein Platz zu ergattern.

Als schließlich alle ihre Sitze eingenommen hatten, startete das souverän aufgestellte HR-Sinfonieorchester ein ansprechendes Programm aus allseits bekannten Werken und weniger oft zu hörender Musik. "Halleluja" aus Händels "Messias" durfte in aller Euphorie nicht fehlen, und die "Barcarolle" verbreitete in dieser zauberhaften Atmosphäre einen süßen Duft. Die einbrechende Dunkelheit brachte eine durchdachte Beleuchtungstechnik gut zur Geltung, und die beiden Solistinnen Julia Kleiter (Sopran) und Nora Gubisch (Alt) ergänzten sich mit klaren, glockenhellen Stimmen - Jacques Offenbach hätte seine Freude gehabt.

Das kraftvolle Finale aus dem zweiten Akt von Verdis "Aida" rückte den kraftvoll und kompakt wirkenden belgischen Chor in den Mittelpunkt. Aber auch Maestro Altinoglu zeigte bei dieser Gelegenheit, was an Esprit und Feuer in ihm steckt. Da kann man einen Triumphmarsch durchaus beim Wort nehmen.

Auch die Luftfeuchtigkeit am Flussufer machte sich bemerkbar - die Pianistin Alice Sara Ott ließ sich allerdings nicht davon abhalten, Franz Liszts "Totentanz" mit markanten und stabilen Akkorden einzuleiten. Das technisch Anspruchsvolle schien nach dem Geschmack der jungen Künstlerin, die sich hervorragend in das expressive Spiel des Orchesters einfügte. Eine Zugabe von Erik Satie brachte zusätzlich Reiz und Exotik.

Nach eben jener funkelnden "Barcarolle" kamen der Tenor Francesco Demuro und der Bariton Paul Gay in einem Duett "Au fond du temple saint" aus Bizets "Perlenfischer" zu ihrem Einsatz. Bevor am Ende alles im Jubel über Schillers "Freude, schöner Götterfunken" in Beethovens neunter Sinfonie versank, lauschte man in der Suite "Bacchus et Ariane" noch den Klangwelten eines Albert Roussell, die für diesen Anlass fast etwas zu intim und zart erschienen. Der Schlusssatz aus der Neunten aber stellte den alten Jubel wieder her.

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