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Kinderkrimi der Extraklasse

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Von: Maren Bonacker

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smf_Cover_FlorentineBlix_4c © Red

Beinahe das Beste am Basteln ist, am Ende den getrockneten Kleber von den Fingern abzupuhlen. Das Beste ist, dass man zum Schluss etwas Selbstgemachtes in den Händen hält, egal, ob es nützlich oder schön ist oder beides. Oder nichts davon. Denn das Allerbeste am Basteln ist das Kreativsein. Drei Beweise.

Florentine Blix mag die Farbe grün ganz besonders, hasst es aber, wenn jemand ihr zu dicht auf die Pelle rückt. Sie hat eine ausgesprochen gute Beobachtungsgabe, kann aber mit Ironie und Sarkasmus nicht allzu viel anfangen. Sie ist ein Genie in Schach, kann aber weder Fahrrad fahren noch sich die Schnürsenkel zubinden. Kurz: Sie ist eine ziemlich einzigartige Mischung! Zusammen mit ihrer besten Freundin Maja ermittelt sie in nicht weniger einzigartigen Kriminalfällen. Just jetzt versucht sie herauszufinden, was mit den Kuscheltieren passiert ist, die sie dem Krankenhaus spenden wollte und die plötzlich von ihrem Grundstück verschwunden sind. Doch das ist viel weniger spannend, als ihr erster echter Fall: Der Neue aus ihrer Klasse bittet sie, seinen verschwundenen Cousin zu finden, der angeblich bei einem Bootsunglück gestorben ist. Weil nie eine Leiche gefunden wurde, glaubt Bo nicht daran. Als Florentine dem Vermissten wenig später begegnet, kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder ist er wirklich nicht tot, oder aber Florentine kann Geister sehen (an die sie nicht glaubt). Klar ist also nur: Dieses Geheimnis muss gelöst werden! Und wenn nur, um Bo wieder loszuwerden, der in der Klasse viel zu dicht neben ihr sitzt.

Die neue Heldin von Alice Pantermüller ist ein Volltreffer. In einem von Daniela Kohl gestalteten, durchweg zweifarbigen Buch mit erfreulich hohem Türkisgrünanteil lernen wir Florentine mit ihren liebenswerten Schrullen kennen und erfahren einiges über Flensburg, das Meer, die dänische Grenze und ein bisschen Dänisch. Ungewöhnlich, spannend, und so, dass man auf jeden Fall mehr davon möchte, findet heute eure Maren

Alice Pantermüller: Die außergewöhnlichen Fälle der Florentine Blix. Tatort der Kuscheltiere. Bilder von Daniela Kohl. Würzburg: Arena, 2022. 280 Seiten. 14 Euro. Ab 10 Jahre.

Kann ich das nicht selber machen? Diese Frage an sich selbst kennt wohl jeder, der gerne mit seinen eigenen Händen Neues erschafft. Manchmal entdeckt man aber auch Dinge, von denen man bisher noch gar nicht wusste, dass man sie unbedingt nachmachen muss. Und dann wiederum ist man gelegentlich auch auf gezielter Suche nach Bastelideen, weil man ein Geschenk für die Oma braucht oder sich einfach die Zeit vertreiben will. Für alle drei Fälle bieten sich die Bastelbücher an, die heute auf dieser Seite vorgestellt werden. kan

Basteln »ist etwas für Leute, die sich ihre Unterhosen selbst stricken und Glitzer zum Frühstück essen«. Diesen Satz stellt Emma Scott-Child ihrem Bastelbuch voran. Keine gute Einleitung? Doch, weil sie mit Vorurteilen dem Basteln gegenüber aufräumen will. Sie verspricht schnelle Projekte für Kinder, ohne Kleckern, Nähen, spezielle Materialien und vor allem ohne Glitzer. Und sie motiviert, dem Basteln eine Chance zu geben, auch wenn man sich selbst für wenig talentiert hält. »Es muss nicht perfekt sein«, schreibt sie. »Auf alles, was du mit Liebe und Freude erschaffst, kannst du stolz sein. Trau dich einfach zu singen, zu tanzen oder zu basteln! Du wirst sehen, es lohnt sich.« »Ruckzuck Basteln! Für kleine und große Bastelmuffel« enthält viele schnelle Projekte, die nicht nur während des Bastelns Spaß machen, sondern auch danach zum Spielen anregen, nützlich oder dekorativ sind oder die man sogar anziehen kann. Einzelnes kennt man schon, wie die Himmel-und Hölle-Faltfiguren mit Gesichtern oder die Waldtiere aus Klopapierrollen. Doch vieles ist neu oder zumindest neu interpretiert und modern umgesetzt. Eine riesige Klapperschlange aus Papier, ein Wal, der Wasser aus seinem Blasloch spritzt, ein T-Shirt-Fisch, der sich von schmutziger Wäsche ernährt oder ein Superheldencape für den Teddy - viele Ideen schreien sofort danach, nachgebastelt zu werden. Faszinierend zu sehen, wie aus einem Stück zusammengeknülltem Papier, einem Pfeifenreiniger und etwas Klebeband ein gruseliges oder witziges Monster wird, wie das Becherhuhn mit etwas Wasser anfängt zu gackern oder der Zauberstern ganz ohne Kleber oder Faden zusammenhält.

In dem knapp 200 Seiten dicken Buch bekommt jede Anleitung reichlich Platz und ist detailliert bebildert. Eine, zwei oder drei kleine Uhren zeigen an, wie aufwendig das jeweilige Projekt ist, wobei diese Angabe in einem Ruckzuck-Bastelbuch relativ ist. Kinder zwischen vier und elf Jahren sollen angesprochen werden, kleinere können natürlich schon ein bisschen mithelfen, die größeren die Kleinen unterstützen. Und wenn es mal nicht ohne einen Erwachsenen geht, weil beispielsweise das Cuttermesser zum Einsatz kommt, ist das extra gekennzeichnet.

Ein wirklich schön aufgemachtes Bastelbuch, das ganz ohne Glitzer alles andere als angestaubt daherkommt.

Filigrane Naturmotive

Ein Teil der Bastelwelt ist bequem geworden in den vergangenen Jahren. Seit es erschwingliche Schneideplotter für den Hobbybereich gibt, wird seltener das Cuttermesser in die Hand genommen, um in detaillierter Kleinstarbeit filigrane Formen aus Papier zu schneiden. Das ist weniger aufwendig und vor allem geht es viel schneller. Für die Motive aus Marie-Christine Holleriths Buch »Zauberhaftes Papercut« braucht man dagegen etwas mehr Muße, Zeit und Geduld. Sie sind darauf ausgelegt, mit dem Skalpell geschnitten zu werden. Bei den ersten Malen schmerzen die Finger nach einer Weile, doch man wird mit Motiven belohnt, die dem Buchtitel alle Ehre machen, sie sind wirklich zauberhaft. Ganz schlicht kommen sie daher, sind aber dennoch mit zarten Mustern verziert - die das Ausschneiden zu einer Herausforderung machen. Wer sich dieser stellt, kann aber am Ende stolz ein kleines Kunstwerk in Szene setzen, in einem Bilderrahmen beispielsweise, auf Karten oder in einem großen Holz- oder Metallring. Vor allem Naturmotive finden sich im Buch. Alle gibt es zum Abpausen oder auch zum direkten Ausschneiden. Wer das nicht möchte, kann sie sich per Download-Link auch herunterladen und direkt auf das gewünschte Papier drucken. Fast so einfach wie plotten.

Hollerith geht zu Beginn auf die Geschichte des Papercuts ein, erklärt Werkzeuge und Techniken. Aber keine Angst: Eigentlich braucht man nichts außer Papier, Messer und Schneidunterlage. Ein paar Tipps können dennoch hilfreich sein, vor allem, wenn man das Messer eine Weile nicht in der Hand hatte. Tipps zu jedem Projekt helfen bei der Umsetzung oder geben Anregung zur Inszenierung der fertigen Werke. Die ansprechenden Bilder machen Lust, gleich loszulegen. Ein tolles Buch mit hübschen Ideen.

Übertopf statt Fußboden

Wenn ein Trend die Online-Bastelwelt flutet, dauert es nicht lange, bis auch ein Buch zur Technik erscheint. In den sozialen Netzwerken wird seit einiger Zeit mit Holzklötzchen gewerkelt, die eher an Stäbchenparkett als an schöne Bastelprojekte denken lassen. Doch dafür ist Kreativität ja auch da: aus Altbekanntem Neues schaffen. Und so wird aus Stäbchenparkett ein Serviettenhalter, ein Blumenübertopf oder sogar ein Insektenhotel. Ina Mielkau hat in »Do it yourself mit Easy Sticks« die schönsten Ideen gesammelt. Für manche braucht man nur wenige Hölzchen, für andere bis zu 53 Stück. Es gibt Projekte, für die man nichts außer den Hölzern und Leim benötigt, und solche, die den Einsatz von Säge, Bohrer und Pinsel erfordern. Mit diesen Werkzeugen kann dann beispielsweise ein Schiff gewerkelt werden oder ein Blumenständer.

Insgesamt ist »Do it yourself mit Easy Sticks« ein modernes und übersichtlich gestaltetes Bastelbuch, das jedes Projekt mit einer Schritt-für-Schritt Bildanleitung zum Ziel führt. Die Anleitungen sind nach Anzahl der benötigten Hölzer gegliedert, wobei das alleine weniger über den zeitlichen als über den Materialaufwand aussagt.

Allzu schwer ist jedoch keines der Projekte. Das Windlicht etwa ist ruckzuck aufeinander gestapelt, mit Expressleim geht es noch mal schneller. Da können auch Kinder schon mithelfen und später voller Stolz ein selbst gemachtes Geschenk überreichen, das richtig viel hermacht. Die Dosierung des Leims allerdings sollte lieber ein Erwachsener im Auge behalten. Womit wir wieder beim Kleber an den Fingern wären. Aber ohne den macht das Basteln ja nur halb so viel Spaß.

Emma Scott-Child: Ruckzuck Basteln! Für kleine und große Bastelmuffel, TOPP im frechverlag, 192 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-7724-4650-4

Marie-Christine Hollerith: Zauberhaftes Papercut. Blumen, Tiere und mehr, EMF Verlag, 96 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-7459-0765-0.

Ina Mielkau: Do it yourself mit Easy Sticks. Dekoratives & Praktisches aus Holzklötzchen basteln, Christopherus, 96 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-8388-3833-5

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Ablagebord_100322_4c © Red
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Glasrahmenhalter_100322_4c © Red
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Papier, Holz oder was gerade so da ist: Basteln macht mit den unterschiedlichsten Materialien Spaß. In »Zauberhaftes Papercut« steht Papier im Fokus (o. l.), in »Do it yourself with Easysticks« entsteht Schönes und Nützliches aus Holzklötzchen (unten) und »Ruckzuck Basteln« macht vor allem mit Kindern Spaß (r.). © Red
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