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Kein Marthaler, aber ein echter Seghers

Der Frankfurter BKA-Mann Neuhaus wird nach Berlin geschickt und soll dort die neu eingerichtete Berliner »Sondereinheit Terrorabwehr«, kurz SETA unterstützen. Ein jüdischer Aktivist wurde erschossen aufgefunden und kurz vor den anstehenden Bundestagswahlen scheint sich die Gefährdungslage in der Bundeshauptstadt dramatisch zu verschärfen.

Für den Frankfurter Kommissar Neuhaus ist der Einsatzort Berlin absolutes Neuland. Schnell muss er erfahren, dass Berlin anders tickt. Auch sein Einstand in der SETA verläuft nicht optimal. Als bekennender Einzelkämpfer stößt er von Beginn an auf Misstrauen und Ablehnung beim SETA-Team. Allein die junge Suna-Marie, eine toughe Polizistin mit türkischen Wurzeln, lässt Neuhaus an sich heran.

Das ist in groben Zügen der Plot des neuen Seghers-Romans, der temporeicher und dialogstärker daherkommt als die Marthaler-Romane. Se-ghers-Fans werden sich an den mitunter ruppigen, manchmal vieldeutigen, aber jederzeit seriösen Dialogen der Protagonisten Neuhaus und »Grabowski« erfreuen. Eine der Stärken des Autors und etwas, das diesem Roman Kurzweiligkeit und Drive verleiht.

Über den neuen Kommissar erfährt der Leser zunächst nicht viel. Hinweise auf die Biografie des neuen Ermittlers werden wie zufällig gegeben, was der Vorbereitung für nachfolgende Romane dient. Ein Rezept, das Jan Seghers bereits bei der Figur des Marthaler verfolgt hat. Ein weiterer Konzeptbaustein des Autors ist die Anlehnung der Story an einen realen Kriminalfall. Die damit verbundene Recherche gehört ebenfalls zu den Stärken des Autors.

Dass der Roman bereits nach zweihundertvierzig Seiten ausgelesen ist, werden viele Leser bedauern. »Der Solist« ist nun mal kein »Marthaler«, aber ein echter Seghers - und ganz sicher lesenswert. Uwe Lischper

Jan Seghers: »Der Solist«, Rowohlt Hundert Augen, Hamburg, 240 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-498-05848-7

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