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Entspannt: Jonas Kaufmann.

Kaffeehaus und Haxen

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(dpa). Der Start in die kalte Jahreszeit wird kein Spaziergang für Jonas Kaufmann. Nicht mal den neuesten seiner vielen Preise kann er selbst entgegennehmen: Der Opus Klassik, Nachfolger des eingestampften Echo Klassik, wird am Sonntag (13. Oktober) in Abwesenheit an den Tenor verliehen. Kaufmann, der den Preis in der Bestseller-Kategorie für "Eine italienische Nacht" bekommt, ist dann schon in Wien, um sein neues, gleichnamiges Album vorzustellen.

Im Juli sagte er in München noch zwei Auftritte ab, wegen einer hartnäckigen, nicht auskurierten Erkältung. "Ich bin im Vollbesitz meiner Kräfte", sagt der 50-Jährige. Die Saison sei lang gewesen und er habe zu früh wieder zu singen begonnen. "Ich hatte jetzt vier Wochen keine Aufführungen und das macht sich natürlich auch positiv bemerkbar." Wichtig seien ihm "diese kleinen Momente zwischendurch". Wobei - auch Aufführungstage sieht der Welt-Star als "absolute Freizeittage": "Allein das Gefühl: Heute wird das Telefon wahrscheinlich kaum läuten, keiner schreibt mir E-Mails, keine wichtigen Anfragen, weil ich ja Vorstellungen habe oder gar Premiere." Dabei geht es dem 50-Jährigen, der im Frühjahr noch einmal Vater eines Sohnes geworden ist, auch darum, die Zeit zu nutzen: "Der Trend muss zu mehr kleinen Freizeithäppchen zwischendrin gehen, denn das ist jetzt mit Sicherheit meine letzte Chance, eine Familie zu genießen und nicht aus der Ferne zu betrachten."

In der Tat wirkt der gebürtige Münchner entspannt, als er in der Bayerischen Staatsoper über sein neues Album "Wien" plaudert. Ein Genuss waren für ihn wohl auch die Aufnahmen dafür. Um die leichtere Muse soll es gehen, Strauß, Robert Stolz, die blühenden Bäume im Prater, der Heurige in Grinzing. Nach einem Album zu Berlin sei klar gewesen, dass Wien eine der nächsten Ideen sein werde, erzählt Kaufmann. Er schwärmt vom Umland der Stadt und vom Schweizerhaus im Prater, "einer der gigantischsten Biergärten" mit fantastischen Haxen: "Ein Gedicht."

Die Mischung macht’s

Das Auswählen sieht er als die größte Qual. "Alle meine Lieblingsstücke würden sicherlich nicht auf eine CD passen. Es muss einfach eine Mischung haben, es darf nicht nur larmoyant sein, es darf nicht nur heiteitei sein." Und so hat es denn auch ein Kreisler mit "Der Tod, das muss ein Wiener sein" auf das Album geschafft, als Rausschmeißer sozusagen, während "Wien wird bei Nacht erst schön" den Anfang macht.

Dazwischen bekommt der Wien- und Walzerselige, was sein Herz begehrt: von "Wiener Blut" über "Lippen schweigen" bis "Sag beim Abschied leise Servus". Kaufmanns warmes, dunkles Timbre passt zu den Wiener Liedern. Und noch mal die alte Kaffeehauskultur beschwören - ein Abgesang? Sie sei "am Aussterben", glaubt Kaufmann. "Die großen Kaffeehäuser machen ihr Geschäft mit den Touristen. Und es schaut alles nur noch so aus, als ob es alt wäre, und die Kleinen gehen langsam zugrunde. Für Wien ist das besonders tragisch, weil eben gerade diese Kaffeehäuser eines der typischen Markenzeichen dieser Stadt sind."

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