Jubel, Misstrauen und Hass

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(dpa). So versöhnlich und umjubelt dieser Berliner Auftritt von Feine Sahne Fischfilet auch sein mag - natürlich spielen sie irgendwann "Wut". Also den Song, der einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands bei Verfassungsschützern den Ruf einbrachte, eine ganz und gar nicht auf Harmonie bedachte "linksextremistische Musikgruppe" zu sein.

"Niemand muss Bulle sein!" und "Das Martinshorn in meinen Ohren nervt", singt Frontmann Jan "Monchi" Gorkow. Doch nicht einmal ein Hauch von Gewalt oder gar Revolution liegt in der Luft. Auch die ungewöhnlich zahlreich erschienene Polizei bleibt am Freitagabend entspannt beim Open-Air-Konzert in der ausverkauften Zitadelle Spandau. Viele Fans tragen Shirts mit dem Aufdruck "Niemand muss nüchtern sein", manche sind es schon bald nicht mehr.

Der Berlin-Gig vor einem brisanten Wochenende mit gegensätzlichen Demonstrationen in Dresden und Chemnitz spiegelt die komplizierte Gemengelage rund um diese Polit-Punks, die seit dem Album "Bleiben oder Gehen" (2015) zur ersten deutschen Rock-Liga zählen. Geliebt von den Fans, misstrauisch beäugt von staatlichen Behörden, verhasst bei Rechtsextremen - Feine Sahne Fischfilet polarisieren, und sie positionieren sich. Das hat Folgen.

Bedrohlich wirkt beispielweise, was die sechs jungen Musiker aus der Nähe von Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern zwei Tage zuvor erlebt hatten. "Was reimt sich auf Zyklon B? Feine Sahne Fischfilet" steht auf einem Plakat, das die Band vor dem Auftritt am Mittwoch in Dresden empfängt. In den sozialen Netzwerken kontert die Band: "Selbst die #besorgtenbürger begrüßen uns herzlichst in Dresden! #danke, #sachsen #bockaufskonzert".

Monchi sagt dazu später: "Wir drehen die Dinge mit Ironie ein Stück weit um." Aber natürlich habe man auch mal "Schiss". Die Band engagiert sich seit Langem gegen "die Faschos". Im rechten Lager werden Feine Sahne Fischfilet massiv angefeindet. So versuchte die AfD - am Ende vergeblich - das Berliner Konzert zu verhindern. Im Oktober sagte die Stiftung Bauhaus Dessau ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet ab - rechte Gruppierungen hatten gegen den Auftritt mobil gemacht. Und im November musste ein Konzert in Chemnitz wegen einer laut Polizei ernstzunehmenden telefonischen Drohung unterbrochen werden.

"Unser Umgang damit ist: sich nicht davon fertigmachen zu lassen", sagt Monchi. "Wir haben dafür auch ein Lied: ›Angst frisst Seele auf‹." Den Mutmacher-Song spielen sie derzeit besonders gern.

Der wuchtige und sprachgewaltige Frontmann von Feine Sahne Fischfilet gibt zu: "Wir sind aber selbst keine Unschuldslämmer, wir haben eine große Fresse und wundern uns daher nicht."

Oft geht es in den Texten um Freundschaft und Solidarität, ums gemeinsame Saufen oder auch mal um Liebe. Feine Sahne Fischfilet sind aber eben auch "beim Staatsschutz" kein unbeschriebenes Blatt. So wurde die Band vor einigen Jahren im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern erwähnt - unter Hinweis auf Gewaltaufrufe gegen Polizisten.

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